Friedrich Schleiermacher war Theologe, Philosoph, Pädagoge und Altphilologe in der bewegten Epoche um 1800. Als emblematischer Sprössling des evangelischen Pfarrhauses steht er wie nur wenige für die kulturelle Blütezeit des Protestantismus, in der sich eine neue Form kultivierter Innerlichkeit und subjektiver Religiosität herausbildete. Andreas Arndt wirft einen neuen Blick auf das Denken Schleiermachers im Kontext der politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse seiner Zeit. Dabei zeichnet er seine intellektuelle Entwicklung nach, verortet sie in seiner changierenden Positionierung gegenüber dem preußischen Staat und rekonstruiert seine gesellschaftspolitischen Konzepte in Reaktion auf die großen historischen Umbrüche, namentlich die Französische Revolution, die Schleiermacher als Ereignis von religiöser Bedeutung versteht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2019
Der hier rezensierende Theologe Friedrich Seven lässt sich vom Philosophen Andreas Arndt Schleiermachers Rolle als Reformator im Kontext der Französischen Revolution erläutern. Schleiermachers Vorbehalte gegen den Umsturz werden für den Rezensenten dabei deutlich, ebenso seine Reformwünsche und seine gedanklichen Wurzeln im Pietismus. Welche Gefahren Schleiermachers Denken birgt, warum er kaum noch gelesen wird und auch, wieso er sich nationalistisch nicht vereinnahmen lässt, erfährt Seven von Arndt auch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2019
Der hier rezensierende Theologe Johann Hinrich Claussen kennt Andreas Arndt als Schleiermacher-Kenner. Dass der Autor nun keine Biografie, sondern eine "politik-philosophische" Studie und Ideologiekritik von Hegelscher Warte vorlegt, verwundert ihn. Zwar lernt er viel über Schleiermachers Denken und Bildungsetappen, staunt über Arndts Klugheit, Quellenkenntnis und argumentatives Niveau, das Buch erscheint ihm dennoch zwiespältig. Der Rezensent wird den Verdacht nicht los, der Autor hätte viel lieber über Hegel geschrieben. Arndts Hauptkritikpunkt an Schleiermacher (Unbestimmtheit) scheint Claussen jedenfalls nicht zu verfangen.
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