Taschenbücherbrief

Taschenbücherbrief November 2025

Die besten Taschenbücher des Monats Von Arnim Eisenhut
30.11.2025. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Wir filtern die neu erscheinenden Taschenbücher nach Rezensionen der Originalausgaben. In unserer Taschenbücherliste befinden sich also nur Qualitätstitel. Und das beste: Einmal im Monat kommt die Liste jetzt als "Taschenbücherbrief"! Mit einer persönlichen Empfehlung von Perlentaucher Arnim Eisenhut.
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Gibt es einen Monat, der sich besser zum Lesen eignet als der November? Unser neuer Taschenbücherbrief bietet in jedem Fall genug Stoff: Als perfekter Schmöker eignet sich Andrew O'Hagans "Caledonian Road", der auf knapp 800 Seiten ein Panorama der britischen Upper Class zeichnet: Im Jahr 2021, das Land ist von Covid und Brexit gebeutelt, führt uns der schottische Autor in einen Sumpf aus Verbrechen, Geheimnissen und Skandalen - und zwar mit üppigem Personenregister und im Stil eines Gesellschaftsromans des 19. Jahrhunderts. Herrlich böse, unterhaltsam und anspruchsvoll, finden die Kritiker in Dlf, FAZ, Welt und FR.

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Restlos begeistert waren die KritikerInnen auch von Miranda Julys Roman "Auf allen Vieren", in dem uns die amerikanische Multimedia-Künstlerin wunderbar skurril von einer Mittvierzigerin erzählt, die sich mit Einsetzen der Wechseljahre auf Selbstfindungstrip begibt: Sie lässt Mann und Kind für eine Weile zurück, mietet sich in ein Motel ein und verfällt einem jüngeren Mann. Der Dlf Kultur amüsiert sich so prächtig mit Julys Pointenfeuerwerk, dass er hier gleich ein neues "Kultbuch" sieht. Die Welt erkennt nach der Lektüre erst, was ihr vorher fehlte - und der WDR 5 liest "eine Art Manifest und Feier weiblicher bzw. menschlicher Lust in jedweder Form".

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Nicht amüsant, dafür rasant und feinfühlend erzählt uns Domenico Müllensiefen in "Schnall dich an, es geht los"  vom Erwachsenwerden zwischen Fußball, Enttäuschungen und Rechtsextremen in der ostdeutschen Provinz Anfang der Nullerjahre. Müllensiefen schreibt so präzise und schnell, dass der Roman trotz aller Trostlosigkeit nie deprimierend ist, findet die FR - und die taz lobt Spannung und filmische Dialoge.

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Mustafa Suleymans "The Coming Wave" über die Gefahren Künstlicher Intelligenz hat in den knapp zwei Jahren seit seinem Erscheinen nichts an Aktualität eingebüßt. Eine der Thesen von Suleyman lautet etwa, dass künstliche Intelligenz liberale Demokratien aushöhlen und Diktaturen technisieren kann. Aber dieses kenntnisreiche Buch formuliert auch Lösungsansätze, versichert die FAZ. Und die FR beschließt nach der packenden Lektüre künftig lieber wachsamer zu sein.

Persönliche Empfehlung von Arnim Eisenhut zum Roman "Ein schönes Ausländerkind" von Toxische Pommes

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Der Debütroman "Ein schönes Ausländerkind" der bei TikTok als satirische Influencerin bekannt gewordenen Kabarettistin und Juristin Toxische Pommes gilt als Migrationsliteratur, erzählt uns die als Kind serbischer und montenegrinischer Eltern im ehemaligen Jugoslawien geborene Autorin doch die autobiografisch geprägte Geschichte ihres Aufwachsens in Österreich in den Neunzigerjahren. Aber die Bezeichnung greift, wie meist, viel zu kurz: Denn vor allem lesen wir das bewegende Porträt einer liebevollen und zugleich schmerzhaften Beziehung zwischen Vater und Tochter. Während die Mutter zunächst bei der exzessiv rauchenden, rassistischen Lehrerin Renate putzt und später Anstellungen als Apothekerin und Forscherin findet, darf der Vater, ein serbischer Ingenieur, nicht in seinem Beruf arbeiten. Er kümmert sich fortan hingebungsvoll um die Tochter. Deren Wunsch ist es, um jeden Preis ein "gutes Ausländerkind" zu werden - und das schildert die Autorin mit so präzisem Blick für die Absurditäten des Einwanderungslandes, dass dem Leser nicht selten das Lachen im Halse stecken bleibt. Zugleich werden wir Zeuge, wie der Vater zunehmend verschwindet - bis er schließlich erlischt. "Uns ist die Axt in den Honig gefallen" lässt sie ihn einmal ein serbisches Sprichwort zitieren - und wenig umschreibt den Ton dieses beachtlichen Debüts besser: Satirisch scharf, mitunter boshaft und doch immer wieder zart und feinfühlig.


Die Liste der Taschenbücher des Monats November finden sie bei unserem Buchladen eichendorff21.

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