9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

375 Presseschau-Absätze - Seite 36 von 38

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.07.2016 - Wissenschaft

Menschen zu klonen, ist witzlos, meint der britische Embryologe Ian Wilmut im Interview mit der FR. Doch bei bestimmten Krankheiten sei eine Gentherapie durchaus sinnvoll: zum Beispiel bei ALS. "Eine furchtbare Krankheit, bei der die Menschen die Kontrolle über ihre Muskeln verlieren. Nach drei, vier Jahren sterben sie in der Regel, weil sie nicht mehr atmen können. Es gibt keinen Grund, warum man nicht die Embryos hierauf untersuchen oder sie mit einer Gentherapie behandeln sollte, damit sie ohne diese Merkmale aufwachsen."
Stichwörter: Gentherapie, Wilmut, Ian

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.07.2016 - Wissenschaft

In Toulouse findet im Oktober das weltweit erste Nanocar-Rennen statt, annonciert Pierre-Jean Gueno in der Zeit. Fünf molekülgroße Fahrzeuge treten auf einer aus einem einzigen Goldatom bestehenden, ein Zehntausendstelmillimeter langen, auf 268,85 Grad heruntergekühlten Rennstrecke an. Um die 38 Stunden soll das Rennen (mehr hier) dauern. Wir empfehlen Roland Topor als Kommentator, der einst ein unvergessliches Camembert-Rennen initiierte.


Stichwörter: Topor, Roland

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.06.2016 - Wissenschaft

Über hundert Wissenschaftler, darunter einige Nobelpreisträger, fordern Greenpeace auf einer Website auf, seinen grundsätzlichen Widerstand gegen grüne Gentechnik aufzugeben - und etwas modifizierten Reis zu verdammen, der den Vitamin-A-Mangel in Asien bekämpfen könnte, berichtet Joel Achenbach In der Washington Post, der den Organisator der Kampagne, Richard Roberts, interviewt: "'Wir sind Wissenschaftler. Wir verstehen die Logik von Wissenschaft. Es ist leicht zu sehen, dass Greenpeace Schaden anrichtet und Anti-Wissenschaft betreibt, sagt Roberts der Washington Post. 'Greenpeace und einige seiner Alliierten versetzen die Leute mutwillig in Angst. Es ist ein Weg für sie, Geld für ihre Sache einzuwerben.' Roberts betont, dass er viele Anliegen von Greenpeace unterstützt und hofft, dass Greenpeace nach Lektüre des Briefs 'zugibt, falsch gelegen zu haben, und die Sachen macht, die es gut kann'."

In der NZZ kalkuliert Rolf Dobelli die Wahrscheinlichkeit durch, dass Künstliche Intelligenz zu unseren Lebzeiten oder in der nächsten Million Jahre ein eigenes Bewusstsein erlangen können und kommt zu dem beruhigenden Ergebnis: eher nicht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.06.2016 - Wissenschaft

Alle lieben "rote" Gentechnik. Insulin, bestimmte Krebsmedikamente, der Wirkstoff gegen Hepatitis - wird alles mittels Gentechnik hergestellt und brav geschluckt oder gespritzt. Aber wehe, eine genmanipulierte Gurke kommt auf den Tisch, dann geht das Abendland unter. "Grüne" Gentechnik ist verpönt. CRISPR/Cas9, ein Art Genom-Editor, bietet seit einiger Zeit ganz neue Möglichkeiten der Genmanipulation. Man kann damit zum Beispiel Teile eines Genoms abschneiden, auf dem eine bestimmte erbliche Krankheit sitzt: Brustkrebs, Chorea Huntington oder HIV.

In der Zeit nimmt Thea Dorn die Widersprüche in der Debatte um die Gentechnik auseinander. Warum die Hysterie bei grüner Gentechnik, wenn rote Gentechnik weithin akzeptiert ist? Sie erinnert an die Debatte, die losbrach, als Sibylle Lewitscharoff kinderlosen Frauen empfahl, ihr Schicksal einfach hinzunehmen, "statt nach dem Reproduktionsmediziner zu rufen. Allerdings frage ich mich, wie es zusammenpasst, dass diejenigen Kräfte in unserer Gesellschaft, die sich für die fortschrittlichsten halten - die selbstverständlich dafür sind, dass eine Frau die Dienste der Reproduktionsmedizin in Anspruch nehmen darf, die selbstverständlich dafür sind, dass sich ein Mensch, der sich in seinem Körper unwohl fühlt, einer offiziell anzuerkennenden Geschlechtsumwandlung unterziehen kann -, dass just diese Fortschrittsfreunde an vorderster Front aufmarschieren, wenn es darum geht, den Allmachtsfantasien von Genforschern Einhalt zu gebieten. Müsste nicht gerade 'die Linke' es vorbehaltlos begrüßen, wenn der Mensch mit seiner Selbstermächtigung endgültig ernst macht?"

