Stichwort

Charlie Hebdo

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Glaube, Freiheit, Kunst

Redaktionsblog - Im Ententeich 10.02.2016 […] Die FU bietet in diesem Sommersemester zwei sehr interessante Ringvorlesungen. Die eine widmet sich nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo und mit Blick auf zunehmenden Forderungen nach mehr religiöser Rücksichtnahme der Freiheit der Kunst beziehungsweise den Grenzen der Freiheit. In ihrer Einladung zu der Reihe schreiben Hans Richard Brittnacher und Susanne Scharnowski: "Die Bereitschaft zur Tilgung […] Von Thekla Dannenberg

Kunst war eh nie frei

Redaktionsblog - Im Ententeich 06.05.2015 […] improvisiert. Aber er bekannte seine Sympathie für die Kritiker von Charlie Hebdo, vor allem für Teju Cole, der mit seiner "Poetik der Wut" in "Open City" den Leuten etwas entgegensetzen wolle, die sich ständig angegriffen fühlten. Womit er die weißen Männer des Westens meint. Wie wenig Bude dagegen mit dem anarchistischen Geist von Charlie Hebdo anfangen konnte, zeigte sich auch daran, dass er den berühmten […] Kurz bevor gestern Abend Charlie Hebdo vom amerikanischen PEN der Freedom of Expression Courage Award ausgezeichnet wurde, sprach in Berlin der Soziologe Heinz Bude über "Die Freiheit der Kunst und Grenzen der Freheit" und Grenzen der Kunst. Die Ringvorlesung wurde nach dem Attentat von Paris initiiert, und deshalb ging es bei Budes Vortrag natürlich auch um die New Yorker Auszeichung und die immer […] Dabei hatten es Budes Ausführungen durchaus in sich. Denn in ihnen verabschiedete Bude mit den Mitteln des Pop-Diskurs so beiläufig wie mitleidlos den Universalismus. Bude wollte die Debatte um Charlie Hebdo nicht als Missverständnis zwischen Frankreich und den USA abtun, auch wenn er zurecht noch einmal darauf verwies, dass den USA der kämpferische Antiklerikalismus fremd ist. Sie sind das Land, in […] Von Thekla Dannenberg

Bücher der Saison: Frühjahr 2015. Politische Bücher

Bücher der Saison 02.04.2015 […] heißt natürlich nicht, dass sie in der Riesenkonjunktur der Kapitalismuskritik nicht weiter munter drauf los spekulieren. Und so sind im Zeitalter des "Islamischen Staats" und der Attacken auf Charlie Hebdo nicht die religiösen und ideologischen Wahnsysteme das Thema der Saison, sondern eben das Geld. Wie schwer Geld zu verstehen ist, lernt SZ-Rezensent Burkhard Müller von Neuem, aber mit intellektueller […]

Radikale Auslöschung

Essay 19.02.2015 […] erlebten Schrecken einordnen und möglichst treffend zum Ausdruck bringen zu können. Das mag auch und vielleicht ganz besonders für den terroristischen Anschlag auf die Redakteure des Satire-Magazins Charlie Hebdo gelten und wegen der dabei von den Tätern an den Tag gelegten Brutalität und Menschenverachtung wohl auch kaum jemanden überraschen. Es scheint aber auch für viele derjenigen zu gelten, die mit […] NS-Mordprogrammatik noch ganz andere, ideologische, staatliche und auch institutionelle Elemente impliziert. Die meisten Kommentatoren schienen sich darin einig zu sein, dass das Attentat auf Charlie Hebdo einer Zäsur in der französischen, der europäischen vielleicht sogar der Weltgeschichte gleichkomme. Der Spiegel etwa stellte in einer etwas hypertroph anmutenden Anwandlung fest, dass der 7. Januar […] demzufolge weltweit jeder Muslim zur Vollstreckung aufgerufen war, und der deshalb fast ein Jahrzehnt lang im Untergrund verbringen und unter Polizeischutz leben mußte, sich nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo zu Wort meldet, dann kommt dem naheliegenderweise ein besonderes Gewicht zu. Schließlich musste er das Pariser Massaker zumindest aus der Ferne miterleben und damit eine Liquidierungsaktion, die […] Von Wolfgang Kraushaar

