Aus dem Französischen übersetzt von Claudia Steinitz. Zum ersten Mal nicht in einer Einzelzelle, teilt Anick mit Dirnen, Diebinnen und verlausten Analphabetinnen schreibend den Alltag in Frauenknästen an unterschiedlichen Orten in Frankreich. Maria sticht heraus, mit ihr plant sie minuziös den Ausbruch und richtet sich damit immer wieder auf. Auch hat sie, während sie Zigarette um Zigarette, gegen Klamotten getauscht, raucht, das Mantra ihres ebenso inhaftierten Ehemanns im Ohr: "Wir sind allein, mein Schatz. Ganz allein", um dann auch mit ihm über Kassiber an einem gemeinsamen Ausbruch zu feilen, nachdem der erste gescheitert ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2018
Paul Jandl liest diesen neu übersetzten Roman der von Simone de Beauvoir protegierten Albertine Sarrazin als Offenbarung. Die eigene Diebinnen- und Prostituierten-Biografie, von Sarrazin literarisch verpackt, besticht für ihn durch Scharfsinn, lockere Darstellung, böse Tristesse und die Transzendierung der Erfahrung durch tiegründige Betrachtung. Dass die junge Autorin französische Formversessenheit in "kurzen Strichen erledigt" und keine Angst vor Kitsch zeigt, findet Jandl respektabel. Lebenslustig in der Verachtung des Bürgerlichen, kess im Ton (kongenial übertragen von Claudia Steinitz, so Jandl), gefällt der Text Jandl ausgezeichnet.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…