Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.12.2025 - Musik

"Ceasefire now" wurde auf anti-israelischen Demonstrationen und Aktionen der jüngeren Zeit oft und laut gerufen, aber mit dem Waffenstillstand im Gazakrieg haben insbesondere auch in der dafür sehr anfälligen Popkultur die Proteste nicht einfach aufgehört, beobachtet Jens Balzer auf ZeitOnline. Im Gegenteil: Die Parolen werden martialischer und nähern sich damit der Hamas noch weiter an, der Protest scheint sich radikalisieren und verstetigen zu wollen. "Insofern ist es bei den Boykottkampagnen der vergangenen Jahre niemals nur um Frieden und Wohlergehen für die Menschen in der Levante gegangen. Vielmehr haben sie immer auch einen popkulturell vergemeinschaftenden Charakter besessen. ... Bei vielen Künstlern, die sich beteiligen, kann man nicht einmal verlässlich bestimmen, ob sie sich über den Konflikt informieren, ob sie aus echter Überzeugung handeln oder bloß in dem Gefühl, dass es irgendwie richtig ist. Man könnte es schärfer formulieren: Viele Künstlerinnen und Künstler sind Opportunisten. Oder man könnte es noch schärfer formulieren: Der Antisemitismus der Wenigen hat noch nie ohne das Mitläufertum der Vielen funktioniert."  

Inspirierte Musiker schaffen Hommagen, KIs hingegen Plagiate - dass für den Einsatz letzterer größere Summen an jene Musiker, von denen in beiden Fällen gleichermaßen abgekupfert wurde, fließen sollen, findet Detlef Diederichsen in der taz daher nicht einsichtig. Zumal der Einsatz von Technologie und Algorithmen in der Musikproduktion die letzten Jahre ohnehin zum Standard wurde. Er empfiehlt, die allgemeine Aufregung einfach mal etwas runterzupegeln: "Das große Geschäft für KIs liegt in instrumentaler Friseursalon- und Fitnessstudio-Muzak. Kunst interessiert nur eine Minderheit. Das war aber schon immer so. Seit die Musik zu einem Wirtschaftszweig geworden ist, in dem sich viel Reibach machen lässt, war - Verzeihung - Scheißmusik die Norm und Kunst die Abweichung. Ob diese Scheißmusik nun von Menschen oder KIs produziert wird, ist doch eigentlich herzlich egal."

Weiteres: In der taz empfiehlt Ralph Trommer ein vom RBB online gestelltes Morricone-Konzert. Für eine "Bizarrerie" hält es Elmar Krekeler in der Welt, dass der Starpianist Lang Lang Rolf Zuckowskis Kinderlied "In der Weihnachtsbäckerei" aufgenommen hat.

Besprochen werden das neue Chicks-On-Speed-Album "HEARandNOWtopia" (FR), ein Schubert-Abend mit dem Klangforum Wien (Standard), das neue Album von Tame Impala (Jungle World) und das Weihnachtsalbum "Dunkle Magie" des österreichischen Indierockers Oehl ("ein Geschenk", freut sich Anna Weiss in der FAS).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.12.2025 - Musik

Jan Brachmann unterhält sich in der FAZ mit Martin Helmchen, der derzeit alle Klaviersonaten Schuberts einspielt. In den Arbeiten des Komponisten zeigt sich dem Pianisten "so viel Zerrissenheit, Psychotisches, Abgründiges. ... Diese Ausbrüche bei Schubert haben etwas Vulkanisches. Man spürt die ganze Zeit, während man auf der blühenden Wiese läuft, dass darunter die Lava brodelt. ... Und diese Wut bricht aus Schubert heraus ohne jegliche Hoffnung, dass sich durch den Ausbruch etwa ändern würde. Anders als bei Beethoven, der Wut nutzt, um etwas zu konstruieren und sich am Ende daraus zu erlösen. Bei Schubert ist immer klar: Das Schicksal, die Ungerechtigkeit, die stete Ferne des Glücks lassen sich niemals ändern." Besonders deutlich werde das beim langsamen Satz der A-Dur-Sonate D 959, "wo er so vehement dreinschlägt, dass nichts mehr übrig bleibt an Form, Harmonik, Zusammenhang. Da wird ein Grad an Chaos erreicht, der im 19. Jahrhundert nicht mehr überboten werden konnte. Da steht jemand im Auge des Sturms und kann nichts machen."

