Magazinrundschau - Archiv

Tehelka

9 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 30.09.2014 - Tehelka

Nach heftigen Regenfällen wurde Kaschmir Anfang September von dem schlimmsten Hochwasser seit über hundert Jahren heimgesucht, mehr als 200 Menschen kamen in den Monsun-Fluten um. Mit sinkendem Wasserspiegel werden nun Vorwürfe laut, die nationalen Medien hätten die Leistung der freiwilligen lokalen Helfer ausgeblendet und die Flut zu politischen Zwecken instrumentalisiert, berichtet Riyaz Wani: "Dass sich die Berichterstattung über die Katastrophe auf die verdienstvolle Arbeit der Armee konzentrierte, wird als Trick angesehen, die Aufmerksamkeit von der humanitären Tragödie auf den Heldenmut des Einsatzkräfte umzulenken. "Es wirkte beinahe wie der Versuch, die Kaschmirfrage in der Flut zu versenken. Es gab eine implizite Botschaft in der Berichterstattung: Jetzt, wo das Militär den Menschen hilft, haben sie kein Recht mehr, sich zu beschweren und zu widersetzen", sagt Naeem Akhter, der Vorsitzende der demokratischen Volkspartei Kaschmirs (PDP)."

In weiteren Artikeln untersucht Shyju Marathumpilly die endemische Korruption in der mächtigen paramilitärischen Truppe Assam Rifles, und Kajal Basu schlüsselt die internationale Struktur des IS auf.

Magazinrundschau vom 22.05.2012 - Tehelka

Shoma Chaudhury kann es nicht fassen. Eine Riesen-Karikaturen-Affäre erschüttert Indien. Anlass ist eine Zeichnung K Shankar Pillais - des Begründers der politischen Karikatur im demokratischen Indien - aus dem Jahr 1948. Sie zeigt Bhimrao Ramji Ambedkar - einen der Väter der indischen Verfassung mit einer Peitsche in der Hand auf einer Schnecke, die das nur langsam vorankommende Verfassungsprojekt symbolisiert. Hinter ihm steht Nehru, ebenfalls mit Peitsche, um der Schnecke Dampf zu machen. Das Problem ist nur: Ambedkar war Dalit, Nehru gehörte der Brahmanenkaste an. Die Zeichnung ist "kasteistisch" und nicht mehr politisch korrekt. Sie wurde aus Schulbüchern entfernt. Chaudhury kommentiert: "Die Kongresspartei, die Kommunisten, die Sozialisten, der TMC und kleinere Gruppierungen jeder Couleur, die sich auf nichts Sinnvolles einigen können - weder auf das Landerwerbsgesetz, noch auf die Frauenquote im Parlament, noch auf ein Gesetz zur Verbesserung der Lage der Bauern, noch auf Antikorruptionsgesetze - hier sind sie sich einig!" Tehelka bringt ein ganzes Dossier mit vielen Statements zu der Affäre.

Magazinrundschau vom 26.04.2011 - Tehelka

Nisha Susan berichtet von einer Konferenz südasiatischer FeministInnen in Nepal. Sie verfährt dabei insgesamt sehr summarisch, interessant aber ist eine einzelne Geschichte, die sie erzählt. Es geht darin um die britische Journalistin Sarah Harris, die - so Susan - in einer Dokumentation über SexarbeiterInnen nicht nur üble Klischees verbreitete, sondern auch noch eine Frau als HIV-positiv outete. Die Organisation Veshya Anyay Mukti Parishad (VAMP), die Harris Zugang gewährte und sich verraten fühlt, schlug daraufhin zurück: "Das Kollektiv produzierte einen kurzen und bündigen Video-Gegenschlag und postete ihn bei YouTube - das ist ein bemerkenswertes Dokument. Mehrere Mitglieder des Kollektivs sprechen direkt in die Kamera und konfrontieren Harris, wo immer sie ist, mit ihrem Rassismus, ihrer Manipulation der Fakten und ihrer schieren Ignoranz. 'Sind wir in Dein Haus gekommen und haben Deinen Gott beleidigt? Hast Du der jungen Frau gesagt, dass Du alle Welt über ihre HIV-Erkrankung informieren willst?' Die erste Wirkung des Videos war, dass Harris das Outing aus ihrem Film genommen hat. Eine Entschuldigung der Filmemacherin gab es bislang nicht, aber fast 10.000 Menschen haben das Antwortvideo von VAMP bislang gesehen."
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Stichwörter: Nepal, Rassismus

