9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

375 Presseschau-Absätze - Seite 35 von 38

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2016 - Wissenschaft

Deutschland hat eine besondere Verpflichtung, bedrängten türkischen Wissenschaftlern zu helfen, schreibt Wolf Lepenies in der Welt. Die nach dem in die Türkei emigrierten Pathologen benannte Philipp-Schwartz-Initiative nimmt diese Verpflichtung wahr: "Die Türkei bot verfolgten Deutschen eine sichere Zuflucht - im eigenen Interesse. Das Regime Atatürks benötigte dringend Experten, um die Modernisierung des Landes voranzutreiben - und fand sie in den deutschen Exilanten. Der Jurist Ernst Eduard Hirsch verfasste das türkische Handelsgesetzbuch, das Gesetz zur Einkommens- und Körperschaftssteuer entwarf der Finanzwissenschaftler Fritz Neumark. Der Soziologe Gerhard Kessler gründete mit einem einheimischen Kollegen die erste Gewerkschaft in der Türkei, Paul Hindemith leitete das Konservatorium in Ankara."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.08.2016 - Wissenschaft

Bildung ist kein Konsumgut des neoliberalen Marktes, ruft der Literatur-Dozent William Egginton in der NZZ den amerikanischen Hochschulen zu. Gründe für das Schwinden einer freien Lehre, besonders in den Geisteswissenschaften, sieht er im wachsenden Effizienzdruck, aber auch im "Komfort-Konservatismus" der Studierenden, die sich über unbequeme Lehrinhalte beklagen: "Die Rechtfertigung für dieses Verlangen könnte man in dem Menschenbild finden, das nicht zuletzt von der neuen Medienkultur portiert wird: Ich bin, grundsätzlich, Konsument; meine Persönlichkeit zeigt sich in meiner Fähigkeit, mich durch die Entscheide, die ich als Konsument treffe, zu definieren. Oder, wenn wir es mit den Worten einer Kampagne für Apples iPhone sagen wollen: I have the right to be unlimited. Und genauso, wie der Mann hinter dem Starbucks-Tresen sich nie erlauben würde, meinen Entscheid für einen caramelisierten Latte mit Magermilch infrage zu stellen, hat mein Professor nicht das Recht, mich mit Aussagen oder Interpretationen zu behelligen, die von meiner Weltsicht abweichen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2016 - Wissenschaft

Immer wieder melden Medien die Entdeckung einer "zweiten Erde", das heißt eines Planeten mit einigermaßen passendem Abstand zu einer Sonne. Und immer wieder und auch jetzt erklärt Florian Freistetter bei den Scienceblogs, warum das Quatsch ist: "Man muss wissen, wie groß und schwer der Planet ist. Wie weit entfernt er von seinem Stern ist. Man muss ebenfalls wissen, wie seine Atmosphäre zusammengesetzt ist. Idealerweise weiß man auch noch über Phänomene wie tektonische Aktivität oder ein Magnetfeld Bescheid. Denn all das bestimmt die Bedingungen auf der Oberfläche und die Lebensfreundlichkeit. Mit den technischen Mitteln die uns derzeit zur Verfügung stehen können wir das aber gar nicht feststellen. "
Stichwörter: Astronomie

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.08.2016 - Wissenschaft

Trotz der in der Öffentlichkeit immer lauteren Tierschützer wird sich die Zahl der Tierversuche in der Medizin in den nächsten Jahren noch stark erhöhen, vor allem wegen der Fortschritte in der Genforschung, schreibt Joachim Müller-Jung in der FAZ: "Tatsächlich hat sich die Entwicklung im Biotechnik- und -medizinsektor in den letzten Jahren nicht etwa weniger stark beschleunigt als in der Digitalbranche, sondern eher noch mehr, zumindest in der öffentlichen Forschung. Die Hoffnung auf neue Heilmethoden treibt die Akteure in den Spitzenforschungsländern an und verschärft den Wettbewerb zusehends. "

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.07.2016 - Wissenschaft

Die taz bringt die Tierethikerin Ursula Wolf mit dem Biologen Stefan Treue zum Streitgespräch über Tierversuche zusammen. Für Treue geht es um eine Abwägung "des potenziellen Nutzens gegenüber dem Leiden, das mit einem Tierversuch einhergeht". Das will Wolf - trotz eines mit Affenversuchen gewonnen Impfstoffs gegen Ebola - nicht einsehen: "Es ist die übliche Rede zu sagen: Wir müssen abwägen. Es heißt dann gern, es steht Leiden gegen Nutzen. Oder umgekehrt soll Leiden gegen Leidensverhinderung stehen. Nutzen heißt aber in dieser Argumentation immer nur, dass Menschen weniger leiden. Um den Nutzen für die Tiere, die für diese Versuche verwendet werden, geht es nicht, er interessiert nicht - und er ist auch nicht vorhanden."
Stichwörter: Tierversuche, Impfstoffe, Ebola

