Lieber vom Leben gezeichnet als von Sitte gemalt? Willi Sitte - Künstler, überzeugter Kommunist, Funktionär, Machtmensch. Er gilt als einer der einflussreichsten und umstrittensten Maler der DDR. Aron Boks ist sein Urgroßneffe und hat sich bisher kaum für seinen berühmten Verwandten interessiert. Bis bei einem Familientreffen plötzlich ein Gemälde auftaucht: Die Heilige Familie. Aron beginnt, Fragen zu stellen: Wer war Willi Sitte wirklich, was trieb ihn an? Das Gemälde wird zum Ausgangspunkt seiner biografischen Recherche, die ihn mit Geschehnissen während und nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders mit den Jahren vor und nach der "Wende" konfrontiert. Irgendwann wird ihm klar, dass die Beschäftigung mit seiner Familie und der DDR auch zu einer Beschäftigung mit sich selbst wird. Aron sammelt, fragt nach und fügt Ereignisse zusammen, die Willi Sitte auf seinem Lebensweg prägten. Zu den Zeitzeugen, mit denen er spricht, gehören neben Ingrid Sitte auch Wolf Biermann, Gerhard Wolf und Volker Braun. Für Aron, der die DDR selbst nicht mehr erlebt hat, zeigt sich der Maler Willi Sitte als Mensch in all seiner Zerrissenheit. Zwischen Ideologie und Idealismus, Ruhm, Macht, Kunst und Anerkennung. Eine Suche, die uns zu den wichtigsten Fragen der jüngsten Vergangenheit Deutschlands führt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2023
"Ein großer Künstler, aber ein kleiner Mensch", so beschrieb Wolf Biermann den Künstler Willi Sitte, von dessen Leben, der Kunst und der DDR Rezensent Michael Hametner bei Aron Boks lesen kann. Der Autor, zugleich Urgroßneffe des Porträtierten, zeigt diese Spannung, diese Ambivalenzen auch in seinem Buch, das zwischen Erzählung und Sachbuch changiert, freut sich Hametner. Ihm gefällt, wie behutsam und doch genau Boks als Nachgeborener den Vermächtnissen eines untergegangenen Staates und eines tief mit ihm verwobenen Künstlers umgeht, der viele Debatten und Spannungen auszuhalten hatte. Ein besonderes, lesenswertes Buch, weil es Vereinnahmungen widersteht, resümiert der Kritiker.
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