Es wird Zeit, sich im Kampf gegen Rechtsextremismus den Geschichten der Zeitzeug*innen neu zu widmen. Die Zeitzeugin, Musikerin und Antifaschistin Esther Bejarano (1924-2021) wurde mit 18 Jahren nach Auschwitz deportiert. Sie musste Akkordeon im berüchtigten "Auschwitzer Mädchenorchester" spielen, kam später in das KZ Ravensbrück und floh bei Kriegsende während eines Todesmarschs. Bis zu ihrem Lebensende kämpfte sie gegen die deutsche Geschichtsvergessenheit an. Benet Lehmann hat viele Gespräche mit ihr geführt. Als Mitglied der letzten Generation, die noch unmittelbar mit Zeitzeug*innen sprechen kann, begibt sich Benet Lehmann auf die Spuren ihres Lebens mithilfe aktueller Forschung und im Licht gesellschaftlicher Entwicklungen. Welche Rolle spielt das Erbe der Zeitzeugenschaft heute noch? Was heißt es, Erinnerungskulturen in einer postmigrantischen Gesellschaft miteinander in Beziehung zu setzen? Wer erinnert an wen und warum? Und vor allem: Hilft Erinnerungskultur gegen Antisemitismus und Rassismus?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.10.2024
Ein wenig Hoffnung für die zukünftige Auseiandersetzung mit dem Holocaust schöpft Rezensentin Barbara Distel, ehemals Leiterin der KZ-Gedenkstaätte Dachau, aus diesem Buch. Denn wo die Zeitzeugen inzwischen größtenteils verstorben sind und die Generation der Aufarbeiter der Achtziger bis Nullerjahre sich aufs Altenteil zurückzieht, schreibt hier, erläutert Distel, mit Benet Lehmann ein Angehöriger der vierten Generation post Schoah ein Buch zum Thema - nämlich eine Biografie der Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano. Entlang der Lektüre rekonstruiert Distel Bejaranos Lebenslauf, geboren ist sie 1924, Auschwitz überlebt sie unter anderem aufgrund ihrer Mitwirkung in einem Lagerorchester. Später lebt sie zunächst in Israel, 1960 zieht sie nach Hamburg und wird in der antifaschistischen Bewegung aktiv, erfahren wir, unter anderem engagiert sie sich in der deutschen Sektion des Auschwitz-Komitees und arbeitet in Schulen mit Menschen mit diversen Diskriminierungserfahrungen zusammen. Neues lernt Distel aus diesem Buch, das die Lebensgeschichte Bejaranos mit allgemeineren Gedanken und Kontextuellem verbindet, nicht, aber dennoch gelingt Lehmann, freut sie sich, eine dichte Darstellung der deutschen Erinnerungskultur mitsamt all ihren Gefährdungen.
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