Mariupol war im ersten Kriegsjahr zum
Symbol der Zerstörung durch die russischen Streitkräfte geworden und wurde nach langen Kämpfen von diesen besetzt. Nikita Aronov
besucht Einwohner, die von ihrem Alltag und dem Wiederaufbau der Stadt erzählen: "'Wenn man durch die zentralen Straßen und Alleen von Mariupol fährt, stellt man fest, dass sich das Leben hier und jetzt kaum von dem in anderen Städten unseres großen Landes unterscheidet. Es gibt grüne Parks, in denen verliebte Paare spazieren gehen. Zur Hauptverkehrszeit gibt es sogar Staus', heißt es in einem der vielen
russischen Fernsehberichte zum dritten Jahrestag der Besetzung der Stadt. Vor dem Krieg lebten in Mariupol rund 450.000 Menschen. Einem UN-Bericht zufolge sind 350.000 von ihnen geflohen. Doch im Dezember 2024 behauptete Wladimir Putin, dass nicht weniger als 300.000 der Geflüchteten
zurückgekehrt seien. Im russischen Fernsehen werden Baustellen und renovierte Gebäude gezeigt. Doch die Einwohner von Mariupol wissen unabhängig von ihrer politischen Einstellung, dass dieses Bild nicht der Wahrheit entspricht. Maria, eine Freiwillige des Projekts 'Map of Mariupol's Destruction', sagt, dass nicht einer ihrer ehemaligen Nachbarn zurückgekehrt ist. 'Diese Behauptung über die Rückkehr der Bewohner ist eine
reine Lüge', sagt sie. 'Die Stadt ist voll von zerstörten Privathäusern, in denen nichts getan wird und in denen niemand lebt. Das Gleiche gilt für die Wohnhäuser, die ausgebrannt sind. Man kann an den Fenstern sehen, dass sie leer stehen. Ich habe so viele davon im Stadtzentrum, auf dem Prospekt Mira, gesehen. In den Gebäuden, die stehen geblieben sind, gibt es viele leere Wohnungen oder Wohnungen, die von Migranten gemietet werden. Ich kenne einen Migranten, der eine Scheinehe plant, um die Staatsbürgerschaft zu bekommen, ein Haus zu bauen und für immer in Mariupol zu bleiben.' Das Problem ist, erklärt Maria, dass die Reparaturen in der Regel nur
bis zur Fassade reichen. 'Die Stadt hat ein hübsches Äußeres. Ich habe mich einmal mit einem Bauleiter unterhalten, und er erzählte mir, dass sie die Fassade und die Hauseingänge sowie die Fenster, Türen und Versorgungsleitungen erneuern würden. Aber in den Wohnungen müssen die Bewohner die Reparaturen selbst durchführen - und das in einem Gebäude, das durch einen Brand
völlig entkernt wurde.' In der Altstadt sind viele Gebäude zwar von außen gestrichen, aber innen sind sie leere Hülsen. Nachts sind ihre Fenster dunkel. Manchmal, so berichtet Lilya von ihren Kontakten, die noch in der Stadt sind, sind die Böden im Inneren einfach eingestürzt. 'Mariupol ist eine sehr große und weitläufige Stadt. Sie haben die Hauptstraßen im Zentrum
in ein Schaufenster verwandelt. Aber wenn man ein paar Blocks zurückgeht, ist alles zerbombt und verbrannt.'"