Alain Mabanckou

Petit Piment

Roman
Cover: Petit Piment
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2019
ISBN 9783954381081
Gebunden, 240 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Kongo, Anfang der Siebzigerjahre. Der dreizehnjährige Moses, genannt "Petit Piment" (nachdem er zwei Mitschülern Chilipulver ins Essen gemischt hat), wächst im Waisenhaus auf. Sein großes Vorbild ist Papa Moupelo, der jeden Samstag vorbeikommt, um die Bibelstunde abzuhalten. Doch dann wird die Sozialistische Revolution ausgerufen, der christliche Glaube gilt auf einmal als Opium fürs Volk und aus Moses soll ein vorbildlicher Pionier der Bewegung werden. Der Schulleiter Dieudonné Ngoulmoumako ergreift die Gelegenheit, Posten mit Parteikadern zu besetzen, die merkwürdigerweise allesamt aus seiner Familie stammen und fortan die Schüler terrorisieren. Zusammen mit zwei Kameraden nimmt Moses Reißaus. Er flieht nach Pointe-Noire, findet Unterschlupf in einem Freudenhaus und schließt sich einer Gang von Straßenkindern an. Von nun an sieht er sich als kongolesischer Robin Hood, der von den Reichen nimmt, um den Armen zu geben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2020

Rezensent Niklas Bender empfiehlt nicht unbedingt diesen Roman, um den seiner Meinung nach durchaus entdeckenswerten Autor Alain Mabanckou kennenzulernen. Mabanckous Fähigkeit, zentralafrikanische Motive, Vorstellungen und Erzählweisen zu variieren und kongolesische Verhältnisse im Hintergrund ablaufen zu lassen, kommt zwar auch hier zum Tragen, die Geschichte eines Waisenjungen, der zum Straßengangster wird und schließlich in der Therapie landet, kann Bender aber nicht überzeugen. Zu stark sind die "Unwuchten" der Handlung, zu schematisch die Figuren, meint er.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.01.2020

Rezensentin Jeannette Villachica kommt vieles in diesem Roman bekannt vor: Der titelgebende Petit Piment, der in einem katholischen Kinderheim in Mobutus Kongo malträtiert wird, ist ihr schon in anderen Büchern begegnet, ebenso die "Skurrilitäten und Tabubrüche", auf die der kongolesische Autor Alain Mabanckou immer wieder setzt. Amüsant findet Villachica das, auch sympathisch, aber nicht umwerfend. Zeit für Neues, meint sie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2019

Jonathan Fischer ist ein großer Fan des kongolesischen Autor Alain Mabanckou, der unermüdlich daran arbeitete, die afrikanische Literatur zu "tropikalisieren". Üppig wuchernd geht es also in Mabanckous Erzählwelten zu, freut sich Fischer, der lauffreudig mit Mabanckou von Mythologie, Ahnenverehrung und Aberglauben über Folkloristisches bis zur ätzenden Kritik an den politischen Zuständen mäandert. In "Petit Piment" erzählt der Autor von den Waisenkindern seiner Heimatstadt Pointe Noire, die nach einem Militärputsch von den neuen Machthaber ins Visier genommen werden (bevor es im nächsten Wahlkampf die Kirche trifft und darauf dann die Bordelle). Vom gewitzten Petit Piment, der großherzigen Puffmutter Fiat 500 und Pater Papa Moupon lernt der vergnügte Rezensent, dass "im Reich der Verwüstung manchmal nur das Unkraut eine Chance hat". 
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.09.2019

Wirklich schön ist, wie Rezensent Cornelius Wüllenkemper die Bedeutung der Naivität in diesem Roman herausarbeitet. Zum einen sei da die Naivität des Kindes, aus dessen Perspektive zunächst erzählt wird - bis sich herausstellt, dass dieses Kind keineswegs naiv ist. Vielmehr werden die Leser auf diese Weise in das höllische Leben eines Waisenjungen im Kongo mitgenommen, der zwischen kirchlichen und sozialistischen Verbrechen nur vorübergehend bei Prostituierten seine Ruhe findet. "Die Naivität ist eine Quelle der Erkenntnis", zitiert Wüllenkemper den Autor. Der Held des Romans versucht, Rache zu üben an allem, was das koloniale Leben ihm zugemutet hat, verliert darin jedoch seine Freiheit. Als mit großer Leichtigkeit ausgestattet und dennoch "eindringlicher als jemals zuvor", lobt der beeindruckte Rezensent diesen Roman des kongolesischen Schriftstellers.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.09.2019

Birgit Koß staunt, erschrickt und lacht mit Alain Mabanckous Roman über die Verhältnisse im Kongo, den der Autor aus Sicht eines Waisenjungen schreibt. Die tragische Geschichte des Kindes und seine Abenteuer fasst der Autor laut Koß geschickt in die Kinderperspektive, respektlos und humorvoll, wenn über die Mächtigen, die ethnischen Zusammenstöße und das von Gewalt geprägte Straßenleben in der Stadt Pointe Noire berichtet wird. Die Sprache scheint der Rezensentin facettenreich und spritzig. Ein Entwicklungsroman mit Schelmenelementen, der Koß auch als Panorama der Republik Kongo taugt.