Die Autorin definiert Lessings Begriff der Toleranz im Kontext der allgemeinen Toleranzdebatte des 18. Jahrhunderts und wertet die deutsch-jüdischen Reaktionen auf Lessings Humanitätsplädoyer aus. Sie weist nach, dass Fürsprecher und Gegner der jüdischen Assimilation gleichermaßen Lessings dramatisches Gedicht für ihre jeweiligen Absichten instrumentalisierten. Fischer beschließt ihre Untersuchung mit einer ausführlichen Analyse von George Taboris Drama "Nathans Tod" (1991), das er - im Wissen um Holocaust, Hiroshima und Hoyerswerda - nicht mit der glücklichen Vereinigung der Familie, sondern tragisch mit Nathans Tod enden lässt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2002
Vor allem auf das letzte Kapitel des Buches bezieht sich der Rezensent (Kürzel rh.) in seiner kurzen Notiz: Fischer spannt darin den Bogen von der ersten - in der Formulierung des Rezensenten - "Nachholocaust-Aufführung" des Stücks am 7. September 1945 in Berlin (die das Drama als "mildes Märchenspiel" inszeniert) bis zu George Taboris "grimmig-zornigem 'szenischen Pamphlet'" von 1991. Das Unternehmen des Buches zielt, so Fischer, auf ein "werkhistorische Zeitschneise" durch die Geschichte des Stücks und der in ihm vertretenen Ideen der Toleranz. Es erweist sich, resümiert der Rezensent, dass "Nathans Ende" nicht abzusehen ist: "Nathan muss sein Morgenmärchen immer wieder erzählen."
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