Hier spielt Helmchen Schubert in Hongkong: 



Ganz tief versenkt sich FR-Kritiker Max Dax in eine Wiederveröffentlichung von Jeff Mills, dessen stilbildendes DJ-Set aus dem Jahr 1995 im Liquid Room in Tokio ein zentrales Stück Technogeschichte dokumentiert: "Was den Detroiter Techno im Unterschied zum Berliner Techno so zeitlos und unwiderstehlich macht, ist bekanntlich seine Nähe zu Motown und Soul. Es ist eine schwer zu beschreibende Melancholie, die den ekstatischen Momenten eine lyrische Note und den Momenten des Innehaltens und des Sammelns eine menschliche Grundierung anheim gibt." Für Dax ist hier "ein Magier am Werk, der, als Schlagzeuger aus dem Jazz kommend, ein DJ-Set als Intensitätsstrahl versteht, als instrumentale Erkenntnisschnittstelle".



Weitere Artikel: Axel Brüggemann blickt in Backstage Classical hinter die Kulissen des PR-Geschäfts im Klassikbetrieb. Clemens Haustein porträtiert in der FAZ die Klarinettistin Sabine Meyer, die in wenigen Tagen ihr letztes Konzert gibt. Thomas Lindemann porträtiert in der FAZ den jungen Pianisten Julius Asal, "der die Musik oft wie Pop oder Jazz behandelt: als etwas, das lebt, das man weitererzählen darf". Axel Brüggemann verzweifelt auf Backstage Classical an der ARD, die mit der Serie "Mozart/Mozart" (in den Worten Johanna Adorjáns in der SZ) mal wieder "in nahezu sensationellem Ausmaß total miserables Fernsehen zeigt". Einfach nur peinlich, wenn es nicht so bitter wäre: Der ESC-Star Nemo gibt laut Agenturmeldungen seinen Pokal zurück - wegen der Teilnahme Israel bei der kommenden Ausgabe des Wettbewerbs.

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Besprochen werden Michael Fuchs-Gamböcks und Michael Josephs Buch über die Krautrocklegende Popol Vuh, die in den Siebzigern zahlreiche Filme von Werner Herzog musikalisch unterlegt hat (SZ), ein von Thomas Guggeis dirgiertes Konzert des Tonhalle-Orchesters Zǘrich (NZZ), Jamie Taylors Buch "Studio Electrophonique" über die New-Wave-Welle aus dem britischen Sheffield um 1980 (taz) die von 50 Cent produzierte Netflix-Doku über den Prozess gegen dessen Konkurrenten Sean Combs (taz), Hayden Chisholms und Philip Zoubeks Album "As If the Stormy Years Had Passed" mit Kompositionen von George Ivanovich Gurdjieff (FR) und ein Sufi-Konzert mit dem belgischen Ensemble Jawa in Frankfurt (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.12.2025 - Musik

"Bis Putin tot ist, gehe ich nicht wieder nach Russland", selbst wenn die von ihm verehrten Petersburger Philharmoniker anrufen, sagt Paavo Järvi im VAN-Gespräch mit Alexander Gurdon. Dennoch zeigt der Dirigent Verständnis für Künstler, die hier weniger rigoros handeln - sofern sie nicht öffentlich ein Loblied auf Putin singen. "Manche müssen sich dem Diktator anbiedern, weil sie buchstäblich nirgendwo anders hingehen können. Currentzis dagegen ist wieder eine ganz andere Geschichte - kompliziert, ja, aber keineswegs so, wie der Westen oft denkt. Ich halte ihn mit Sicherheit nicht für einen heimlichen Botschafter Putins. Er macht seine Kunst; er nimmt Geld von dort, wo es verfügbar ist - in diesem Fall eben von Banken oder Institutionen, die in Russland existieren dürfen. So funktioniert das System dort. Und ehrlich gesagt: Auch die Berliner Philharmoniker nehmen Geld von der Deutschen Bank - einer Bank mit einer langen Geschichte von korrupten Krediten an Trump und von anderen Skandalen."

