Aus dem Spanischen von Willi Zurbruggen. In Lissabon, einer der schönsten Städte der Welt, kreuzen sich zwei Lebenswege: James Earl Ray, der als Attentäter von Martin Luther King Schlagzeilen machte, ist auf der Flucht vor der Polizei. Und der passionierte Spaziergänger Antonio Muñoz Molina, der dreißig Jahre später dort an einem seiner wichtigsten Romane arbeitet, auf der Suche nach sich selbst und seinem Schreiben. Die Stadt am Atlantik wird zum Umschlagplatz von Leben, Geschichte und Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2019
Rezensent Wolfgang Schneider folgt fasziniert und irritiert zugleich diesem Roman von Antonio Munoz Molina, der die Lebensgeschichte des Martin-Luther-King-Attentäter James Earl Ray erzählt. Schneider erlebt, wie jener, nachdem er aufgrund diverser Raubüberfälle zu zwanzig Jahren Haft verurteilt wurde, floh und fortan die Identitäten und Aufenthaltsorte wechselte, außerdem Tanzstunden nahm und sich einer Schönheits-OP unterzog. Die Attraktion, die diese "schimärische Existenz" auf den Schriftsteller Molina ausübt, spürt der Kritiker, wenn der Autor seinen Helden geradezu "kollegial" behandelt. Dass Molina zudem in einem autobiografischen Handlungsstrang motivische Querverweise herstellt, findet der Rezensent ebenfalls klug. Neben den großartigen Beschreibungen Lissabons, bewundert Schneider darüber hinaus Molinas "jazz"-artiges "Parlando". Über ein paar "verplapperte" Passagen schaut der Rezensent gern hinweg, vor allem wenn auf den letzten fünfzig Seiten endlich Martin Luther King in Erscheinung tritt, dann zeigt der Roman seine ganze Meisterschaft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.03.2019
Frauke Meyer-Gosau schätzt an Antonio Muñoz Molinas Roman vor allem die Passagen, die sich mit James Earl Ray befassen, dem Mörder von Martin Luther King, seiner Lebensgeschichte bis hin zum Attentat und der folgenden Flucht über Lissabon bis nach England, auch wenn ihr vor lauter Figuren, Orten und Bildern der Kopf schwirrt. Die autobiografischen Textteile, in denen der Erzähler, das literarische Alter Ego des Autors, über seine Laufbahn und seine Recherchen zum Fall Ray nachsinnt, findet die Rezensentin dagegen vergleichsweise entbehrlich. Sie empfiehlt die Seiten 330 bis 410 einfach zu überspringen.
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