
Dass
Social-
Media-
Plattformen von Idealisten geleitet werden, die die Menschheit in eine bessere, demokratischere Zukunft führen wollen, kann man heute selbst kleinen Kindern nicht mehr weismachen. Wie eng
Twitter beispielsweise schon seit geraumer Zeit mit autokratischen Regimes, konkret dem
saudi-arabischen Königshaus, verbunden ist,
erläutert Jacob Silverman: "Bis zur zweiten Amtszeit Obamas war Twitter in Saudi-Arabien zu einem Ort geworden, an dem die Herrscher des Königreichs Propaganda verbreiteten, abweichende Meinungen überwachten und Zielpersonen für das persönliche Enforcer-Team Prinz Mohammeds identifizierten. Viele Saudis wussten, dass sie
besser nicht unter ihrem echten Namen auf Twitter posten sollten. Doch die saudische Regierung war sogar in der Lage, pseudonyme Konten zu enttarnen und deren Besitzer ausfindig zu machen - die anschließend verhaftet wurden. Lange Zeit fragten sich oppositionelle Saudis, wie genau das möglich war und ob es Gegenmaßnahmen geben könnte. Sie gingen davon aus, dass die saudische Regierung Zugang zu den besten westlichen Sicherheitsfirmen und hochentwickelter Spionagesoftware hatte. Was sie damals noch nicht wussten: Prinz Mohammed und seine Helfer verfügten über etwas noch Besseres - ein
Spionagenetzwerk innerhalb von Twitter selbst. Im Juni 2014 besuchte ein saudischer Beamter namens Bader Al Asaker die Twitter-Zentrale in San Francisco. Al Asaker war Generalsekretär der Wohltätigkeitsorganisation des Prinzen, der
Misk Foundation, und leitete zugleich das Privatbüro des Kronprinzen. Einer derjenigen, die diese Besichtigung arrangierten, war der Twitter-Mitarbeiter
Ahmad Abouammo. Laut US-Staatsanwälten wurde Abouammo von Al Asaker gezielt angeworben, um für ihn zu spionieren. In den darauffolgenden Monaten erhielt Abouammo mehr als 100.000 Dollar in bar und Geschenke, während er Informationen sammelte, darunter E-Mail-Adressen, Telefonnummern und private Nachrichten von saudischen Dissidenten, Journalisten und anderen relevanten Nutzern." Und das war nur der Anfang. Seit Elon Musks Übernahme von Twitter haben sich die Dinge keineswegs zum Besseren gewendet, meint Silverman.
Der kenianische
Schriftsteller Ngũgĩ wa Thiong'
o beschreibt, wie der Kolonialismus
Sprache in ein Machtmittel verwandelte. Nicht erst in Indien und Afrika, sondern bereits viel früher in Irland wurde etwa die englische Sprache dazu verwendet, schwächere Populationen zu unterdrücken. Was aber folgt daraus? Sicherlich nicht, stellt Thiong'o klar, dass es eine schlechte Sache ist, fremde Sprachen zu lernen. Aber: "Selbst wenn eine Sprache zur gemeinsamen Verständigungssprache zwischen vielen Sprachen wird, sollte dies nicht aufgrund einer vermeintlich angeborenen Nationalität oder Globalität dieser Sprache geschehen, sondern aus Notwendigkeit und
praktischem Bedarf. Und selbst dann sollte sie nicht auf dem Friedhof anderer Sprachen wachsen. Eine ausgewogene und inklusive Bildung braucht ein neues Motto:
Netzwerk, nicht Hierarchie. Wir müssen verstehen, dass alle Sprachen, große und kleine, eine gemeinsame Sprache haben - sie heißt
Übersetzung. Bildung darf niemals zu sprachlicher und kultureller Selbstisolation führen. Ich möchte mich mit der Welt verbinden - aber das bedeutet nicht, dass ich meine eigene Ausgangsbasis verleugnen muss. Ich möchte mich von
meinem Standpunkt aus mit der Welt verbinden. Ich glaube, dass das Ziel von Bildung Wissen ist, das uns unsere wahren Verbindungen zur Welt zeigt - aber ausgehend von
unserer eigenen Basis. Von dieser Basis aus erkunden wir die Welt; und aus der Welt bringen wir das zurück, was unsere Basis bereichert. Das scheint mir die wahre Herausforderung bei der Organisation und Vermittlung von Wissen in einem inklusiven und ausgewogenen Bildungssystem der heutigen Welt zu sein."