Magazinrundschau - Archiv

The Morning News

4 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 28.08.2012 - Morning News

In Amerika gibt's die schöne Einrichtung der Sommer-Künstlerkolonie. Alexander Chee singt ihr ein Loblied: Das Leben dort ist kostenlos oder zumindest sehr billig. Und man wird in Ruhe gelassen. "Es ist eine Bürde, unter Nichtkünstlern zu leben, wenn man in den Zustand der Versunkenheit gerät, die für das Kunstschaffen unerlässlich ist, denn dann ist man keine normale Person. Die gute Neuigkeit ist, dass das in einer Kolonie auch nicht erwartet wird - man muss natürlich höflich und respektvoll sein zu anderen Besuchern, aber nicht normal. Das ist eine große Erleichterung." In der Kolonie MacDowell schließt die Rundumversorgung einen morgendlichen Picknickkorb ein, der die MacDowell Gazette mit umfasst, "ein Newsletter, der von Hope Tucker und Dan Basila erstellt wird, mit Kapiteln wie 'Erwünschte Verbindungen' und einem Mix aus echten und ausgedachten Neuigkeiten. 'THE NEW GAYDAR - NUR SCHULE MÄNNER KÖNNEN ANDERE SCHWULE MÄNNER BEIM SEX IM WALD SEHEN.' 'MACDOWELL-KOMPONISTEN SIND BESONDERS GEFÄHRDET DURCH BÄRENANGRIFFE.' Der Küchenklatschreport listet die Lieblingsbands einer Küchenhilfe auf, in die wir alle verknallt sind: 'Die junge Küchenhilfe SAM liebt AC/DC, Black Sabbath, Megadeth und die Bee Gees. Die Anomalität wurde nicht erklärt.' Meine Lieblings-'Erwünschte Verbindung': 'Ich sah deine Fußabdrücke im Schnee. Sie gingen den Hügel hinauf und wieder herunter. Wo hast du geschlafen? Nicht mit mir.'"

Magazinrundschau vom 17.04.2012 - Morning News

Alex Jung, asiatisch-amerikanischer Schwuler aus Florida mit einer Jeansgröße deutlich über 34, hat über die Jahre ein Unbehagen an seinem Körper, maskuliner Kleidung und überhaupt dieser Standard White English Fashion entwickelt, die sich für ihn in zigarettenförmigen Hosen manifestiert. Warum ist überhaupt so festgelegt, was ein Mann tragen muss? Jung, der ein ganz normaler Typ ohne Modekenntnis ist, erzählt sehr schön, wie er langsam seine Angst ablegte, ein Kleidungsstück zu tragen, dass als nicht besonders männlich gilt: drop-crotch pants, die alles sein können - von der Rapperhose bis zur im Deutschen sogenannten Haremshose. "Mein Pessimismus in Bezug auf Männermode, Globalisierung und Männlichkeit, wurde sofort gemildert durch ein erstaunliches Bild. Kürzlich fotografierte Scott Schuman, The Satorialist, Ryo Miyamoto, der an eine graue Steinmauer in Manhattan gelehnt war. Miyamoto trägt Schichten über Schichten von Stoff: Einen Blazer über einer gesteppten Weste über einer langen Strickjacke, die über einem gesteppten Rock hängt, der über eine weiße Hose gezogen ist. Die Farben sind warm und tief - oliv, burgunder, dunkle Blaus. Es ist verstörend und fesselnd, man sieht zweimal hin, denkt zweimal nach." Hier einige Beispiele für die - tja, wie soll man sagen, Hängebodenhose? - von Comme des Garcons und Junya Watanabe: gemäßigt, etwas mutiger oder extrem, in kurz, oder lang, geblümt, gepunktet oder als Reiterhose.

Magazinrundschau vom 26.07.2011 - Morning News

Man weiß manchmal nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn Paul Ford erzählt, wie er und seine Frau versuchten ein Kind zu bekommen. Nach drei Jahren, tausenden von Dollarn, demütigenden Prozeduren und elf negativen Resultaten blieb nur noch eins, so die Ärzte: In-vitro-Fertilisation. "Wir hatten geschworen, dass wir dahin nie kommen würden. Wir fragten: 'Ist es das, was Leute tun, wenn sie an diesem Punkt angekommen sind?' Die Ärzte nickten. So wurden wir zu Menschen, die ein Baby aus dem Reagenzglas zu bekommen versuchten. Pille auf Pille, Schuss auf Schuss, erschöpft aber hoffnungsvoll. Dem Protokoll folgend. Meiner Frau wuchsen Eier - vielleicht dutzende von Eiern - die von ihrer Eileiter hingen wie Weintrauben. Sie war wund und hatte Schwierigkeiten beim Gehen."
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Stichwörter: Pille

Magazinrundschau vom 18.01.2011 - Morning News

Tyler Stoddard Smith erinnert sich daran, wie er Allen Ginsberg kennenlernte, der sofort das Herz des damals neunjährigen Tyler gewann, weil er The Clashs "Rock the Casbah" liebte. "Ich inszenierte eine Modenschau für Ginsberg, bei der ich, in alte Klamotten aus dem Army surplus store-cum-saloon in Galveston gekleidet, 'Combat Rock' auf meinem Ghetto Blaster spielte. Mein wertvollster Besitz in diesem Moment war eine alte Plastik-Kalaschnikow, die wie ein Maschinengewehr Rata-tat-ratatat-ratata machte. Und während ich vor Ginsberg paradierte, feuerte ich meine Waffe auf ihn, was er zu genießen schien - mit Todesröcheln und Kriegsschreien. Noch begeisterter war ich, als ich erfuhr, dass Ginsberg von The Clash angeworben worden war, das Herz-Sutra in 'Ghetto Defendant' zu singen. Als Schlafenszeit war, las er mir Shel Silversteins "Where the Sidewalk Ends" vor. Unser Lieblingsgedicht war 'Captain Hook'. Er sagte, er kenne Silverstein, sagte, der Mann sei 'fucking crazy - vielleicht erzählst du deiner Mama und deinem Papa besser nicht, dass ich dieses Wort gesagt habe.' 'Das ist okay, sie sagen 'fucking' die ganze Zeit.' 'Schön.'"
Stichwörter: Ginsberg, Allen, Plastik