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Redaktionsblog - Im Ententeich

Stichwort: Universitäten - 11 Artikel

Wer den Apfel küsst

Redaktionsblog - Im Ententeich 09.05.2012 In der FAZ am Sonntag schrieben Rainer Hank und Georg Meck vor einer Woche unter dem Titel "Wenn Kunst und Kommerz sich küssen" über "Geistiges Eigentum" und vertraten den üblichen Standpunkt. Was juckt mich gerade, auf diesen Artikel zu antworten? Nun ja, nicht dass er so originell, sondern dass er so typisch ist. Und dass er von Hank ist, dessen liberale Einschätzungen gerade in Wirtschaftsdingen ich in vielen andern Themen schätze und teile. Und doch habe ich hier einen diametral entgegengesetzten Standpunkt. Ich knüpfe an meinen Artikel "Diesen Kuss der ganzen Welt" vom 16. Februar an. Von Thierry Chervel

Er hat die Flugzeuge gestoppt

Redaktionsblog - Im Ententeich 20.05.2011 Vor knapp zwei Wochen gaben die Berliner Philharmoniker ein Konzert unter Christian Thielemann, auf dem Programm standen zwei Stücke von Richard Strauss, die aus gutem Grund lange nicht gespielt werden: die "Festmusik der Stadt Wien", die Strauss zum fünften Jahrestag des Anschluss Österreichs an das Dritte Reich komponiert hatte, und ein "Festliches Präludium", das sie 1943 schon zum Geburtstag Adolf Hitlers dargeboten hatten. Mit "Lieder, Lärm und Lustigkeit" pries das Programmheft diesen "Strauss für alle Gelegenheiten" an. Allerdings entlockte dieses gruselige Ereignis nur Manuel Brug in der Welt die entsprechenden Schauder. Von Thekla Dannenberg

Das Gift der Selbstzensur

Redaktionsblog - Im Ententeich 18.08.2009 Die meisten Zeitungen in Deutschland haben das Thema nicht aufgegriffen, dabei ist es fast eine Woche alt. Die New York Times brachte es zuerst, am 12. August. In Deutschland hat dann nicht eine Zeitung, sondern ein Blog, die Achse des Guten, ein informatives Dossier zum Thema zusammengestellt. Die Süddeutsche Zeitung hat am 14. August eine winzige Meldung abgedruckt (die dem Perlentaucher entgangen ist). Der Perlentaucher wurde am 15. durch eine Meldung in der NZZ aufmerksam. Die FAZ brachte an diesem Montag einen kleinen Artikel. In anderen Zeitungen haben wir nichts gefunden - vor allem, mit Ausnahme der FAZ, keinen Kommentar. (Aktualisierung vom 19. August: Jens Balzer griff die Geschichte gestern in der Berliner Zeitung ausführlich auf.) Von Thierry Chervel

Wir alle sind auf dem Weg nach Tycho

Redaktionsblog - Im Ententeich 04.05.2009 Richard Stallman hat Dan Halberts Geschichte im Jahr 1997 geschrieben. Sie war schon damals keine reine Science fiction. In diesem Nachtrag aus dem Jahr 2007 zeigt Stallman, einer der Pioniere der Freien-Software-Bewegung, welche Zensurmechanismen inzwischen von Industrie und Regierungen verwirklicht wurden. Dan Halbert ist immer noch auf dem Weg nach Tycho. D.Red.

Nachtrag des Autors zu "Dan Halberts Weg nach Tycho"

Der Kampf um das Recht zu lesen wird schon heute geführt. Es wird vielleicht noch 50 Jahre dauern, bis unsere heutige Lebensweise in Vergessenheit geraten ist, doch die meisten der oben beschriebenen Gesetze und Praktiken wurden bereits zur Diskussion gestellt; zum Teil sind sie in den USA und anderen Ländern schon heute geltendes Recht. In den USA hat der 1998 verabschiedete Digital Millenium Copyright Act (DMCA) die gesetzlichen Grundlagen dafür gelegt, das Lesen und Verleihen von digital verfügbaren Büchern (und anderen Werken) einzuschränken. Die Europäische Union hat mit einer 2001 verabschiedeten Copyright-Direktive ähnliche Einschränkungen ermöglicht. In Frankreich ist es aufgrund des 2006 beschlossenen DADVSI-Gesetzes bereits ein Verbrechen, das freie Programm DeCSS, das das Entschlüsseln von DVD-Videos ermöglicht, auch nur zu besitzen.
Von Richard Stallman

Dan Halberts Weg nach Tycho

Redaktionsblog - Im Ententeich 29.04.2009 Für Dan Halbert begann der Weg nach Tycho in der Hochschule - als Lissa Lenz ihn bat, ihr seinen Computer zu leihen. Ihrer war defekt, und sie hatte keine Chance, ihr Semesterprojekt erfolgreich abzuschließen, wenn sie sich keinen anderen leihen konnte. Es gab niemand, den sie zu fragen wagte, außer Dan. Das brachte Dan in ein Dilemma. Er musste ihr helfen - aber wenn er ihren seinen Computer lieh, hätte sie vielleicht seine Bücher gelesen. Nicht nur, dass es viele Jahre Gefängnis bedeuten konnte, jemanden seine Bücher lesen zu lassen - die Idee selbst entsetzte ihn zuerst. Wie jedermann war ihm seit der Grundschule beigebracht worden, dass Bücher mit anderen zu teilen abscheulich und falsch war - das war etwas, das nur Piraten tun. Und es war wenig wahrscheinlich, dass es der SPA, der Softwareprotektions-Aufsichtsbehörde, entgehen würde. Von Richard Stallman

Börsenverein hackt Kindle?

Redaktionsblog - Im Ententeich 02.03.2009 Ist es noch vor der deutschen Markteinführung des Amazon Kindle gelungen, das von dem US-amerikanischen Online-Buchhändler entwickelte E-Book-Lesegerät zu hacken? Das könnte man bei der Lektüre einer in der FAZ veröffentlichten dpa-Meldung meinen. Auf der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels initiierten Online-Plattform libreka, so heißt es dort, sollen ab März 2009 100.000 Bücher zur Verfügung stehen, welche "direkt auf die gängigen E-Book-Lesegeräte 'Kindle' oder 'Reader' heruntergeladen werden können. Welcher "Reader" auch immer gemeint sein mag (der Adobe Reader? Sonys Reader Digital Book, das erst im März erhältlich sein soll?) - das "Kindle" ist jedenfalls dafür bekannt, dass darauf bislang nur solche E-Books angezeigt werden können, die der Kunde bei Amazon gekauft hat - ein Geschäftsmodell, das wegen seiner quasi-monopolistischen Struktur vielfach kritisiert worden ist (siehe auch). Sollte es den libreka-Machern etwa gelungen sein, das Amazon-Gerät zu hacken? Das wäre erstaunlich, setzt der Börsenverein sich sonst doch für ein "zivilisiertes Internet" ein, bekundet Sympathien für das französische Olivennes-Modell und verklagt gerade die Universität Würzburg, weil diese ihren Studierenden Lehrmaterial an Leseplätzen zugänglich gemacht hat. Oder strebt man mit Amazon, immerhin einem der größten Konkurrenten des… Von Ilja Braun