August Modersohn

In einem neuen Land

Eine deutsche Reportage
Cover: In einem neuen Land
Propyläen Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783549110140
Gebunden, 240 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

35 Jahre nach der Wiedervereinigung reist August Modersohn quer durch Deutschland: von Duisburg bis Görlitz, von Rügen bis Freiburg. Er begegnet glücklichen Menschen, deren Zuhause für die Braunkohle weggebaggert wurde, und trifft Leute, die sich wie Cowboys anziehen, aber nichts mit den USA anfangen können. Was hat sich getan seit 1990, als Deutschland im Zentrum eines globalen Epochenbruchs stand? Und was bedeutet das für die Gegenwart, in der sich wieder vieles verschiebt?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.02.2026

Das Buch des Journalisten August Modersohn macht Rezensent Cord Aschenbrenner unter anderem bewusst, dass sich mit der AfD vieles im Land ändert. Modersohn befragt Politiker oder auch Normalos aus der Lausitz, weitet den Blick laut Aschenbrenner aber auch auf die jeweilige Region und ihre Besonderheiten. Für Aschenbrenner ist dieser nahe Blick erkenntnisfördernd, etwa wenn Modersohn in Pforzheim der hohen AfD-Akzeptanz nachspürt. Die Frage, wie die Deutschen "drauf" sind, beantwortet der Autor für Aschenbrenner mit einiger gewissen Lässigkeit, aber deskriptiv genau. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.10.2025

Ein bisschen zu einfach macht es sich August Modersohn in diesem Buch, findet Rezensentin Sophia Coper. Der Zeit-Journalist hat die Republik besucht und mit verschiedenen Menschen über Probleme der Gegenwart gesprochen, wobei es, fasst Coper zusammen, oft auf die eine oder andere Art um den Aufstieg der AfD geht. Modersohns Buch wählt teils originelle Ansätze, wenn der Autor etwa über die NS-Zeit nicht in einer KZ-Gedenkstätte, sondern einem ehemaligen NS-Seebad nachforscht, ist aber insgesamt ziemlich gleichförmig und zu journalismusnah aufgebaut, moniert die Rezensentin - stets wird am Kapitelanfang eine Frage gestellt, um deren Beantwortung es anschließend geht. Das größte Problem ist für Coper jedoch, dass Modersohn die Digitalisierung fast komplett außer Acht lässt. Die rein analogen Erklärungen, auf die der Autor in seinen Gesprächen zumeist stößt, greifen daher schlichtweg zu kurz, kritisiert sie. Insgesamt beschreibt Coper das Buch als eine wenig erhellende Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 25.09.2025

Sehr wohl fühlt sich Rezensent Franz Paul Helms in diesem obendrein klugen Buch. Geschrieben hat es August Modersohn, der im Leipziger Büro der Zeit arbeitet und sich für gewöhnlich mit ostdeutschen Politikfragen beschäftigt - hier allerdings, beschreibt Helms, ist er in ganz Deutschland unterwegs und besucht Orte sowie Menschen, die ungewohnte Perspektiven auf Streitfragen der Gegenwart eröffnen. Helms zählt einige Stationen dieser Reise vor: eine AfD-Hochburg in Westdeutschland, ein Cowboydorf in Bayern, ein früheres NS-Feriendorf auf Rügen. Auch prominente Intellektuelle kommen bei Modersohn zu Wort, erläutert Helms, dem allerdings besonders gut jene Passagen gefallen, in denen sich Modersohn in oft lässiger, charmanter Manier, Alltagsbegegnungen in Kneipen oder auf der Straße widmet. Ebenfalls ist der Rezensent sehr davon angetan, wie eingespielte Perspektiven in Frage gestellt werden in diesem Buch und zum Beispiel überlegt wird, warum der Osten nicht links wählt. Ein grundsympathisches Buch ist das, so der Tenor der Besprechung.

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