Zur Ausstellung im ZKM, Karlsruhe, 2010. Mit 180 Fotos. Mit Texten von Barbara Catoir und Hans Magnus Enzensberger. Vier Jahrzehnte war Barbara Klemm als Fotografin für die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" unterwegs, deren samstägliche Tiefdruckbeilage sie mit ihren Bildern prägte. Ihr besonderes Interesse gilt seit langem dem Ort der größten Alltäglichkeit — und der unerwartetsten Geschehnisse: der Straße. Straße bedeutet hier nicht Verkehrsweg für Autos, sondern öffentlicher Raum in allen erdenklichen Facetten. Ob zwischen den Hochhäusern von New York oder auf einer Piste der inneren Mongolei, ob an einer Busstation in Johannesburg oder zwischen Hütten in den Anden — überall spürt Barbara Klemm der "condition humaine" nach. Hier ist die Straße der Ort, wo gearbeitet, gegessen und gefeiert wird, dann wieder erscheint sie als Bühne, auf der zufällige Figuren sich wie auf dem Theater kreuzen. Momente der Situationskomik stehen neben Bildern elementarer Not, von der sich der Blick sonst abwendet — in jedem Fall aber geht es um den Menschen und darum, wie er lebt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009
Für den Rezensenten Freddy Langer ist dieser Fotoband wie ein weltumspannender Roman. Obgleich Barbara Klemm ihre Bilder 35 Jahre lang im Auftrag der FAZ gemacht hat und jedes Bild als Auftragsarbeit also für sich steht, erkennt Langer Kontinuitäten: Klemms Ironie dem Schönen gegenüber, ihre Sympathie für die kleinen Leute und ihre Lebenswelt als Motive von allgemeiner Gültigkeit, ihr unabhängiger, impressionistischer Blick. Nicht auf das große Welttheater, sondern auf das "Geschehen am Rande" als Ausdruck der "condition humaine".
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