Adolf Placzek

Traumfahrt mit der Familie

Erzählung
Cover: Traumfahrt mit der Familie
Jüdischer Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783633541584
Gebunden, 73 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

"So schwankten wir langsam weiter, kein Floß der Medusa, sondern das Floß einer toten Familie, das heißt, sie waren alle tot außer mir, der nicht wußte, ob es 1913 oder 1930 oder 1976 war. Ich wusste auch nicht, ob ich ein eingeschüchtertes Kind oder ein träumender Greis oder einfach einer war, der zum Erinnern und Lieben und zum Erzählen ewig verurteilt blieb." Dieses Floß treibt von New York, wo Adolf Placzek 1940 im rettenden Exil gelandet war, zurück in die Vergangenheit, ins heimatliche Wien: Es passiert die Jahre des Ersten Weltkriegs, die Zwischenkriegszeit bis zum "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland, erinnert werden die Jugend in einer bürgerlichen jüdischen Familie, die verdrängten Zeichen der wachsenden Bedrohung, des erstarkenden Antisemitismus. In diesem außergewöhnlichen Prosatext gelingt es dem Autor, Geschichte und Lebensgeschichte in eins zu erzählen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2000

In einer Doppelrezension bespricht Hans Christian Kosler zwei Bände von Adolf Placzek, der Wien 1939 verlassen musste und in den USA später eine renommierte Architekturbibliothek aufbaute. Beiden Texten gemeinsam ist nach Kosler eine ausgesprochen tiefe Melancholie.
1.) Adolf Placzek: "Traumfahrt mit der Familie" (Jüdischer Verlag)
Kosler lobt hier vor allem die "atmosphärische Verdichtung" und die "eindringlichen allegorischen Bilder", mit denen der Autor die Geschichte der Familie beschreibt, die kurz vor der Kristallnacht noch eine gemeinsame `Traumfahrt` unternimmt, bevor sich ihre Mitglieder aus den Augen verlieren. Der Rezensent sieht hier gleichzeitig den Untergang einer Zeit und das Ende des "Grossbürgertums" beschrieben. Doch anders als viele andere Autoren, habe sich Placzek nicht in Details verloren. Vielmehr liege die Stärke des Buchs vor allem in den Assoziationen, die es auslöst.
2.) Adolf Placzek: "Wiener Gespenster" (Zsolnay-Verlag)
Diese Geschichte, die von den Schwierigkeiten und dem Heimweh einer österreichisch-jüdischen Emigrantenfamilie in New York erzählt, bespricht Kosler nur kurz. Im Vergleich zur `Traumfahrt mit Familie` erscheint sie ihm einerseits "konventioneller geschrieben", gleichzeitig aber auch "wirklichkeitsorientierter".
Stichwörter

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…