Als Kind verliebt sich Adam Soboczynski in die BRD. Bald darauf siedeln der junge Pole und seine Familie nach Koblenz über. Doch was geschah mit dem zurückgebliebenen Leben? Mehr als 20 Jahre später begibt sich der Journalist auf Reisen, um das Land seiner Kindheit neu zu entdecken. Er trifft Piotr, der sich einen deutschen Pass erschleicht und reich wird, begegnet einem Jugendfreund Karol Wojtylas und besucht Grazyna, das Mädchen, das ihm das Laufen beibrachte.
Der deutsch-polnische Journalist Adam Soboczynski hat sich auf die Suche nach der Wahrheit hinter den hierzulande grassierenden Polen-Witzen und -Klischees begeben. Die Rezensentin Wiebke Porombka ist regelrecht begeistert von dem, was er in Reportagen und autiobiografischen Notizen zu berichten hat. So deutet er Polen als die eigentliche Heimat des "Prekariats", was er an der Vokabel "Zalatwiac" festmacht, die einerseits so etwas wie "sich durchwurschteln" bedeutet, andererseits aber auch "übers Ohr hauen". Beides schildert Soboczynksi als nicht untypisch für Polen. Bewundernswert freilich findet es Porombka, dass der Autor mit seinen Einsichten nie beim Klischee verharrt und zugleich alle "Verkitschung" zu vermeiden und Menschen und Situationen lebendig zu schildern versteht. Besonders eindrücklich scheint ihr das von ihm beschriebene Fremdheitsgefühl bei der Begegnung mit einer früheren Spielkameradin in der Siedlung, in der auch er seine ersten Lebensjahre verbracht hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.09.2006
Intelligent unterhalten fühlt sich Rezensent Jens Bisky von den deutsch-polnischen Geschichten, die der Journalist Adam Soboczynski vorgelegt hat. Er lobt das Buch als "Glücksfall" und würdigt die "menschenfreundliche Aufklärung", die darin praktiziert wird, etwa wenn Soboczynski die Klischees beider Seiten anregend aufs Korn nimmt. Bisky bescheinigt dem in Polen geborenen, in Deutschland aufgewachsenen Autor, "in beiden Kulturen gleichermaßen zuhause und fremd" zu sein. Dennoch sind es die Kapitel über Warschau, Biskupiec und Masuren, die es Bisky besonders angetan haben. Sie vermitteln für ihn ein eindrückliches Bild der von Spannungen und Widersprüchen geprägten polnischen Gegenwart. Die eingestreuten Prominenten-Porträts etwa des Dichters Tadeusz Rozewicz oder des Malers Marcin Maciejowki, die den "routinierten" Journalisten verraten, hätte sich Soboczynski nach Ansicht Biskys allerdings sparen können. Denn die Stärke des Buchs sieht er ganz klar in der "Erhellung des Alltags".
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