Aiko Kempen

Auf dem rechten Weg?

Rassisten und Neonazis in der deutschen Polizei
Cover: Auf dem rechten Weg?
Europa Verlag, München 2021
ISBN 9783958903500
Gebunden, 240 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Polizeichats mit rechtsextremen Inhalten, rassistische Misshandlungen von Verdächtigen, illegale Datenabfragen, Todesdrohungen gegen Politikerinnen und Aktivisten, Hetze gegen Muslime, ungeklärte Todesfälle in Arrestzellen, dazu der Vorwurf, bei der Strafverfolgung auf dem rechten Auge blind zu sein - unsere Gesetzeshüter sind außer Kontrolle. Wenn sich Rechtsextreme und Rassisten in der deutschen Polizei so verdammt sicher fühlen können wie zurzeit, gerät unser Rechtsstaat in Gefahr. Doch wie rechts ist unsere Polizei wirklich? Aiko Kempen hat mit Menschen gesprochen, die Opfer rassistischer Polizeigewalt wurden. Er interviewte aktuelle und ehemalige Polizisten, Polizeiforscher und Ausbilder. Herausgekommen ist eine kritische Bestandsaufnahme über den fragilen Zustand unseres demokratischen Rechtsstaats und dessen Hüter.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.08.2021

Welche Feindbilder und Sichtweisen rechtsextreme Tendenzen bei der Polizei begünstigen, erfährt Lena Kampf aus dem Buch von Aiko Kempen. Interviews, die der Autor mit Polizisten geführt hat, verdeutlichen Kampf autoritäre Strukturen in der Polizei-Ausbildung sowie ein hohes Maß an Identifikation unter den Beamten, das interne Kritik erschwert. Alarmierend scheint Kampf die vom Autor dokumentierte Fülle an "Einzelfällen" rassistischer Praktiken und Äußerungen bei der Polizei. Die vom Fließtext abgesetzten Beispiele stören allerdings den Lesefluss, meint die Rezensentin. Besonders aufschlussreich findet Kampf das Buch, wenn der Autor den schleichenden Radikalisierungsprozess bei der Polizei untersucht und rassistische Zuschreibungen in Ausbildung und Alltag offenlegt.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.04.2021

Dem Rezensenten Philipp Schnee hat Aiko Kempens Kritik an der deutschen Polizei dabei geholfen, sich darüber klar zu werden, was für eine Polizei eigentlich wünschenswert wäre. Somit hat sich die Lektüre gelohnt, obwohl die von Kempen geschilderten Fälle von Rassismus in der deutschen Polizei größtenteils bereits bekannt sind. Dass Kempen wenig Neues bietet, ist allerdings auch seinem eigenen investigativen Journalismus zu verdanken, räumt Schnee ein. Neues aufzudecken ist aber ohnehin nicht Kempens Anliegen in diesem Buch. Vielmehr geht es ihm darum, einen Überblick zu schaffen und klar zu machen, dass es sich bei all den bekannten Vorfällen nicht um Einzelfälle handelt, so Schnee. Beunruhigend findet Kempen dem Rezensenten zufolge den Umgang der Politik und der Polizeigewerkschaften mit den lauter werdenden Vorwürfen und Forderungen nach Transparenz: Allzu oft werde die Polizei als unfehlbar dargestellt und abgeschottet gegen jeden Angriff, pflichtet der Rezensent dem Autor bei. So könne kein echter Diskurs entstehen.