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.07.2016 - Wissenschaft

"Wer oder was bin 'ich' denn, wenn das, was ich als meinen Körper ansehe, aus mehr fremden als eigenen Zellen besteht?", fragt sich der Biologe und Wissenschaftspublizist Bernhard Kegel in der NZZ und erklärt, was Wissenschaftler kürzlich entdeckten und noch entdecken: dass alle Lebewesen zu einem wesentlichen Teil aus Mikroben bestehen. In der Zusammensetzung dieser Mikroben, des Mikrobium, ist jedes Wesen einzigartig. "Die durch neurobiologische Befunde angeheizte Debatte über den freien Willen bekommt durch die Mikrobiomforschung neue Nahrung, denn es kann kaum ein Zweifel bestehen: Körpermikroben können ihren Wirt manipulieren - oder sprechen wir besser neutral von Beeinflussung. Wenn Sie zum Beispiel Heißhunger auf Schokolade entwickeln - wer steckt hinter diesem Wunsch, Sie, der Wirt, oder Teile Ihres Darmmikrobioms, das sich durch Ihre Ernährungsgewohnheiten geformt hat?"
Stichwörter: Mikrobium, Freier Wille, Mikroben

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.07.2016 - Wissenschaft

Meike Laaff portätiert in der taz den Autor Nick Bostrom , der zu Künstlicher Intelligenz forscht und ihre Machtübernahme fürchtet. Laut Experten dauert's aber noch ein bisschen: "Im Durchschnitt sagten sie ihm: Die Chancen, dass Computersysteme im Jahr 2040 so intelligent sind wie Menschen, stehen fifty-fifty. 2070 halten viele für noch wahrscheinlicher. Andere Forscher widersprechen Bostroms Thesen, aber auch generell der Idee, dass dieser Sprung Maschinen je gelingen wird. Was den Philosophen Bostrom zu einer durchaus umstrittenen Figur in der KI-Forschung macht. Aber einer durchaus einflussreichen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.07.2016 - Wissenschaft

In der NZZ stellt Georg Renöckl die "viel frischen Südwind" versprechenden neuen Leiter zweier österreichischer Wissenschaftskollegs vor: Shalini Randeria, die neue Direktorin des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) und Thomas Macho, der das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) übernommen hat.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.07.2016 - Wissenschaft

Im Ullstein-Blog Resonanzboden annonciert der Physiker Michael Büker das baldige Ende Raumsonde Cassini und ihres tapferen kleinen Landeroboters Huygens, die seit über zehn Jahren mutterseelenallein das Saturn-System umkreisen und erforschen. Oder vielleicht doch nicht ganz allein, und wegen dieser Möglichkeit müssen sie demnächst explodieren, damit sie nicht versehentlich mit Titan oder Enceladus kollidieren: "Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass Mikroben von der Erde all die Jahre im Weltraum an Bord von Cassini überlebt haben und diese fremden Welten somit 'verseuchen' könnten. Obwohl Raumsonden stets möglichst steril und sauber zusammengebaut werden, haben Experimente auf der Internationalen Raumstation gezeigt, dass manche Kleinstlebewesen überraschend hartnäckig sind und sogar Jahre im All überleben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.07.2016 - Wissenschaft

Deutschland ist bei den digitalen Zukunftstechnologien gar nicht schlecht aufgestellt, meint im Interview mit der FAZ Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Das Institut arbeitet derzeit an einem Industrial Data Space, der von einem Verein getragen wird, und an einem High-Speed-Internet, mit dem sich die Abhängigkeit von Google ganz von selbst erledigen soll: "Eine Millisekunde ist das Minimum. Besser 0,1 Millisekunde. Signalanfrage, Signalbearbeitung, Signalrückkehr - und das mindestens in einer Millisekunde: Da darf der Server nicht weit entfernt stehen. Der eines deutschen Mittelständlers von der Schwäbischen Alb zum Beispiel wird nicht mehr in Dublin oder in den Niederlanden stehen können, sondern eher gleich um die Ecke. Das High-Speed-Internet muss von seiner ganzen Architektur her anders aussehen, als wir das heute kennen."