Magazinrundschau vom 05.04.2011 - Tehelka

Sunaina Kumir stellt das sehr seltene Exemplar eines wirklich unabhängig produzierten Films eines professionellen indischen Regisseurs vor: gedreht hat ihn Onir, der der einzig bekennende Schwule im weiteren Bollywood-Zusammenhang ist und für seinen Debütfilm "My Brother Nikhil" (hier die NYT-Kritik) viel Lob erhielt: "Es ist ja sehr die Frage, ob es so etwas wie ein Independent-Kino in Hindi überhaupt gibt; schließlich werden die meisten Film, die sich als Indies bezeichnen, in Wahrheit von großen Studios und noch größeren Marketing-Budgets unterstützt. Wäre es aus sonst keinem Grund: [Sein jüngster Film] 'I Am Omar' ist wichtig schon als einer der ganz wenigen wirklichen Indie-Filme seit langer Zeit. Seine Macher bezeichnen ihn als Indiens ersten crowd-gesourcten Film. Kurz gesagt, ist es so, dass Freunde von Regisseur Onir und Freunde von Freunden auf seinen auf Facebook geposteten Aufruf reagierten, in dem er um Einzelbeiträge von 1000 Rupien (rund 15 Euro, PT) aufwärts bat. Mehr als 400 Leute waren bereit dazu und ihnen allen gehört nun gemeinsam mit seinem Regisseur dieser Film. 'I Am Omar' besteht aus vier Kurzfilmen, die jeder für sich oder im Zusammenhang gesehen werden können und durch einen subtilen thematischen Faden zusammengehalten werden. In 'I Am Omar', in dem Rahul Bose die Hauptrolle spielt, geht es um Schwulenrechte in Indien."
Stichwörter: Bollywood, Indie

Magazinrundschau vom 21.02.2011 - Tehelka

In einem exzellent geschriebenen und kenntnisreichen Text gibt Arul Mani seiner Enttäuschung über den Werdegang des größten aktuellen Bollywood-Komponisten A.R. Rahman Ausdruck. Wobei der Begriff "Bollywood" die Sache schon nicht recht trifft. Eigentlich kam Rahman aus der Filmindustrie Tamil Nadus, deren bis dato sehr klischeelastige Soundtracks er wirkungsvoll unterwanderte. Von Bollywood führte sein Weg dann in die große weite Globalkinowelt. Und irgendwo dazwischen gingen die subversiven Elemente, bedauert Mani, verloren: "Wenn man sich 'Slumdog Millionär' und '127 Stunden' betrachtet, dann muss man sich fragen, ob der Eintritt ins mittlere Alter oder eine neu erworbene Übervorsicht die zwei bestimmenden Fähigkeiten Rahmans beinträchtigt haben - seine Antizipation der Wünsche und Träume des Publikums und seine Gabe zur Subversion. Seine Zusammenarbeit mit MIA bei 'Slumdog Millionär' enttäuschte dabei auf ganzer Linie. Das freundlichste, was man darüber sagen kann, ist, dass sie klingen wie Senioren, die bei einem Altersheim-Ausflug den Preis für Schwung und gute Laune erhalten... Es ist freilich gut möglich, dass Rahman gerade dabei ist, ein neues, globales Publikum zu erfinden. Es ist dann aber genauso wahr, dass eine Reihe Leute wie ich nicht mehr Teil dieses Publikums sind. Wir leben nicht mehr länger auf einer Insel und er kann nicht mehr, wie er es früher war, unsere Brücke in andere Gegenden sein."
Stichwörter: Bollywood, Filmindustrie

Magazinrundschau vom 18.01.2011 - Tehelka

Tehelka dokumentiert einen höchst erstaunlichen Fall. Der lange Zeit sehr mächtige Hindu-Ideologe und Anti-Muslim-Terrorist Swami Asimananda bekennt, wie es aussieht, aus freien Stücken seine Taten und will nun auch islamistische Fanatiker zur Umkehr bewegen. In einem Brief an die indische Präsidentin Rashtrapati Bhavan schildert er selbst die Geschichte seiner Bekehrung: "Im Gefängnis begegnete ich einem jungen Muslim namens Kaleem, der sehr freundlich zu mir war. Ich fragte ihn, was ihn ins Gefängnis gebracht hatte und er berichtete, die Polizei von Hyderabad habe ihn zu Unrecht verhaftet und gefoltert im Zusammenhang mit den [seinem eigenen Geständnis nach von Asimananda organisierten, PT] Bombenanschlägen von Mecca Masjid. Das traf mich tief. Es verwandelte mich. Der Mann, der jeden Grund hatte, mich zu hassen, zeigte mir seine Liebe. Schließlich hatte er für meine Untaten leiden müssen. Ich verstand, dass Liebe zwischen zwei Menschen mächtiger ist als der Hass zwischen zwei Gemeinschaften... Ich habe ebenfalls einen Brief an den pakistanischen Präsidenten geschrieben, in dem ich ihm von meinem Fall berichte und ihn gebeten, mir eine Möglichkeit zu geben, islamistische Anführer des Terrors und Fußsoldaten des Dschihad in Pakistan auf den Weg des Friedens zu führen."
Stichwörter: Dschihad

