Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. "Deinen Vater haben sie erschlagen wie einen Hund." Dieser Satz ist wie ein Todesurteil für den Jungen im Waisenhaus. Denn das Einzige, woran sich die Knaben in ihrem trostlosen Leben klammern können, ist die schöne Illusion, dass ihre Väter als Helden fürs Vaterland gestorben sind - wo doch die meisten als sowjetische Klassenfeinde hingerichtet wurden. Zum Glück für den jungen Ich-Erzähler lebt in der Nähe des Waisenhauses die Französin Alexandra, bei der der Junge immer wieder unterschlüpfen kann. Durch ihre sehnsüchtigen Erzählungen von Frankreich und ihre Bücher erhält der Erzähler eine 'veritable education française'. Diese nostalgische Traumwelt wird seine Zuflucht vor den Qualen des Waisenhauses.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.01.2005
"Himmel und Erde des Jacques Dorme" ist der dritte Teil einer für den ersten Teil bereits mit dem "Prix Goncourt" ausgezeichneten Trilogie des 1987 nach Frankreich ausgewanderten Schriftstellers Andrei Makine. Er zeigt seinen Titelhelden nun im Russland der Neunziger Jahre, das er, wie die Rezensentin Olga Martynova lobt, dem westlichen Publikum (ins Russische wurde der Roman gar nicht übersetzt) vor Augen zu führen versteht, ohne sich dessen Perspektive anzubiedern. Dargestellt werde die "moralische Ohnmacht" der Bevölkerung, die sich in einer orientierungslosen Suchbewegung in Richtung Kapitalismus befindet. Diese stelle Makine, so Martynova mit einer Präzision dar, die bei seinen in Russland lebenden und veröffentlichenden Kollegen wohl mangels Distanz nicht zu finden sei. Im übrigen falle der satirische Blick des Autors auch auf seine neue Heimat Frankreich, in der sich der Ich-Erzähler bei einem Besuch in eine fast unverständliche Fremde geraten fühlt.
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