Außerdem: 2025 ist das Jahr der Wiederveröffentlichungen, der Archiv-Anthologien und der allgemeinen Resteverwertung, schreibt Jochen Overbeck in der Welt. In der Welt porträtiert Stefan Grund den Sänger Klaus Hoffmann. Die Agenturen melden, dass nun auch Island den kommenden ESC wegen der Teilnahme Israels boykottieren werde. Der Dirigent Ingo Metzmacher und Albrecht Selge liefern sich in VAN ein Pro-und-Contra-Duell darüber, ob Stockhausens "Gesang der Jünglinge" heute nur noch museal zu hören ist. Judith Valerie Engel spricht für VAN mit der Pianistin Samantha Ege, dem Dirigenten John Andrews und der Musikwissenschaftlerin Leah Broad über Leben und Werk der Komponistin und Pianistin Avril Coleridge-Taylor, die auch deshalb in Vergessenheit geraten ist, weil sie im 20. Jahrhundert noch ganz im Geiste des 19. komponierte. Wir hören rein:



Besprochen werden ein Konzert der lettischen Organistin Iveta Apkalna in Zürich (NZZ), Frankfurter Auftritte des Harfenisten Xavier de Maistre (FR) und der Band Kuhn Fu (FR), ein Berliner Abend mit Max Regers Klarinettenquintetten, die der Solist Jörg Widmann mit dem Signum Quartett aufführte (VAN-Kritiker Albrecht Selge stößt auf Passagen "spröder, zart angebitterter Amabilität") und Rosalías neues Album "Lux", das nach Ansicht des restlos begeisterten FR-Kritikers Stefan Michalzik eigentlich nur (wenn auch "entfernt") mit Queens Album "A Night in the Opera" vergleichbar ist. Wir hören rein:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.12.2025 - Musik

Geigenbogenbauer atmen auf, da das Washingtoner Artenschutzübereinkommen mit Blick auf den für sie wichtigen Rohstoff Fernambukholz nicht so rigoros ausgefallen ist, wie zuvor befürchtet, berichtet Stefan Schickhaus in der FR. Das Schweizer Jodeln soll Weltkulturerbe werden, berichtet Nicolas Freund in der SZ. Besprochen werden ein Konzert von Radiohead in Berlin (Welt, FAZ), ein neuer Memoirenband von Patti Smith (online nachgereicht von der Welt) und neue Pop- und Rockveröffentlichungen, darunter Curtis Hardings "Departures & Arrivals: The Adventures of Captain Curt" (online nachgereicht von der FAZ). Wir hören rein:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.12.2025 - Musik

Gerald Felber erkundigt sich im FAZ-Gespräch bei Benjamin Alard nach dem Stand der Dinge in dessen Bach-Projekt: Wohl bis Ende des Jahrzehnts will der französische Organist und Cembalist Bachs Gesamtwerk für Tasteninstrumente aufgenommen haben. Julian Weber (taz) und Christiane Peitz (Tsp) berichten vom Berliner Symposium "Afrodiaspora - Composing While Black", bei dem über die marginalisierte Rolle schwarzer Komponisten und Performer in der Klassik diskutiert wurde. Angesichts des aktuellen Berliner Konzertzyklus von Radiohead (besprochen in FAZ und Tsp) erinnert sich Gerrit Bartels im Tagesspiegel an den Berliner Auftritt der Band am 11. September 2001. Besprochen werden ein von Lahav Shani dirigiertes Konzert der Rotterdamer Philharmoniker mit Alexander Malofeev in Wien (Standard), ein Konzert der Wiener Philharmoniker unter Jakub Hrůša (Standard) und Ragawerks Album "Nola" (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.12.2025 - Musik

Manuel Brug spricht für die Welt mit der Klarinettistin Sabine Meyer, die sich von der Bühne verabschiedet. Besprochen werden Patti Smiths neuer Memoirenband "Bread of Angels" (Standard), Lionel Richies Autobiografie (NZZ), ein von Jordi Savall dirigiertes Konzert der Berliner Philharmoniker (BLZ), eine 84 CDs umfassende Box mit Aufnahmen von Friedrich Gulda (FAZ), Klima Kalimas neues Album "Voyager Blues" (FR), ein Konzert von Ulrich Tukur (FR) und das Album "Beyond the Fingertips" des Christian Marien Quartetts (FAZ).

In der Frankfurter Pop-Anthologie der FAZ schreibt Sonja Miklitz über Rosalías Song "Berghain": 

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.12.2025 - Musik

Für den Freitag wirft Ji-Hun Kim einen Blick auf den aktuellen Aktivismus gegen Spotify. Im Reflektor-Podcast spricht Tocotronic-Bassist Jan Müller mit Mille Petrozza von Kreator. In der NZZ gratuliert Bertram Job der Westfalenhalle Dortmund zum hundertjährigen Bestehen. Bernhard Heckler spricht in der SZ mit Howard Carpendale, der eben seine Autobiografie veröffentlicht hat. Besprochen werden ein von Omer Meir Wellber dirigiertes Konzert der Wiener Symphoniker mit Vadym Kholodenko (Standard), die Netflix-Dokuserie über den Prozess gegen den Rapper Sean Combs (NZZ), ein von Jordi Savall dirigiertes Konzert der Berliner Philharmoniker (FAZ, Tsp), die ab 12. Dezember laufende ARD-Serie "Mozart/Mozart" (WamS) und Lordes neues Album "Virgin" ("ein kathartisches Popalbum", schreibt Dagmar Leischow in der taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.12.2025 - Musik

