
Tristan McConnell
erkundigt sich nach dem Stand der Dinge in der archäologischen Forschung zu
Doggerland, also jener Landmasse, die einst Großbritannien und das europäische Festland verband und seit dem Abtauen der Eiszeitgletscher
unter der Nordsee liegt. Früher lediglich als Landbrücke eingeschätzt, ist man sich heute ziemlich sicher, dass die beträchtliche Landfläche für unsere prähistorischen Vorfahren als Lebensraum zuweilen durchaus von Reiz gewesen sein dürfte. Mit
Bodengaten aus der Ölindustrie und neuen Technologien lässt sich die Landschaft heute in 3D rekonstruieren, sodass man gezielt Ausschau nach Regionen halten kann, in denen Menschen lebten oder gar früheste Formen von Sesshaftigkeit entwickelten. Doch "Doggerland erinnert uns auch daran, dass die Welt nicht statisch ist, dass die Landschaft, die wir heute kennen, anders ist als in der Vergangenheit und auch
in der Zukunft nicht diesselbe sein wird. ... Weil sich die Landschaft in einem anhaltenden Wandel befindet, sorgt sich der Landschaftsarchäologe Vincent Gaffney, dass wir die Vergangenheit aus dem Blick verlieren. Ein ironischer Aspekt seiner Arbeit besteht darin, dass Doggerland mittels jener seismischen Daten entdeckt wurde, die bei der
Extraktion fossiler Treibstoffe erhoben wurden, die den Klimawandel vorantreiben, der uns alle bedroht. Aber auch die
erneuerbare Energie, die so wichtig ist, um das Ziel der Klimaneutralität zu erlangen, droht Doggerland für immer unzugänglich zu machen. Das Gewimmel von Seekabeln, Ankern, Pfahlwerken und Sicherheitszonen könnte es unmöglich machen, nach Proben zu baggern. Schon jetzt sind tausende Windräder im Einsatz, und tausende weitere werden dazukommen. Doch Gaffney sieht in der Windenergie-Infrastruktur gleichermaßen Möglichkeiten wie Ǵefahren. Wie die Ölfelder fördert die Entwicklung im Bereich der Windfarmen
erhebliche Mengen neuer Daten über die Geologie und den nicht allzu tiefen Meeresboden zutage. Diese Informationen könnten das Verständnis von Doggerland vertiefen. Gaffney hat vor, die Windfarm-Entwickler und die nationalen Regierungen von Doggerlands Relevanz als
Natur-
und Kulturerbe zu überzeugen und ebenso von der Dringlichkeit, dass Daten geteilt werden müssen und archäologische Forschung stattfinden muss, bevor neue Windfarmen errichtet werden und der Zugang zum Meeresboden versiegelt ist. 'Das ist eine zeitlich begrenzte Möglichkeit, eine der letzten großen vormals bewohnten Landschaften der Erde zu erforschen und wir haben gerade erst einmal angefangen, den Code zu knacken', sagt Gaffney."