Caledonian Road
Roman

Park X Ullstein, Berlin 2024
ISBN
9783988160034
Gebunden, 784 Seiten, 30,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Manfred Allié, Gabriele Kempf-Allié. London, Donnerstag, 20. Mai 2021, die Temperatur beträgt 16 Grad, es ist heiter, später gibt es Schauer. Als Campbell Flynn, 52 Jahre alt und auf der Höhe seines Ruhms als öffentlicher Intellektueller, an diesem Tag aus dem Taxi steigt, trägt er sich noch mit Gedanken an ein neues publizistisches Projekt. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend zählt er heute zur Elite des Vereinigten Königreichs: seine Frau, die Tochter einer Gräfin, sein bester Freund, ein Industrieller, sein Schwager, ein Politiker mit Einfluss, sein Leben getaktet von Vorträgen, Vernissagen und Society-Events. Seine Schwäche, seine Eitelkeit und der Umgang mit dem lieben Geld. Sein Widersacher: sein liebster Schüler. Im Laufe eines aufsehenerregenden Jahres wird ein Netz von Verbrechen, Geheimnissen und Skandalen aufgedeckt; und Campbell Flynn, dieser Inbegriff des liberalen, gebildeten weißen Mannes, wird fallen wie die Ära, die er verkörpert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.02.2025
Ganz und gar überzeugt zeigt sich Rezensentin Sylvia Staude von diesem "Ziegelstein" von einem Roman, den Andrew O'Hagan vorgelegt hat, "eine Art London-Wimmelbild", das mit einem umfangreichen Personenregister aufwartet, in dem der aus armen Verhältnissen stammende Kunsthistoriker Campbell Flynn die Hauptrolle einnimmt. Er lebt in der titelgebenden "Caledonian Road." Flynn ist mit einer Psychotherapeutin verheiratet, seine Kinder sind in der DJ- und Model-Szene unterwegs, und er hat ein ziemlich blödes Buch geschrieben, als dessen Autor ein Double auftritt. Das ist vielleicht nicht immer ganz realistisch, räumt Staude ein, aber in dem breiten Wirkungskreis des Romans, der auch russische Oligarchen, britische Adelige, Umweltaktivisten und polnische Arbeitsmigranten in den Blick nimmt, mit allen Intrigen angenehm böse, so die zufriedene Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 05.10.2024
Rezensentin Mara Delius überlegt, ob Andrew O'Hagan mit seiner State-of-the-Nation-Novel einen moralischen Anspruch verfolgt. Die Geschichte eines durchaus mit autobiografischen Zügen ausgestatteten Intellektuellen der britischen Oberklasse erzählt der Autor nicht zuletzt als Geschichte zur Lage der Nation, erklärt Delius. Wendepunkte der jüngsten britischen Geschichte kommen vor, wenn der Protagonist eine Krise der Männlichkeit und noch mehr seiner ganzen Welt konstatiert. Dass sich der Journalist O'Hagan für einen Roman und nicht für einen Essay entschieden hat, wundert Delius ein wenig. Den Text aber findet sie flüssig und lebendig geschrieben. Eine gut komponierte Gesellschaftssatire mit Anspruch, findet sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2024
Als ambitioniert und unterhaltsam beschreibt Rezensent Tobias Döring, was Andrew O'Hagan hier abliefert, komplett überzeugen kann das Buch ihn nicht. O'Hagan entwirft, lernen wir, ein panoramatisches literarisches Gesellschaftsbild im Stil des 19. Jahrhunderts, Charles Dickens, Anthony Trollope und andere stehen Pate. Erzählt wird vom kriselnden Großbritannien des Jahres 2021, einem Land gebeutelt von Brexit, Covid und einigem mehr. Ein umfangreiches Personenverzeichnis stellt, so Döring, das Personal vor, von Politikern über Journalisten bis hin zu Aktivisten und Rappern ist alles dabei, und die diversen Plots decken dann ebenfalls ein breites Feld ab, Menschenhandel kommt ebenso vor wie Eliteklüngeleien mit russischen Oligarchen; oder auch, als zentrales Plotelement, die Geschichte eines Kunsthistorikers, der auf der Suche nach neuen Ideen einen Bürgerkriegsflüchtling aus Äthiopien unter seine Fittiche nimmt. Das teilweise im journalistischen Stil geschriebene Buch liest sich flüssig weg, aber obwohl der Rezensent sich gut unterhalten fühlt, hat er doch den Eindruck, dass die einzelnen Geschichten oft allzu abrupt enden. Insgesamt ist Döring sich nicht sicher, ob die Art von Dickens'schem Gesellschaftsroman, auf die O'Hagan abzielt, unserer Zeit noch angemessen ist. Die Übersetzer Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié allerdings leisten hervorragende Arbeit, heißt es abschließend.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 10.09.2024
Rezensent Peter Henning bekommt von Andrew O'Hagan die Geschichte vom Niedergang eines englischen Parvenüs im Jahr 2021 so unterhaltsam und erschöpfend beschrieben wie selten. Die Schilderung der englischen Upper Class, ihrer Geschäfte und jähen Abstürze gelingt dem Autor laut Henning vorzüglich und aus multiperspektivischer Sicht. Das reiche Figurenarsenal muss dem Leser keine Angst machen, beruhigt Henning, der Schmöker beginnt mit einem zweiseitigen Personenregister.