Ein Wald aus Verboten

Redaktionsblog - Im Ententeich 29.01.2015 […] Mohammed-Karikaturen noch keine Probleme kannte, diesmal meines Wissens ganz auf Mohammed-Karikaturen von Charlie Hebdo verzichtete. Die Zeit illustrierte schon letztes Jahr eine Besprechung von Charbs Mohammed-Comic mit einem Bild aus dem Comic, in der man die Mohammed-Figur schwärzte. Charlie Hebdo habe das Recht, Mohammed zu karikieren, konzedierte Gero von Randow immerhin. "Aber eine Rohheit bleibt […] Barrieren richten sich auf. Zum Teil waren diese Strukturen schon da, und wir hatten es nur noch nicht gemerkt. Natürlich kursierten in den Tagen nach dem Massaker überall die Zeichnungen von Charlie Hebdo. Selbst in der SZ, dem schüchternsten Institut in diesen Dingen in Deutschland, waren meiner Erinnerung nach in den Tagen des Massakers ein oder zwei Mohammed-Karikaturen verstreut. Glücklicherweise […] Intervention der al-Azhar-Universität des westlichen Journalismus. Wenn die New York Times eine Fatwa erlässt, laut der es nicht opportun ist, Mohammed-Karikaturen und andere drastische Cartoons von Charlie Hebdo zu veröffentlichen, hat das einen Einfluss auf sämtliche Medien der westlichen Welt. Dies Kronjuwel der Meinungsfreiheit brachte nicht einmal den weinenden Mohammed der Ausgabe nach dem Massaker […] Von Thierry Chervel

Die Grenzen enger ziehen

Redaktionsblog - Im Ententeich 28.01.2015 […] Frankreich ist eine Parodie auf ein Cover von Charlie Hebdo erschienen. Das Original "verhöhnte" den Koran, wie Zielcke sagt, denn die Heilige Schrift erweist sich als ungeeignet, Gewehrkugeln aufzuhalten. Die Parodie eines 16-jährigen Schülers zeigt einen Mann, dem nun mit Charlie Hebdo das gleiche widerfährt. Nun wird bei der Karikatur von Charlie Hebdo das Recht auf freie Meinungsäußerung eingefordert […] akzeptieren, der sie unterliegt." Diesen Begriff der Meinungsfreiheit appliziert Zielcke nun also auf Charlie Hebdo und kommt zu keinem guten Ergebnis für die Zeitschrift. Sofern ihre Karikaturen den Islam attackierten, attackierten sie zwar eine Figur der Macht und seien somit legitim. Aber Charlie Hebdo verkenne den Kontext dieser Zeichnungen: Innerhalb Frankreichs seien die Muslime eine Minderheit, […] ungerecht, und ich bin sicher, dass Charb, dessen Tod in der Parodie verspottet wird, gewiss nicht gegen den Schüler geklagt hätte. Aber hier liegt auch der Unterschied zwischen den beiden Zeichnungen: Charlie Hebdo karikiert den Typus des Islamisten, der Schüler amüsiert sich über den Tod einer konkreten Person. Zielcke weist daraufhin, dass Satire keineswegs "alles" darf, wie es der treudoofe Spruch fordert […] Von Thierry Chervel

Figur der Opfermediokrität

Redaktionsblog - Im Ententeich 27.01.2015 […] und die Karikaturen Charlie Hebdos als "Verhöhnung" zu sehen. Du verzeichnest eine "extrem lange, gebogene Nase", also ein Requisit antisemitischer Karikatur, und findest, dass Luz mit seinem weinenden Mohammed "das Bild des Fremden aufruft und ihn hässlich aussehen lässt". Das denke ich nicht. Ich denke, er ist die bekannte Witzfigur, als die ihn die Leser von Charlie Hebdo längst schon kannten […] diese Zeichnungen gut zu finden, denn darum geht es gar nicht. Nicht in einem Wort zittert der Schock über die Ereignisse in Deinem Text nach, aber Deine Lehrmeinung über den Plattkopfhumor von Charlie Hebdo ist schon fertig ausformuliert. Obsolet sind die Zeichnungen mit ihren puerilen Witzen und grobem Strich und nichts im Vergleich zum deutschen Qualitätshumor, der überdies die Subtilität besitzt […] Konferenz (OIC), der eigentlichen Erfinderin des Begriffs der Islamophobie, gestellt wurde. Du entsprichst dieser Forderung, unbewusst, wenn Du Dich im nachhinein auf die Konferenz der dezimierten Charlie-Hebdo-Redaktion begibst und ihr vorschlägst, statt des "ein bisschen schalen" Mohammed die Attentäter zu karikieren. Diese Wichte, die ihre fünfzehn Minuten Ruhm schon hatten und nun noch nicht mal wissen […] Von Thierry Chervel