Die Generalversammlung der European Broadcasting Union hat sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass Israel am nächsten Eurovision Song Contest teilnehmen darf. Spanien, Irland, Slowenien und die Niederlande haben daraufhin erklärt, die Veranstaltung zu boykottieren - auch die Rundfunkanstalten weiterer Länder könnten sich dazu noch entschließen. "Der Eurovision Song Contest ist am Ende", kommentiert Jens Balzer auf Zeit Online: "Im Grunde ist der ESC seit fast 70 Jahren die einzige paneuropäische Kulturinstitution. Und diese Institution ist nun zerstört durch die Logik des Boykotts, wie sie sich insbesondere gegen Israel und israelische Künstlerinnen und Künstler seit einigen Jahren in kulturellen Institutionen und Szenen ausgebreitet hat - unter der Fahne der Moral und des politischen Aktivismus und wie sie noch niemals zu etwas anderem geführt hat als zu eben Zerstörung. Der Eurovision Song Contest ist am Ende, die Verfechter der Boykottidee haben gewonnen, aber was damit politisch gewonnen sein soll, bleibt ihr Geheimnis." Alles halb so wild, meint offenbar Nadine Lange vom Tagesspiegel: "Selbst wenn wie in den Anfangsjahren nicht mal ein Dutzend Nationen dabei sind, wird die Show weitergehen."

Außerdem: Stephanie Grimm resümiert in der taz das britische hcmf-Festival für zeitgenössische Musik. Edo Reents (FAZ) und Jakob Biazza (SZ) schreiben Nachrufe auf den Gitarristen, Songschreiber und Produzenten Steve Cropper, der den Stax-Sound maßgeblich geprägt hat. Auch diesen Klassiker - in dessen Lyrics er mit "Play it, Steve" auch namentlich erwähnt wird, hat er entscheidend mitgewirkt: 



Besprochen werden ein Konzert von Laibach in Bosnien (taz), Howard Carpendales Autobiografie (NZZ), die Netflix-Dokuserie über den Prozess gegen Sean Combs, die ausgerechnet von dessen Konkurrenten 50 Cent produziert wurde (Standard) und das neue Album von Kraftklub (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.12.2025 - Musik

Die European Broadcasting Company tagt heute und morgen über die Teilnahme Israels beim 70. Eurovision Song Contest im nächsten Jahr. Ursprünglich sollte die Entscheidung bereits im November getroffen werden, wurde dann aber wegen des Waffenstillstands in Gaza zunächst verschoben. An den Positionen hat sich derweil wenig geändert, schreibt Ueli Bernays in der NZZ: "Spanien bleibt bei seiner Drohung. José Pablo López, der Chef des öffentlichrechtlichen Senders RTVE, bekräftigte vergangene Woche die Absicht, den ESC im Falle einer Teilnahme Israels zu boykottieren. ... Spaniens Einfluss auf den ESC ist insofern besonders bedeutend, als die spanische Rundfunkstation (...) zu den 'Big Five' gehört, die die Finanzierung des Gesangswettbewerbs garantieren." Ebenso wie "Deutschland, das seinerseits gedroht hat, sich bei einem Ausschluss Israels zurückzuziehen. So stehen sich zwei ESC-Hauptakteure frontal gegenüber. ... Sollten die Rundfunkgesellschaften im Streit auseinandergehen, hätte dies eine der größten Krisen der EBU zur Folge."

Michael Pilz (Welt) sieht die seit längerem geführte Kontroverse um Israel und den ESC auch im Kontext mit dem Flirt der insbesondere britischen Popkultur mit BDS-Positionen: "Durch die aggressive Rundfunkpolitik von EBU-Staaten wie Spanien werden solche Haltungen verstaatlicht. Sie erledigen den ESC." Dieser "war eine utopische Versammlung und Veranstaltung. Das Unpolitische war nur die Aura. Das Politische war offen, für Identitäres, Patriotisches und Parodistisches. Da wurde paramilitärisch scharf mit Feuerwerk geschossen, um Kriege zu bannen. Da saß eine Deutsche im Konfirmationskleid mit einer weißen Gitarre und wünschte der Welt ein bisschen Frieden. In der Regel waren alle da und sich im Wesentlichen einig. So war er, der Eurovision Song Contest oder Grand Eurovision de la Chanson. Er wurde 69 Jahre alt."

