Stichwort

Werte

13 Presseschau-Absätze
Magazinrundschau 01.11.2018 […] normative Standards oder Werte auskommen kann. Aber wer soll diese Standards festsetzen? Oder sind "Werte" nur eine etwas unbeholfene Formulierung für Bürgersinn und demokratisches Ethos? In der Rechtswissenschaft jedenfalls erodiert Volkmann zufolge der Wertbegriff schon, im NPD-Urteil wollte das Bundesverfassungsgericht selbst die rechtsextreme Partei nicht mehr auf demokratische Werte verpflichten. Und […] auch heute noch hinter aller Kritik: Die Werte, so schrieb er, hätten kein Sein, sondern nur eine Geltung, sie drängten auf fortlaufende Realisierung ihres Gehalts, immer wolle sich der höhere Wert gegen den niedrigeren durchsetzen, der Wert an sich gegen den Unwert, der am Ende ausgemerzt und vernichtet werden müsse. Auf diese Weise unterwerfen sich die Werte, sekundierten andere später, zuletzt auch […] Aufstieg der Werte war schon in den fünfziger Jahren so ambivalent wie die Kritik an ihnen, weiß Volkmann: "Begleitet wurden dieser Aufschwung der Werte und ihre Verwandlung in eine amtliche Ethik allerdings immer schon von einem Grundrauschen der Kritik am ideologischen Charakter der ganzen Veranstaltung. Ihre bis heute maßgebliche Programmschrift hat sie in Carl Schmitts 'Tyrannei der Werte' gefunden […]
9punkt 29.03.2016 […] Rede von den "Werten" lehnt er jedenfalls ab: "Der Wertbegriff trägt immer schon die Unterscheidung von 'wert' und 'unwert' in sich, und er wirkt unausweichlich exkludierend: Manche teilen bestimmte 'Wertüberzeugungen', andere lehnen sie ab. Moralische Dissense sind in einer freiheitlichen Gesellschaft der Regelfall und legitim. Deshalb werden nur Minderheiten ausgegrenzt, wenn die 'Werte' der Mehrheit […] Ideologie in der Reflexion über die Diktatur des Proletariats und alle Verbrechen, zu denen sie führte, beiseite lassen? Wer kann behaupten, dass es sich hier nur um die Ausschreitung einiger Radikaler handelte? Wie soll man die Nazi-Ideologie im Holocaust beiseite lassen? Wer würde darin nur die mentale Abweichung einiger Frustrierter sehen?" Außerdem: Jürgen Kaube zitiert in der FAZ eine Studie […] n aller gelten sollen. Für wirklich alle gilt allein das Recht, und deshalb sind Rechtsbrecher zu verfolgen und zu bestrafen. Aber dies hat nichts damit zu tun, ob irgendwelche jungen Muslime die 'Werte' von älteren Katholiken, Protestanten oder Agnostikern teilen." Xavier Théry greift in Causeur.fr in die französische Expertendebatte um die Motive der Dschihadisten ein: Handelt es sich wirklich […]
9punkt 14.03.2016 […] Wer Werte sagt, sagt auch Werterelativismus, denn Werte kommen immer in der Mehrzahl vor und widersprechen sich, erklärt der Freiburger Philosoph Andreas Urs Sommer in der NZZ. Das macht sie nicht überflüssig, im Gegenteil: "Gerade in ihrer irreduziblen Pluralität sind Werte modern. Moderne Gesellschaften brauchen keine moralischen Letztbegründungen und keine letzte Moral-Einheit. Was sie brauchen […] immer wieder neu verständigen. Werte sind genau solche regulativen Fiktionen [...] Charakteristisch ist ihre fundamentale Leere, in die alles Mögliche projiziert werden kann. Als regulative Fiktionen unterliegen sie ständig der Veränderung. Diese Veränderung trifft jedoch die Menschen nicht wie ein Meteoritenhagel, sondern sie ist das Produkt menschlicher Interaktion. Werte sind Verhandlungssache - politische […]
9punkt 02.03.2016 […] Prinzip der Gleichberechtigung seinen Ausdruck findet." Die Frage ist nur, ob diese Norm nicht erkämpft wurde, weil sie in der Gesellschaft zuvor als Wert formuliert wurde. Im Perlentaucher hatte es im November einen Streit um den Begriff der "Werte" gegeben, mehr hier. Weiteres: In der FAZ spricht sich Peter Kielmansegg gegen den von Armin Nassehi neulich geforderten "Konservatismus" (unser Resümee) […] Der Philosoph Herbert Schnädelbach wehrt sich im Gespräch mit Michael Hesse in der Berliner Zeitung gegen den Begriff der Werte, dem er den Begriff der Normen und Rechtsordnungen bei weitem vorzieht: "Bewertungen sind immer die Sache von Einzelnen oder von Gruppen. Letztlich können wir uns in einer freien Gesellschaft nicht auf gemeinsame Werteordnungen einigen, weil Wertungen Privatsache sind... Die […]
9punkt 12.12.2015 […] Den Begriff der "Werte" findet Isolde Charim in der Wiener Zeitung sinnlos, denn wir leben ja in einer pluralistischen Welt koexistierender Werte: "Pluralisierung hat zur Folge, dass keiner mehr seine Religion, seine Kultur so leben kann, als ob es keine andere daneben gäbe. Pluralisierung ist die ganz praktische Aufhebung des Absolutheitsanspruchs jeder Religion. Dazu braucht es weder Überzeugung […] noch Aufklärung. In gemischten Gesellschaften steht jede Religion neben anderen Religionen, jede Kultur neben anderen Kulturen." Und in der Verteidigung der Möglichkeit dieser Pluralität liegt kein Wert? […]
9punkt 18.11.2015 […] Gustav Seibt riet in der SZ gestern dagegen davon ab, die hiesige Lebensweise als Wert hochzuhalten, da dies nur zu Streit mit anderen Lebensauffassungen führen könne (der Text steht jetzt online), und in der FAZ plädiert Christian Geyer nun dagegen, dass "die persönliche Freiheit zum absoluten, nicht einschränkbaren Wert" erklärt wird. "Muss man daran erinnern, dass es kein Menschenrecht auf Unbeschwertheit […] hält Joachim Güntner nichts von der verbalen Aufrüstung. Die Kriegsrhetorik, meint er, spiele den Terroristen nur in die Hände, wenn er sie zu Kombattanten adelt: "Der Terrorkrieg ist ein Krieg der Werte. Damit steht alles auf dem Spiel, voran die Freiheit und ihre Freuden. Die Selbstmordattentäter von Paris attackierten die liberale Lebensform, die nicht nur Aufklärung, Meinungsfreiheit, Demokratie […]