DU, das Schweizer Magazin für Kultur, hat seine Septemberausgabe ganz Amerika gewidmet. Der
Schriftsteller Charles Simic hat sich aus dem gottfernen New York in den
erzfrommen Süden gewagt. Angesichts seiner Eindrücke fragt er sich bange, "wie lange noch" die USA ein
säkularisierter Staat sein werden: "Es heißt, als
Präsident Bush diesen Sommer den Papst besuchte, habe er versucht, den
Vatikan dafür zu gewinnen, ihn bei seiner
Wiederwahl zu unterstützen. Bei der religiösen Rechten in den Vereinigten Staaten ist er auf solche Appelle nicht angewiesen. Während der vielen Stunden, die ich in Mississippi und Alabama im Auto unterwegs war und
christlichen Rundfunk hörte, drängte sich mir der Eindruck auf, dass die
Bibel die beste Informationsquelle zum aktuellen Geschehen und der einzige Führer sei, den man braucht, um seine Entscheidung für die Wahlen zu treffen. Die
Kriege, die der Präsident uns versprochen hat, sind dort alle
vorausgesagt. Der
Antichrist ist unter uns, und er
heißt Kofi Annan oder Jassir Arafat." (Diesen und die beiden folgenden Artikel finden Sie
online hier - alle untereinander auf einer Seite.)
Peter Haffner führt ein langes Interview mit
Joseph S. Nye, dem
Dekan der
John F. Kennedy School of Government in Harvard. Unter anderem beklagt Nye das "Aufmerksamkeitsmangel-Syndrom" der US-Außenpolitik und erklärt, warum Amerikaner viel
"zu ungeduldig" sind, um ein Empire zu errichten. Er sagt aber auch:
Europa braucht ein starkes Amerika.
William Pfaff,
Autor der
International Herald Tribune, erläutert kenntnisreich und lesenswert die historischen Gründe dafür, dass Amerika momentan "zerrüttet, zerlegt,
gespalten und sogar demoralisiert" ist.
Nur im Print: Martin Kilian porträtiert
Tim Russert, den "berüchtigtsten Interviewer" Amerikas.
Greil Marcus spricht im Interview über Politik, Kultur, die USA und Europa. Der Politologe
Michael Walzer spricht im Interview über die Immigration -
el futuro de los Estados Unidos. Jörg Häntzschel hat
Yale University, Ltd. besucht. Und Ted Halstead und Michael Lind machen Vorschläge für eine
amerikanische Sozialpolitik im 21. Jahrhundert.