Felix K. Nesi

Die Leute von Oetimu

Eine garantiert wahre Geschichte aus Timor
Cover: Die Leute von Oetimu
Edition Nautilus, Hamburg 2024
ISBN 9783960543701
Gebunden, 312 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Indonesischen und mit einem Nachwort von Sabine Müller. Sergeant Ipi, der junge (und einzige) Dorfpolizist, übt seine Autorität nicht immer gewaltfrei aus. Doch heute hat er alle Männer von Oetimu eingeladen, um am einzigen Fernseher des Dorfes das Finale der Fußball-WM 1998 zu schauen. Er hat etwas zu feiern, nämlich seine Verlobung mit der schönen Silvy - eine Ankündigung, die alle Anwesenden in tiefes Unglück und sofortiges Besäufnis stürzt. Der Abend endet jedoch nicht nur für sie sehr anders als erwartet. Die Geschichte, die sich nun entspinnt, führt mitten hinein in die von Umstürzen und Gewalt geprägte Geschichte Timors nach Ende der Kolonialzeit: Ipis Mutter Laura, deren Eltern bis 1975 Teil der portugiesischen Kolonialverwaltung in Osttimor waren, wird als junge Frau im Bürgerkrieg verhaftet und gefoltert. Sie entkommt und gelangt nach Oetimu, wo sie von Am Siki aufgenommen wird, einem allgemein verehrten Helden, der während der japanischen Besatzung ein Arbeitslager niedergebrannt haben soll und auf gutem Fuß mit den Ahnen steht. Auch Martin Kabiti lebt in Oetimu, als früherer pro-indonesischer Offizier war er verantwortlich für Massaker an der Bevölkerung Osttimors. Silvy hingegen ist ziemlich plötzlich im Dorf aufgetaucht. Dass sie von jemand anderem schwanger ist, weiß auch ihr Zukünftiger Ipi nicht …

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.01.2025

Rezensent David Hinzmann trifft sich in Berlin zum Gespräch mit Felix K. Nesi, der aus Westtimor stammt und dessen Buch auch genau dort spielt und die brutale Geschichte des Landes "mit viel Wut im Bauch"  nun auch für ein deutsches Publikum greifbar macht. Der Ausgangspunkt ist das WM-Finale 1998, für das sich die Dorfgemeinschaft zum gemeinsamen Fernsehen trifft, ein "Killerkommando" nutzt das, um sich für Dinge zu rächen, die in der dreißigjährigen Besatzungszeit  geschehen sind. Ziemlich blutig und brutal, stellt Hinzmann fest, aber Nesi schildert die traumatischen Erfahrungen, die mit der  Kolonialgeschichte, mit Indonesien und mit der sich fortsetzenden Gewalt verbunden sind, "eindrucksvoll". Bisweilen erinnert das Buch den Kritiker auch an einen Schelmenroman, etwa wenn sich ein angehender Priester dem Zölibat verweigert und ein Polizist "der Besitzer des größten Penis von Oetimu" ist - gut, dass Nesis Roman es auch nach Deutschland geschafft hat, schließt er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.01.2025

Rezensentin Judith von Sternburg hat ihre helle Freude an Felix K. Nesis Buch, das während des WM-Finales 1998 einsetzt. Geschaut wird es, erfahren wir, auf der Insel Timor. Zwei Fans, die, ob des Spielverlaufs enttäuscht, früh nach Hause fahren, werden auf dem Weg von bewaffneten Typen erwartet, die auf Rache aus sind. Von hier aus entfaltet sich die von Gewalt geprägte Handlung in Rückblenden, so Sternburg. Es geht um die Kolonialgeschichte Indonesiens, beispielswiese die brutalen Massaker der indonesischen Armee gegen osttimorische Unabhängigkeitsbewegungen und verbleibende portugiesische Familien, aber auch Gewalt in Beziehungen spielt eine große Rolle. Dieses vielseitige Buch beschränkt sich jedoch nicht auf düstere, teilweise gar höhnische Tonarten, sondern hält stets auch Optionen wie Liebe oder auch Komik parat, versichert die Kritikerin. Außerdem schreibt Nesi gleichzeitig entspannt mäandernd und effektbewusst, meint Sternburg, die außerdem Sabine Müllers Übersetzung lobt - unter anderem dafür, dass sie für alle, die sich mit der indonesischen Geschichte nicht zu gut auskennen, schwierige Anspielungen zwar im Glossar aufschlüsselt, nicht jedoch im Text selbst ausbuchstabiert. Insgesamt ein veritables Stück Weltliteratur, so das Fazit.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 29.10.2024

Lest dieses Buch, empfiehlt Rezensentin Katharina Döbler uns, und beginnt mit dem Nachwort. Denn man sollte, findet sie, schon ein klein wenig Bescheid wissen über die indonesische Geschichte, wenn man sich der von Felix K.Nesi verfassten Geschichte zuwendet, die in einem kleinen Ort auf Osttimor spielt. Die Rahmenhandlung entfaltet sich während des Endspiels um die Fußball-WM 1998, fasst Döbler zusammen, erzählt werden im Folgenden die Vorgeschichten einiger der Figuren, die vor dem Fernseher beisammen sitzen: ein Sergeant ist darunter und auch ein Freischärler, teilweise bewegen wir uns in das Portugal der 1970er. Viel los ist in diesem Buch, es ist lustig, brutal und voller explizitem Sex, Döbler vergleicht es einerseits mit indonesischer Malerei, in der Vergangenheit und Gegenwart, sowie Geister- und Realwelt ineinanderfließen, und andererseits mit den Epen García Márquez' und Faulkners. Ein Buch, das für den deutschen Markt eine Lücke in der Weltliteratur schließt, so der Tenor der begeisterten Besprechung.

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