Die 1960er Jahre. Bundesrepublik Deutschland. Im rheinischen Troisdorf betreiben die Eltern des Erzählers ein gutgehendes Fotoatelier. Nach außen hin demonstriert man seinen Status: Häuser, neues Auto, sonntäglicher Kirchgang. Doch hinter der gutbürgerlichen Fassade legen die Familienmitglieder verstörende Verhaltensweisen an den Tag. Was treibt die Eltern um, die während des Zweiten Weltkriegs bereits junge Erwachsene waren? Warum verabscheut die Oma, die zwei Weltkriege erlebte, ihren Enkel? Erzählt wird die Familiengeschichte des Autors und Dokumentarfilmers in den Jahren zwischen 1914 bis 2014 aus Erinnerung bzw. mit Dokumenten aus unterschiedlichen Quellen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.12.2022
Rezensent Sebastian Schoepp hat nichts dagegen, dass immer mehr Boomer ihre Nachkriegskindheit in der BRD aufschreiben. Vor allem nicht, wenn sie es so bewegend tun wie der Dokumentarfilmer Andreas Fischer, der hier erzählt, wie er im Mief aus unverarbeiteten Kriegstraumata als Kind nur im Weg herumstand. Vernachlässigt von den Eltern, die an ihrem Schweigen zu ersticken drohten, gilt er der Großmutter, der titelgebenden "Königin von Troisdorf" als enttäuschender Ersatz für den gefallenen Sohn, der für Hitler kämpfte, resümiert der Kritiker. Statt von Gewalt und Missbrauch ist Fischers Kindheit von alltäglichen "Mikrograusamkeiten" geprägt, erläutert Schoepp: Schuld, Verlust, Kleinbürger-Träume und Enttäuschung über den verlorenen Krieg bilden die Sphäre, in der Fischer aufwächst. Wie präzise und effektiv der Autor seine Familiengeschichte aus Briefen, Erinnerungen und Dokumenten rekonstruiert, findet der Rezensent bemerkenswert.
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…