1968 findet in Darmstadt der "Callsen-Prozess" statt. Angeklagt sind acht SS-Männer, die 1941 am Massaker von Babyn Jar beteiligt waren. Dina Proničeva hat das Morden mit unvorstellbarem Mut überlebt, jetzt kommt sie in das Land der Täter, um bei dem Prozess auszusagen. Am Tag der Verhandlung kreuzt die damals 14-jährige Susanne Röckel das Auto, das die Zeugin zum Gericht bringt. Diese Begegnung löst ein literarisches Nachdenken über Widerstand, Gerechtigkeit und Verleugnung aus, Jugenderinnerungen vermengen sich mit Prozessprotokollen und eindringlichen Bildern von den Tagen, die die Zeugin aus Kiew im Nachkriegs-Deutschland verbringt. Zwischen Roman und Memoir ist "Vera" ein Versuch, sich behutsam dem Unfassbaren zu nähern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2025
Rezensentin Anna Vollmer hat Zweifel, ob Susanne Röckels Versuch, die eigene Nachkriegsgeschichte in Darmstadt, wo 1968 der Callsen-Prozess stattfand, mit dem Schicksal einer Überlebenden des Massakers von Babyn Jar zu verbinden, legitim ist und ob er literarisch funktioniert. Das autofiktionale Buch spart Zweifel der Titelfigur darüber zwar nicht aus, so Vollmer, wirklich gelungen kann die Rezensentin das Buch dennoch nicht finden, auch weil die eingefügten Prozessprotokolle und Sätze der historischen Person sich für sie nicht zwingend mit dem Leben und Leiden der jungen westdeutschen Frau verknüpfen.
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