Magazinrundschau - Archiv

Hakai

3 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 22.12.2020 - Hakai

Christopher Clark wirft einen Blick auf die Küste Kongos, wo die traditionelle Haifischfischerei die Bevölkerung wirtschaftlich und auch im Wortsinn ernährte. Jetzt droht Überfischung - nicht nur wegen der Professionalisierung des Zweigs, mangelnder Regulierung durch den Staat und der steigenden Präsenz Chinas in der Region, sondern auch, weil Haifisch mittlerweile im gesamten Land zentraler Bestandteil der Ernährung ist. Hinzu kommt: "Die Covid19-Pandemie hat internationale Handelsrouten blockiert und damit die ohnehin taumelnde Wirtschaft Kongos weiter gelähmt. Unterdessen sieht sich eine wachsende Zahl von Migranten im ganzen Land und der umgebenden Region in Richtung Küste gedrängt - die Folge einer Kombination aus Klimawandel und Konfliktherden. Der Wettbewerb um die ohnehin schon überausgebeuteten Ressourcen nimmt damit zu. Hinzu kommt, dass der Kongo weiterhin Fischer aus anderen westafrikanischen Ländern anzieht, deren Fischbestände entweder leer gefischt sind oder denen striktere Kontrollen auferlegt wurden, um genau dies zu verhindern. Sollte Kongos Fischerei kollabieren, wären die Folgen im ganzen Land und in der umliegenden Region spürbar. Angesichts der ähnlich trüben Lage bei den Sardinen, von denen ein Großteil nach China verkauft wird, um daraus Fischmehl herzustellen, würde dieser Kollaps nicht nur drückende ökonomische und ökologische Sorgen nach sich ziehen, sondern auch ein beträchtliches Risiko für die Ernährung darstellen. In einem Land, dessen Bevölkerung zum großen Teil auf Fisch - und besonders auf Haifisch - als primäre und oft einzige Eiweißquelle angewiesen ist, könnte sich das Wohlergehen des Fischereihandwerks als Sache von Leben und Tod herausstellen. Bis auf weiteres allerdings und entgegen einer Fülle internationaler Empfehlungen von Organisationen wie der Food and Agriculture Organization der UNO, verbleibt die Haifischerei de facto unreguliert."

Magazinrundschau vom 06.10.2020 - Hakai

Allein 2018 strandeten 200 nordkoreanische Fischerboote an Japans Küste - oft ohne eine Spur der Angler, gelegentlich finden sich noch einige mumifizierte Leichenreste. Mittlerweile arbeitet Japan daran, die Fischer und ihre Nussschalen, die sich teils 500 Kilometer von der eigenen Küste entfernt im Wasser tummeln, zu evakuieren. Andrea Valentino hat sich mit den Ursachen für diese tragische Geschichte befasst: Seit der großen Hungersnot in den frühen Neunzigern ist die Fischerei eine der wichtigsten Nahrungsquellen des Landes. "Und doch hat Nordkorea in jüngsten Jahren die Angelrechte vor der eigenen Küste an China abgetreten, wahrscheinlich brauchte man das Geld, nachdem das Land wegen seiner Nukleartests mit Sanktionen belegt worden war. Zwar erzielt das Regime dadurch jährlich 75 Millionen Dollar an harter Währung, schnitt damit aber auch die eigenen Fischer von ihren angestammten Gewässern ab. Dies wiederum zwingt die nordkoreanischen Angler dazu, tiefer ins Meer vorzustoßen - nicht nur für sich selbst, sondern auch im die harten Quoten des Regimes zu erfüllen. Mitglieder der Vereinten Nationen, darunter Kanada, haben Nordkorea 2017 zwar neue Sanktionen auferlegt, um das Land daran zu hindern, die Angelrechte zu verkaufen. Doch mit 800 chinesischen Fischerkuttern, die Berichten zufolge allein im letzten Jahr in nordkoreanischen Gewässern tätig waren, gibt es wenig Hinweise darauf, dass Peking und Pyöngyang diesen UN-Versuchen sonderlich Bedeutung beimessen. ... Mit ihren tuckernden Motoren von 36 Pferdestärken und ihren Planenbehausungen sind die nordkoreanischen Boote noch nicht einmal für ruhige Küstengewässer gut geeignet, geschweige denn für den Regen und die Böen vor der japanischen Küste. ... Bedenkt man noch, dass die Schiffe kein GPS haben, wird rasch klar, wie aus diesen Invasoren Geisterschiffe werden konnten: Sind sie erst einmal vom Kurs abgekommen oder nicht mehr in der Lage, den starken Gezeiten zu widerstehen, sterben die Fischer schließlich an Hunger oder Erschöpfung. Ihre Boote schlagen Wochen und Monate später in Japan auf. Kein Wunder, dass Chongjin seit kurzem einen neuen Spitznamen hat: die Stadt der Witwen."

Außerdem schreibt F. Salazar darüber, wie ein Nest auf einer norwegischen Insel nicht so recht touristisches Kapital aus dem Umstand schlagen kann, dass Forscher dieses Eiland aus durchaus guten Gründen für jenen sagenumwobenen Boden halten, den der römische Autor Pytheas einst "Ultima Thule" taufte (auch wenn die Insel so ultimativ hoch im Norden eigentlich gar nicht liegt).
Stichwörter: Nordkorea

Magazinrundschau vom 29.09.2020 - Hakai

Hakai ist ein kanadisches Magazin, dass sich weltweit Gesellschaften widmet, die an Küsten leben. Eine wunderbare Idee! Eine sehr schöne Reportage schickt Shanna Baker aus dem indischen Gujarat, an dessen Küsten Kamele durchs Wasser zu kleinen Inseln schwimmen, um an ihr Futter - Mangrovenwäldchen - zu kommen. Wer hätte gedacht, dass Kamele schwimmen können? Es handelt sich um Kharai-Kamele, "eine für diesen Keil der Welt einzigartige Rasse, benannt nach dem lokalen Wort für 'salzig'. Die Tiere fressen Mangroven und andere salzige Nahrung entlang des Festlandes, schwimmen aber auch regelmäßig bis zu drei oder vier Kilometer ins Arabische Meer, um Zugang zu Inselhainen zu erhalten." Kamele können sich außerdem an größte Hitze und Kälte anpassen, lernen wir. "In Regionen, die von zunehmender Dürre und Trockenheit betroffen sind, können Kamele Kühe, Schafe und andere weniger widerstandsfähige Nutztiere ersetzen. In den letzten 20 oder 30 Jahren sind Kamele zum Beispiel in Nigeria, Tansania und Uganda zu einer neuen Errungenschaft geworden. Sie sind eine Quelle für Milch, Fleisch und Wolle und werden für den Tourismus und für Rennen eingesetzt. 'Kein anderes Haustier ist in der Lage, dem Menschen so viele verschiedene Dienste zu leisten', schrieb 2015 der in Frankreich lebende Kamel-Experte Bernard Faye, der überzeugt ist, dass Kamele die Tiere der Zukunft sind.
Stichwörter: Nigeria, Uganda