Anthony Burgess

Der Feind in der Decke

Roman (Band 2 der Malaya-Trilogie)
Cover: Der Feind in der Decke
Elsinor Verlag, Coesfeld 2022
ISBN 9783942788649
Gebunden, 220 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ludger Tolksdorf. Malaya, zweite Hälfte der 1950er Jahre: Während die Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht immer näher rückt, tritt der britische Lehrer Victor Crabbe im Bundesstaat Dahaga eine Stelle als Schuldirektor an. Nach seiner Liebschaft mit einer Malaiin am vorigen Verwendungsort gerät die Ehe mit seiner Frau Fenella weiter in Gefahr, als Crabbe hier mit der Frau seines Vorgesetzten anbandelt und Fenella das Interesse des örtlichen Potentaten auf sich zieht. Zu allem Unglück wird Crabbe von einem missgünstigen Untergebenen bezichtigt, mit den Kommunisten unter einer Decke zu stecken. Doch es ist alles noch viel verworrener, der wohlmeinende Crabbe noch viel tiefer verstrickt, als ihm selbst bewusst ist.In diesem zweiten Teil seiner berühmten Malaya-Trilogie wendet Anthony Burgess den Blick vor allem auf die Religionen Malayas und auf das Mit-, Neben- und Gegeneinander der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die sich am Ende der Kolonialzeit in einem Land wiederfinden, das sich vor allem in der Antipathie gegen die abziehende Kolonialmacht geeint sieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2022

Vier Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes komplettiert der Elsinor-Verlag Anthony Burgess' malaiische Trilogie mit den beiden letzten Bänden auf einen Schlag, freut sich Rezensent Elmar Schenkel. So lässt er sich von Burgess, der in der fünfziger Jahren in Malaya als Dozent arbeitete, erneut durch "menschliche und natürliche Dschungel" führen und erlebt die Konflikte zwischen Chinesen, Tamilen, Malaien, Muslimen, Sikhs, Hindus und Weißen. Deutlicher noch als Somerset Maugham oder Joseph Conrad lasse Burgess seine Kolonialismuskritik durchblicken, beobachtet der Kritiker, der hier in eine Welt voller Intrigen, ohne Illusionen, aber auch ohne Stereotype blickt. Vor allem aber bewundert er Burgess' Polyglottie, die dem Text nicht nur eine besondere Musikalität verleihe, sondern dem Autor auch den direkten Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung ermöglichte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.08.2022

Ein zerfallendes Weltreich bietet eine wunderbare Kulisse für weiße Selbstbespiegelung, da macht sich Rezensentin Julia Schröder nichts vor. Sie muss den britischen Autor Anthony Burgess in vielen postkolonialen Punkten schuldig sprechen, wenn er in seiner nun vollständig übersetzten Malaya-Trilogie aus den fünfziger Jahren von seiner Zeit als College-Lehrer in Kuala Kangsar erzählt und dabei Malaien, Chinesen, Sikhs und Tamilien eine selbstverschuldete Unmündigkeit zuspricht. Trotzdem weiß sie seine Romane sehr zu schätzen. Zum einen weil er ihr auch plausibel macht, wie gnadenlos die verschiedenen Volksgruppen um Vorherrschaft kämpften. Zum anderen aufgrund seiner fantastischen Figuren, die vielleicht überzeichnet sein mögen, aber unvergesslich bleiben. Die Schonungslosigkeit, mit der er sich dabei - in elegant-gebildetem Parlando - an seinem eigenen Leben und dem seiner am Alkohol zugrunde gegangenen Ehefrau bedient, bemerkt Schröder gleiechwohl.
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