Die DDR war geprägt von Paranoia und Denunziation. Der Historiker und Publizist Andreas Petersen erzählt, wie es dazu kam, und erkundet das Trauma der Gründergeneration um Pieck und Ulbricht. Sie hatten in Moskau die Jahre des Terrors erlebt, in denen Stalin mehr Spitzenkader der KPD ermorden ließ als Hitler. Angst und Verrat wurden für die Exilanten aus Deutschland zur schrecklichen Normalität. Ab 1945 übernahmen die zurückgekehrten "Moskauer" die Führung in der sowjetisch besetzten Zone. Die ersten Jahre waren Stalin-Jahre, Zweifel und Fragen waren in der neu gegründeten SED nicht erwünscht. Die "Moskauer" hätten sich sonst der eigenen Verstrickung stellen müssen. Denn jeder von ihnen hatte jemanden denunziert, um sich selbst zu retten, und jeder wusste es vom Anderen. Ein Mantel des Schweigens legte sich über den neuen Staat. Fesselnd schildert Andreas Petersen dieses Gründungstrauma und seine Folgen - ein lebendiges Psychogramm der führenden SED-Funktionäre, aber auch der Gesellschaft der DDR. Bis heute wird geschwiegen, Verwundungen, Ängste und Zorn sind nicht verschwunden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2019
Jörg Baberowski nennt Andreas Petersens Buch eine wichtige, ja notwendige Lektüre. Zu lernen ist bei Petersen laut Baberowski, wie Stalins Terror die spätere Führungsriege der DDR prägte, auch wenn dem Leser klar sein muss, so der Rezensent, dass die KPD schon vorher autoritär war. Welche Wirkung die "Schule der Paranoia" hatte und wie Ulbricht daraus lernte, erfährt der Rezensent. Über die Väter der DDR denkt er künftig anders als bisher.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.04.2019
Fabian Wolff nimmt es mit Humor und sieht in Andreas Petersens Studie "Die Moskauer" einen Beitrag zur Debatte um DDR-Trauma und Migrationshintergrund. Der Historiker Petersen beleuchtet in seinem Psychogramm der alten KPD-Führung, wie Ulbricht, Pieck und Co. von ihren Exil-Erfahrungen in Stalins Moskau geprägt wurden und wie sie damit der DDR den Stempel aufdrückten: Denunzieren oder denunziert werden. Wie Petersen die Atmosphäre der Angst und des Terrors in Moskau schildert, lässt Fabian gelten, zumal Petersen viele bekannte Quellen nutzt. Den von der Totalitarismustheorie geprägten Deutungen des Autors kann der Kritiker allerdings nichts abgewinnen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2019
Ilko-Sascha Kowalczuk bekommt ein astreines Sachbuch mit Andreas Petersens Darstellung des Stalintraumas und seiner Auswirkungen auf den Aufbau der DDR. Dicht, spannend, systematisch und konkret erzählt der Autor laut Rezensent von Schicksalen deutscher Kommunisten in der Sowjetunion, von der Moskau-Hörigkeit der KPD und der Bedeutung des sowjetischen Terrors für die Konsolidierung der Herrschaft in der DDR. Kleinere Sachfehler und die etwas eindimensionale Darstellung von Ulbricht, Pieck und Co. kann der Rezensent dem Autor nachsehen. Die allzu unkritische Auswertung von Quellen abtrünniger Kommunisten wie Carola Stern oder Wolfgang Leonhard scheint ihm allerdings fragwürdig. Insgesamt ein Sachbuch für Interessierte und Experten gleichermaßen, so der Rezensent.
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