In der FAZ hat der Präsident der Leopoldina, Jörg Hacker, schon im Mai erklärt, wie mit CRISPR/Cas auch Zellen der menschlichen Keimbahn verändert werden, die dann genetisch weitervererbt werden könnten. Hacker sprach sich in seinem so unaufgeregten wie informativen Artikel gegen Eingriffe in die Keimbahn aus, weil man noch zu wenig über die Folgen wisse. Das müsse aber nicht so bleiben: "Bertolt Brecht hat in seinem 'Galilei' darauf hingewiesen, dass die Wissenschaft die Marktplätze erobern müsse. Dies gilt ganz besonders im Hinblick auf die öffentliche Diskussion über den Einsatz der Genom-Editierung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.06.2016 - Wissenschaft

In der NZZ argumentiert Lambert Heller gegen Roland Reuß' in der NZZ geäußerte These, die von der EU angestrebte europäische Open Science Cloud sei lediglich ein Deckmantel unter dem sich Zwangsvergemeinschaftung und politische Manipulation von Forschungsergebnissen verstecken könnten (unser Resümee). Die Speicherung in "digitalen Wolken" sei schon längst Realität, finde nur bisher in verschiedenen Infrastrukturen statt. "So kam eine Umfrage unter deutschen Wissenschaftern bereits vor zwei Jahren zu dem Ergebnis, dass zwei Drittel der Befragten im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit Daten bei kommerziellen Diensten wie Dropbox oder Github speichern, selbstverständlich aus freien Stücken. Auch die Popularität der ungefähr 9.000 Open-Access-Journals weltweit, deren Verleger von kommerziell erfolgreichen Unternehmen wie Elsevier, Springer und Public Library of Science bis hin zu zahllosen unbezahlten Individuen reichen, widerspricht Reuß' Bild von Openness als einem Brüsseler Edikt, dessen Umsetzung einer neu zu schaffenden, zentralistisch gesteuerten Infrastruktur bedarf."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.06.2016 - Wissenschaft

Thomas Thiel wendet sich in der FAZ immerhin nicht vollständig gegen das von der Politik immer mehr gewünschte Open Access in der Wissenschaft. Das bisherige System ist einfach eine zu große Geldverschwendung: "Das Oligopol der Großverlage (Springer, Elsevier, Wiley) erzielt damit traumhafte Gewinnmargen zwischen 25 und 35 Prozent. Und die wenigsten Daten sind bisher frei - für die Forschung ein erheblicher Nachteil. Dass dieses System abgeschafft wird, ist kein Grund zur Trauer. Die ungewollte Nebenfolge ist aber, dass im gleichen Zug die vielfältige Landschaft von kleinen und mittleren Verlagen absehbar ein zweites Mal zugunsten der Großverlage Schaden nehmen wird."
Stichwörter: Elsevier, Open Access

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.05.2016 - Wissenschaft

In der FAZ suchen Frank Decker und Eckhard Jesse nach Gründen, warum Politologen in der öffentlichen Debatte keine Rolle mehr spielen. In der NZZ denkt Hans Widmer über die Bedeutung der Evolution für die menschliche Freiheit nach.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.03.2016 - Wissenschaft

Der amerikanische Informatiker David Gelernter erklärt im Gespräch mit Lothar Müller von der SZ, warum er nicht an so etwas wie "Künstliche Intelligenz" glaubt: "Ich glaube nicht, dass wir heute eine vollkommene Imitation des menschlichen Geistes aus Software herstellen können. Dafür wissen wir viel zu wenig über Geist und Bewusstsein, fassen sie noch viel zu sehr als statische Gebilde. Bewusstsein und Geist sind aber etwas, das sich fortwährend ändert, von Moment zu Moment. James Joyce und sein berühmter 'Bewusstseinsstrom' im Roman 'Ulysses' sind eine gute literarische Veranschaulichung dieser Überlegung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.03.2016 - Wissenschaft

Angst der Europäer vor der Zukunft diagnostiziert Swetlana Alexijewitsch in der FR. Etwas ähnliches, eine grundlegende Angst vor der Technik beschreibt Gero von Randow in der Zeit: "Wir statten unsere Umgebung zwar mit immer neuen Dingelchen aus. Aber wir entdecken keine neuen Welten, wir schwimmen im Konsumstrom mit. Und demnächst hocken wir Melancholiker der einstigen Zukunft in sogenannten Autos, die uns umsorgen werden wie eine Gouvernante, oder in Smart Homes, die uns umhüllen werden wie eine Gebärmutter. An die Stelle unbegrenzter Möglichkeiten tritt umfassende Betreuung. Einst progressiv, werden wir regressiv."

In der FR stellt Roland Kaehlbrandt einen Band des Germanisten Ulrich Ammon über "Die Stellung der deutschen Sprache in der Welt" vor. Sie ist eigentlich viel besser als man denkt. Nur in Deutschland nicht, da bevorzugt man das Englische: "Viele chinesische Studenten bauen ihre Deutschkenntnisse während des Studiums in Deutschland eher wieder ab als sie zu verbessern, so ein interessantes Detail. Das nennt man Absurdistan. Hinzu kommt, so Ammon, die Aufgabe entwickelter deutscher Fachwortschätze zugunsten des Englischen in vielen Fächern. Dies führt inzwischen zu einem 'Ausbaurückstand', der die Leistungsfähigkeit unserer Sprache beschädige. Ganze Begriffsgebäude seien nicht mehr verfügbar. Dabei gehen offensichtlich auch Erkenntnisse und Differenzierungen verloren, die im deutschen Fachwortschatz noch enthalten waren."

Rudolf Neumaier porträtiert in der SZ den Philosophen Günter Fröhlich, der jetzt dagegen klagt, "dass habilitierte Akademiker ohne finanzielle Entschädigung lehren müssen, wenn sie die Titel Privatdozent oder Außerplanmäßiger Professor führen wollen. Bayern verdoppelte damals das Lehrdeputat auf zwei Semesterwochenstunden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.03.2016 - Wissenschaft

Thomas Ribi annonciert in der NZZ die Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag des Züricher Universalgelehrten Conrad Gessner. Ludger Lütkehaus bespricht Ernst Peter Fischers "Naturgeschichte der Dunkelheit".
Stichwörter: Naturgeschichten