Sechs Monate verbrachte die Sinologin und Schriftstellerin Alice Grünfelder auf Taiwan. Gesehenem, Gehörtem ist sie nachgegangen, hat über ihre Beobachtungen mit Taiwanerinnen gesprochen, hat versucht zu recherchieren, was sie nicht verstand. Ihre Collage aus Erlebtem, Notizen und Überlegungen, Reportagen und essayistischen Miniaturen ist von lichter Leichtigkeit und verliert doch nie an Prägnanz, etwa in der Beschreibung gesellschaftlicher Zusammenhänge und historischer Exkurse. Es sind kürzere Texte, jeweils überschrieben mit einem Stichwort; sie sind alphabetisch geordnet, reichen von "Abschied" bis "Zeichen". Ob es um Wolken und Wasser geht, Müllabfuhr und Demonstrationen, Tempel und Götter, Brücken, Flüsse und Meere - jede Betrachtung beleuchtet eine Facette dieser fragilen Insel entlang der Bruchlinien des Alltags.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.04.2022
Rezensent Marko Martin hält Alice Grünfelders Buch über Taiwan in Teilen für etwas unterkomplex. So, wenn die Sinologin bei ihrem Auslandshalbjahr in Taipeh über Frieden mit Blumen nachdenkt und offensichtlich den Sinn von militärischer Abschreckung (gegenüber China) nicht begreift. Davon abgesehen aber bieten ihm die alphabetisch geordneten Notate interessante Einblicke in die Existenz eines "freien" Landes im Kulturkreis eines totalitären. Gut gefallen hat Martin, dass die Autorin, anders als andere Stipendiaten, ihre Bude verlässt und über engagierte Buchhändler und Hacker schreibt. Taiwan gemahnt Martin zudem an die Zustände in der Ukraine und umgekehrt.
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