Ein Roman, der alles, was wir über autobiografisches Schreiben zu wissen glauben, über den Haufen wirft. Die unglaubliche und mitreißend erzählte Geschichte von zwei Fluchten in beide Teile Deutschlands.1953 flüchtet eine junge Familie aus der DDR in den Westen. Die Gründe für die Flucht kann das Kind nur erahnen, aber schon bald ist die frühe Erinnerung an das östliche Deutschland verblasst: Das sogenannte Wirtschaftswunder verschafft den Eltern einen kleinen Wohlstand, als sie in einer rheinischen Kleinstadt ein Einzelhandelsgeschäft gründen. Zunächst geht es gut, doch dann werden die einstigen Gewinner des Aufschwungs zu Verlierern der Marktwirtschaft. Immer deutlicher wird auch die soziale Ausgrenzung des unverheirateten Paares in der katholischen Provinz. Und so entschließen sie sich zu einer erneuten Flucht: Diesmal zurück nach Ostdeutschland. Lange nach der Wende fährt das Kind zurück in die alte westdeutsche Heimat. Aber der Versuch, die eigene Kindheit jenseits des Eisernen Vorhangs wiederzufinden, endet am Rand eines großen Lochs, dem Braunkohletagebau Hambach, der viele uralte Dörfer und einen ganzen Wald geschluckt hat und schon bis an die Stadt ihrer Kindheit heranreicht...
"Überaus komplex" angelegt ist Beatrix Langners halb-autobiografischer Roman, meint Rezensent Thomas Schaefer - zu komplex am Ende: In der Geschichte, in der die Erzählerin beziehungsweise Autorin ihrer alten Mutter aus der Kindheit und von ihrem Fremdheitsgefühl nach einem Umzug von der DDR in den Westen erzählt und sich dabei auf zwei verschiedene spätere Reisen dorthin bezieht, kann sich Schaefer chronologisch nur schwer zurechtfinden. Zur Familien- und teilweise "boulevardesk" geratenden deutschen Zeitgeschichte hinzu kämen "pathetische" metaphorische Bezüge zum brutalen Braunkohletagebau in der Nordeifel (es geht dann um Erdgeschichte und die "Zeit schlechthin", resümiert Schaefer skeptisch), und schließlich würde auch noch ein Bogen zu den Auseinandersetzungen im Hambacher Forst gespannt, seufzt der Rezensent. Zu viele Fässer werden ihm hier aufgemacht, und zwar auf Kosten der Figur der Erzählerin, die leider "konturlos" bleibe, schließt er.
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