Magazinrundschau vom 16.11.2010 - Tehelka

Während die europäischen Rentensysteme langsam zusammenbrechen, untersucht Shahina KK, was Altersarmut in Indien bedeutet, wenn die Jungen die Alten nicht mehr versorgen können. Das tamilische Wort für Gnadentod ist "Thalaikoothal". Er kann die Form eines liebevoll zubereiteten Ölbads annehmen oder die brutalere Form eines Munds voll Schlamm. Er liegt "in dem undefinierbaren Bereich zwischen Verbrechen und verzweifelten Taten aus Armut": "Kasi, ein Tagelöhner, zog aus dem Haus seines Sohnes aus, nachdem seine Frau gestorben war. Er weiß nicht genau, ob er 65 oder 70 Jahre alt ist, aber seine weißen Haare, der weiße mächtige Schnurrbart und die dunkelbraune faltige Haut bezeugen sein langes und beschwerliches Leben. Kasi entschloss sich auszuziehen, als er merkte, dass seine Kinder es müde wurden, ihren Vater zu versorgen. 'Ich mag sie sehr gern und kann mir nicht vorstellen, dass sie mich töten würden', sagt er. 'Aber ich wollte sie auch nicht zu extremen Schritten provozieren.' Ob auch er in ein paar Jahren zu einem entspannenden Ölbad eingeladen worden wäre, weiß Kasi nicht. Und er war auch nicht neugierig, es herauszufinden." Die Autorin sagt leider nicht, wohin Kasi und andere in seiner Lage gehen.

Außerdem: Altaf Tyrewala, Autor von "No God in Sight", erzählt, wie ihm im zarten Alter von 33 Jahren Ebooks die Lust am Lesen wiedergegeben haben.
Stichwörter: Ebooks, Ebook, Altersarmut

Magazinrundschau vom 02.11.2010 - Tehelka

Arundhati Roy hat in Indien mit Äußerungen über Kaschmir mal wieder eine Riesendebatte ausgelöst. "Kaschmir war nie ein integraler Bestandteil Indiens" hat sie gesagt, und in einer Konferenz mit dem Separatisten Syed Ali Shah Geelani plädierte sie für eine Unabhängigkeit Kaschmirs, woraufhin indische Medien verlangt haben, dass man sie wegen "Volksverhetzung" verklagt. Shoma Chaudhury verteidigt die Autorin in der Titelstory von Tehelka: "Das Indien des 21. Jahrhunderts ist nicht ein Land, es sind zwei Kontinente. Wenn du Geld hast, der Mittelklasse angehörst und Englisch sprichst, lebst du auf einem sehr lebenswerten Kontinent. Es gibt viele Chancen: Jobs, tolle Bars, Häuser, die man kaufen kann, und sogar Ferien. Wahlen sind frei und die Demokratie war nie stärker. Wenn du arm oder Muslim bist oder in Stammesgebieten lebst, dann ist dein Kontinent dunkler. Roy hat auch die dunkle Seite aufgesucht .. Die Mittelschicht kann diese Liebe nicht verstehen. Diesen Kontinent hat sie nie besucht. Im Herzen der ewigen Kontroverse zwischen Roy und jenem Indien, das sie einst feierte, liegt ein tiefer Dissens darüber, was Indien ist."

Im Interview konfrontiert Chaudhury die Schriftstellerin mit den Folgen ihres Plädoyers für ein "freies" Kaschmir. Syed Ali Shah Geelani, in dessen Gegenwart sie die Unabhängigkeit Kaschmirs forderte, will die Scharia einführen. Roy antwortet: "Wenn er Chef eines Staates wäre, in dem ich lebe, und mir diese Sicht aufzwingen würde, dann würde ich alles tun, um Widerstand gegen diese Ideen zu leisten."

Magazinrundschau vom 18.05.2010 - Tehelka

Rish Majumder berichtet von einer wahren Volksbewegung in Richtung englische Sprache - es gibt in Indien inzwischen mehr Anglophone als in den USA und Großbritannien zusammen. Viele Intellektuelle sehen das mit Misstrauen, so Majumder - aber es ist wohl nichts zu machen. "Der Dalit-Aktivist Chandrabhan Prasad trug mit einer scheinbar merkwürdigen Geste zur Debatte bei. Im Jahr 2006 feierte er den Geburtstag des Lords Macaulay mit einer Statue, die die englische Sprache als 'Dalit-Gottheit' darstellte - als eine Art Freiheitsstatue, auf einem Computer stehend, mit einem Federhalter in der Hand und Strohhut auf dem Kopf. Prasad hofft, dass die englische Sprache hilft, den einst als 'unberührbar' geltenden Dalit einen Weg aus der Unterdrückung zu weisen. Wichtiger noch - er glaubt, dass die Sprachbeherrschung hilft, einen Job zu finden. Bald, so glaubt er, werden für alle Jobs Basiskentnisse im Englischen verlangt."
Stichwörter: Englische Sprache, Lorde