Aus dem Englischen von Susann Urban. 1952, Jahre nach seiner Ankunft in Großbritannien, ist Mahmood Mattan längst fest verwurzelt in Tiger Bay, dem berüchtigten Hafengebiet von Cardiff. Doch als eine Ladenbesitzerin brutal ermordet wird, richten sich plötzlich alle Augen auf ihn. Er selbst weiß um seine Unschuld und ist davon überzeugt, in einem Land zu leben, in dem Gerechtigkeit waltet. Aber die Aussicht auf Freiheit schwindet und Mahmood begreift: Er steht nicht nur in einem Kampf gegen rassistische Vorurteile und einen unmenschlichen Staat - er steht in einem Kampf um sein Leben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.11.2021
Rezensentin Katharina Granzin staunt über das immense Gespür, mit dem Nadifa Mohamed in ihrem Roman recherchiertes historisches Material in "sprühendes" Leben verwandelt. Vom echten Fall des aus Britisch-Somaliland stammenden Mahmood Mattan, der 1952 in der Hafenstadt Cardiff fälschlicherweise des Mordes an einer Ladeninhaberin bezichtigt wurde, erzählt die Autorin hier. Zu verfolgen, wie der fiktive Mahmood, den Mohamed eindrucksvoll als willensstarken, "aufbrausenden" Protagonisten mit Hang zum Stehlen zeichne, nach und nach einem Justizirrtum zum Opfer fällt, empfindet die Kritikerin als "echtes Abenteuer". Auch die Nebenhandlung um die finanziell privilegierte, aber ebenfalls traumatisierte Familie der Ermordeten findet Granzin spannend und lobt, wie Mohamed immer wieder den Bezug zum gesamtgesellschaftlichen Kontext sucht. Ein packender Roman, der zur Erinnerung an dieses Schicksal beiträgt, schließt Granzin.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.11.2021
Rezensentin Irene Binal merkt dem Roman von Nadifa Mohamed an, dass die Autorin den Fall des 1952 in Wales unschuldig gehängten Somaliers Mahmood Hussein Mattan penibel recherchiert hat. Das hat laut Binal allerdings zwei Seiten: Einerseits fühlt sich die Autorin eindrucksvoll in das Leben eines randständigen, von einem naiven Optimismus für das Recht geprägten Menschen ein, andererseits verliert sie sich mitunter in allzu langatmigen Milieu-Schilderungen, wenn sie die Vorgeschichte des Todesurteils im Hafen von Cardiff erzählt. Diese latente Schwerfälligkeit verliert der Roman aber spätestens im zweiten Teil, wenn Mohamed sich mit dem Gerichtsverfahren befasst, meint Binal.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.09.2021
Rezensentin Sigrid Löffler scheint gebannt von Nadifa Mohameds Roman über die irrtümliche Verurteilung und Hinrichtung eines jungen somalischen Seemannes für den Mord an einer Ladenbesitzerin in Cardiff 1952. Die wahre Geschichte erzählt die Autorin laut Löffler mit viel Detailfreude, was die unübersichtliche Situation in den von Flüchtlingen besiedelten Docks von Cardiff angeht, mit Anschaulichkeit und Sinn für die Verlorenheit ihrer Figuren. Der Gemächlichkeit im ersten Teil des Buches folgt ein rasanterer zweiter Teil, der den Mordprozess nachzeichnet, erklärt Löffler.
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