Magazinrundschau - Archiv

The Wilson Quarterly

3 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 27.04.2010 - Wilson Quarterly

In einem kaum eine Frage offen lassenden Artikel analysiert David B. Ottaway die Lage der arabischen Welt, die, seit Ägypten seine Führungsrolle eingebüßt hat, noch uneiniger und uneinheitlicher sei als je zuvor: "Es gibt kein ägyptisches Modell für Entwicklung - weder politisch noch ökonomisch. Neues Denken, Visionen und Initiativen kommen eher von den Golfstaaten und ihren freidrehenden, konkurrierenden Herrschern, während Ägyptens pharaonisches Wesen es daran hindert, einen radikalen Wandel in Angriff zu nehmen. Im Ganzen hat die arabische Welt mit Ägyptens Niedergang an Vitalität gewonnen. Diese Welt blickt nun auf zwei scharf kontrastierende Modelle für ihre Zukunft: der ausgepägt materialistische Emirat-Staat mit seiner Obsession für die westliche Moderne und der strikt islamische, der auf die Wiederherstellung der Herrschaft des Korans fixiert ist und von Fundamentalisten und al-Qaida verfochten wird. Der Kampf zwischen diesen beiden Modellen um die Herzen und Köpfe der Araber, besonders der kritischen und ruhelosen Jugend, ist heftig. Die Verlockungen der neuen, strahlenden Emiratstädte bleiben stark, aber sie haben auch etwas Seelenloses an sich, was in Bezug auf die Dauerhaftigkeit ihres Reizes Fragen aufwirft. Auf der anderen Seite hat der gegen Muslime gerichtete muslimische Terrorismus nicht zu einer Verbreitung des Rufs nach einem islamischen Staat beigetragen."

Magazinrundschau vom 08.12.2009 - Wilson Quarterly

Frank Schirrmacher hat gerade in "Payback" beschrieben, wie sehr er sich vom Internet und dem damit einhergehenden Multitasking überfordert und versklavt fühlt. Der Ökonomieprofessor Tyler Cowen dagegen liebt Multitasking, wie er in einem Essay erklärt, der seinem Buch "Create Your Own Economy: The Path to Prosperity in a Disordered World" entnommen ist. "Multitasking ist keine Ablenkung von unserer Hauptbeschäftigung, es ist unsere Hauptbeschäftigung", verkündet er fröhlich. Man müsse den Strom der Informationsflut nur individuell regulieren. "Meine eigene tägliche kulturelle Ernte umfasst Musikhören und Lesen - Romane, Sachbücher und Web-Essays - mit periodischem Blick auf die Webseite der New York Times und einem E-Mail-Check etwa alle fünf Minuten. Oft will ich diese verschiedenen Aktivitäten gar nicht auseinanderhalten und mich auf eine Sache für längere Zeit konzentrieren. Ich mag die Mischung, die ich für mich zusammengestellt habe, und ich mag, was ich daraus lerne. Für mich (und vielleicht sonst niemanden, das ist ja gerade der Punkt) bietet diese Mischung das Ultimum an Interessantem und Spannung. ... Viele Kritiker behaupten, Multitasking mache uns weniger effizient. Forscher erklären, das periodische Checken der E-Mails senke unsere Wahrnehmungsfähigkeit auf das Level eines Betrunkenen. Wenn solche Behauptungen allgemein zuträfen, würde Multitasking sehr schnell verschwinden, weil die Leute es sinnlos finden würden. Aber Multitasking gedeiht, so wie wir."

Magazinrundschau vom 14.10.2008 - Wilson Quarterly

Winifred Gallagher stellt zwei Bücher vor, die sich mit der Geschichte der Sauberkeit befassen. "Clean" von Virginia Smith und "The Dirt on Clean" von Katherine Ashenburg. Am schlimmsten, lernt sie, war die Zeit zwischen zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert. Es war das "lange Zeitalter der Großen Ungewaschenen. Sogar Adlige waren unter ihren Juwelen, Brokatstoffen und Pelzen dreckig und voller Läuse. In England erklärte Elisabeth I. sie bade einmal im Monat, 'ob ich es nötig habe oder nicht'. In Spanien, während der Inquisition, erzählt Ashenburg, konnten Juden und Muslime gleichermaßen durch die fürchterlichen Worte verdammt werden 'bekannt dafür, dass er badet'. Auch in Frankreich galt Hygiene nichts, die Fäkalien in den Hallen von Versaille wurde einmal die Woche weggemacht."