Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall. Während seiner Fahrten durch Albanien hört Stasiuk den Fado. Melancholie und sanfter Trotz dieser Musik sind auch den 24 kurzen erzählerischen Meditationen eigen, die thematisch wie geographisch einen weiten Bogen schlagen: von Südpolen bis Montenegro, vom Blick durchs Vergrößerungsglas auf eine alte Karte, die bosnische Dörfer verzeichnet, bis zu den Reflexionen über die neue Mobilität als Flucht aus der eigenen Geschichte, dem eigenen Leben. Gibt es eine bessere Metapher für die Reise als eine brüchige Landkarte? Gibt es eine noblere Art der Reise als die auf den Spuren eines Schriftstellers, dessen Bücher man bewundert? So eine Reise ist eine Pilgerfahrt. Und die Pilgerfahrt ist ja nichts anderes als die ältere Schwester der Reise als solcher. Reisen heißt leben. Jedenfalls doppelt, dreifach, mehrfach leben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.10.2008
Der Rezensent fühlt sich "ratlos bereichert" nach der Lektüre von Andrzej Stasiuks Reiseskizzen aus Osteuropa. Ganz gleich, ob der Autor Rumänien, Albanien oder die Ukraine bereist, immer hat Jean-Michel Berg das Gefühl, es mit einem Falschspieler zu tun zu haben, der sich selbst zwischen Zivilisationskritik und dem eigenen Unbehagen angesichts nostalgischer Weinerlichkeit nicht entscheiden kann. Berg hält sich fest an der Sinnlichkeit, der Stasiuk'schen Abenteurerromantik mit Schlafsack und Weinbuddel. So kann er die "Arbeit am Mythos", die vom Autor meisterhaft betriebene Verschmelzung von Beobachtung, Fiktion und poetischer Reflexion genießen und der mitgelieferten Ironie hinter der Litanei über Verluste im osteuropäischen Kulturraum nachspüren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.2008
Einen Beat-Poeten kann Stefanie Peter in Andrzej Stasiuk nicht erkennen. Zu viele Kühe. Zu gemütlich die Schlagzahl. Was der Autor in seinen Reisekizzen an bäuerlicher Idylle gegen die Moderne auffährt, lässt die Rezensentin mitunter schmunzeln: Stasiuks Traum von Europa seien noch immer Zigeuner, die "auf den Champs-Elysees ihr Lager aufschlagen, Bären aus Bulgarien auf dem Ku'damm" und ukrainische Kosakeneinheiten vor den Toren Mailands. Kitsch und Kulturpessimismus und das Auftreten des Autors als Retter der verlorenen Zeit kommen bei ihr nicht so gut an. Wenn Stasiuk mit Beschreibungen ferner Alltagsrituale (Billard in der albanischen Provinz) aufwartet, ist sie allerdings manchmal ganz Ohr.
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