Charlie, ein Missverständnis

Maluma und Takete 26.01.2015 […] müssen wiedererkennbar sein und dämliche Dinge sagen. Es ist das unendliche Programm des flotten Strichs mit zu großen Nasen, schon auf den allerersten Blick erkennbar als links und antiklerikal. Charlie Hebdo erscheint, wie der Name sagt, ebenfalls wöchentlich und hatte bis vor kurzem eine Auflage von dreißigtausend. Wie der Canard wird Charlie auf gewöhnlichem Zeitungspapier gedruckt. Auch dieses Blatt […] Was gut ist, weil man sich sonst vielleicht über etwas ereifert hätte, das man gar nicht kennt. Bemerkenswert, wie erfolgreich Drohungen sind und wie ineffektiv ein vollzogener Mord. Am Beispiel Charlie Hebdo müssten eigentlich auch die verblendetsten Islamisten feststellen: Wenn man sich zum Henker aufspielt, splattert das Werk definitiv ins Internet. Niemals wird das rückgängig zu machen sein. Die […] Bildidee, um speziell die Attentäter lächerlich zu machen? Sagen wir, einer von ihnen drückt in der Druckerei, in der sie sich verschanzen, auf einen Knopf, und was spuckt die Maschine massenhaft aus: Charlie Hebdo, mit ihm selbst auf dem Titel? Will sagen: Braucht nicht eine politische Karikatur einen Rest von Beobachtung oder wenigstens szenischer Phantasie? Reicht es wirklich, das Bild des Fremden aufzurufen […] Von Ulf Erdmann Ziegler

Die Schule der Kritik

Essay 14.01.2015 […] Wer hat die Mohammedkarikaturen von Westergaard und von Charlie Hebdo alles nicht nachgedruckt in den letzten Jahren? Was hat die Formel von der Schuld der Mehrheitsgesellschaft und des Westens dazu beigetragen, dass eine Opfermentalität unter Muslimen in Europa entstanden ist und sich sofort nach dem grauenhaften Massaker an der Charlie Hebdo-Redaktion in den Medien und muslimischen Vereinssprechern […] Ende des Hasses, auf ein friedliches weltweites Zusammenleben, auf ein Europa der Presse- und Satirefreiheit als Grundlage der Demokratien. Doch die wenigen Überlebenden des Massakers gegen die Charlie Hebdo-Journalisten - eine ganze Zeitungsredaktion ist ermordet worden! - erinnerten bei kurzen Interviews daran, dass es nicht um Pressefreiheit allgemein geht, sondern um die Verteidigung der Laizität […] Todesdrohungen erhalten hat? Ich weiß, was Todesdrohungen sind, da ich sie selbst in meinem Engagement für die bosnischen Muslime im Europaparlament erhielt und ziemlich allein damit war. Auch Charlie Hebdo war in den letzten Jahren allein und wurde sogar von Dany Cohn-Bendit und anderen Grünen als angeblich zu islamkritisch kritisiert, denn man will ja so tolerant erscheinen und Konflikte mit Fanatikern […] Von Eva Quistorp

Les armes des citoyens

Redaktionsblog - Im Ententeich 12.01.2015 […] sich nicht. Genauso paradox ist die gouvernantenhafte Verklemmtheit, die amerikanische und britische Medien angesichts der Karikaturen von Charlie Hebdo zeigen und die den Liberalismus Lügen straft, für den sie sich so gern in die Brust werfen. Charlie Hebdos radikal antiklerikaler Witz war oft recht drastisch, manche Karikaturen trieben einem wirklich die Schamesröte ins Gesicht, nicht alle waren […] Von Thekla Dannenberg

Literatur der Schwärze

Mord und Ratschlag 09.01.2015 […] Einer der großen Autoren von Charlie Hebdo war der 1995 in Paris verstorbene Noir-Autor Jean-Patrick Manchette. Neben einschlägigen Polars wie "Die Affäre N"Gustro", "Nada" und "Position: Anschlag liegend" schrieb er unter dem nom de plume Shuto Headline in den siebziger und achtziger Jahren zahllose Essays, Kolumnen, Film- und Krimikritiken. Manchettes Schreibwut speiste sich aus einer blitzenden […] wie die schwarze Schwärze des Einbands, dessen Titel in den Buchdeckel gestanzt ist. Wer sich jedoch eine Vorstellung von dem anarchistischen Witz und dem libertären Geist machen will, der bei Charlie Hebdo immer herrschte, der bekommt sie mit diesen Texten. Und obendrein noch die seltene Kombination aus ultralinker Politschreibe, menschenfreundlicher Heiterkeit und unglaublichem Stilgefühl. Bei der […] der unterdrückte Kreatur und das Herz einer herzlosen Welt", wie er in den "Chroniques" schrieb. Was hätte er wohl zu Cherif und Said Kouachi gesagt, den Mördern seiner Freunde und Kollegen bei Charlie Hebdo? Die zugleich zwei arme Würstchen aus der Banlieue waren? Jean-Patrick Manchette: Porträt in Noir. Aus dem Französischen von Leopold Federmair. Alexander Verlag, Berlin 2014, 250 Seiten, gebunden […] Von Thekla Dannenberg