Weiteres: Adrian Schräder porträtiert in der NZZ The Alchemist, der eben als Hiphop-Produzent des Jahres ausgezeichnet wurde und bei dem sich nur die Allergrößten des Genres den Sound polieren und anreichern lassen: "Seine Musik wirkt wie ein Sediment aus Jahrzehnten, wie ein Archiv, das mit der Geduld eines Archäologen geöffnet wird." Marie Gundlach und Berit Kruse spüren in der SZ dem Algorithmus auf den Zahn, der jedes Jahr zum Jahresende die auf Social Media herumgereichten Spotify-Wrapped-Statistiken erstellt. In der FAZ gratuliert Jan Wiele der Jazzsängerin Cassandra Wilson zum 70. Geburtstag.

Besprochen werden das von Paavo Järvi dirigierte Debütkonzert des Tonhalle-Orchesters im Festspielhaus Baden-Baden ("ein Ritterschlag", schreibt Christian Wildhagen in der NZZ), eine von 50 Cent produzierte Netflix-Doku über den Fall Sean "Diddy" Combs (Zeit Online, Welt, SZ), ein Konzert des Ensemble Modern in Frankfurt (FR), ein Konzert von Víkingur Ólafsson in Wien (Standard), ein Konzert des London Philharmonic in Frankfurt (FR), ein Konzert der Hives in Frankfurt (FR) und eine Ausstellung mit neuerworbenen Mozartbriefen im Mozarteum in Salzburg (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.12.2025 - Musik

Derya Türkmen stellt in der taz Manifest vor, eine türkische Girl-Band, die sich musikalisch und modisch am K-Pop-Hype orientiert. Die sechs jungen Frauen kopieren den Stil der ostasiatischen Vorbilder jedoch nicht nur, sondern übersetzen ihn "ins Türkische: weniger Idolkult, mehr Alltagsnähe, weniger Coolness, mehr Selbstbehauptung. Ihre Musik - t-Pop, wie sie das nennen - verbindet die polierten Beats des K-Pop mit türkischen Popmustern, mischt R'n'B, Dance und elektronische Einflüsse. Für ihre Fans - vor allem junge Frauen - klingt das nach Aufbruch und Freiheit in einem Land voller Repressionen. Für die Kulturhüter des Landes nach Grenzüberschreitung. Denn hinter den Pastelltönen und Tanzschritten steckt mehr als Show: eine Generation, die sich auf der Bühne so zeigt, wie sie im Alltag oft nicht darf." Gar nicht gut an kommt das bei der türkischen Obrigkeit. Die Staatsanwaltschaft Istanbul wirft der Band bereits "unanständige Bewegungen" vor.

Wir hören natürlich rein:



Der Rapper Chino Amobi legt, lesen wir bei Standard-ler Christian Schachinger, mit seinem neuen Album "Eroica II: Christian Nihilism" einen "schweren Brocken" vor. Das ziemlich rätselhafte Werk ist unter anderem von "grimmigen Schriften der russischen Orthodoxie" inspiriert: "Gleich im Opener 'The Triumph of the Cross' hören wir verfremdete und durch die akustische Kälte einer ungeheizten Kirche dringende sakrale Chormusik. Die passt in folgenden Stücken wie 'Hand of God' zu einer Mischung aus Rap mit Grabesstimme und Quietschenenten-Gesang aus den Pop-Charts. In der beharrlich im Zeitlupentakt Richtung Kifferparanoia pochenden 'Space City' oder in '777' erinnert Amobi an Massive Attack oder an den düsteren, technoiden Berliner Dub von Basic Channel oder Rhythm & Sound."

Auch das wollen wir uns nicht entgehen lassen:


Sean Comby aka P Diddy
wehrt sich gegen eine neue Netflix-Doku, gibt der Standard durch. Michael Maier trifft sich für die Berliner Zeitung mit dem Dirigenten Jordi Savall, der bei den Berliner Philharmonikern debütiert. Besprochen wird "Resurrection", ein Album, das Hans Lüdemann gemeinsam mit dem westafrikanisch-westeuropäischen Trio Ivoire aufgenommen hat (FR).