Spätestens seit der aufklärerischen Libertinage gilt die "freie Liebe"
als Ausdruck einer progressiven Lebenseinstellung. In der Romantik
wurde sie ebenso gefeiert wie in Jugend- und Studentenbewegungen.
Heute erfreut sie sich als "Polyamorie" besonders unter Kosmopoliten
großer Beliebtheit. Wer sich eifersüchtig zeigt, gar auf emotionale
Exklusivität besteht, wird bestenfalls als hoffnungsloser Schwärmer,
meist aber als besitzergreifender Despot betrachtet. Eifersucht ist
eine der letzten verbliebenen Todsünden der Moderne.
Das Konzept "offene Beziehung" erscheint auf den ersten Blick ungeheuer
liberal und großzügig. Nein, besitzen oder gar brauchen sollte man
niemanden … Aber spiegelt sich darin nicht einfach die Furcht davor, Farbe
zu bekennen, sich verletzlich zu zeigen? Ist die Ehe das Ende der Leidenschaft,
Monogamie gleichbedeutend mit Langeweile? Dürfen Treue und
Ausschließlichkeit in einer Ehe eingefordert werden?
Birgit Schmid hält ein
Plädoyer für die große und einmalige Liebe als Gegenentwurf zur emotionalen
Beliebigkeit. Und zu einer solchen Liebe, davon ist sie überzeugt,
gehört eben auch die vielgeschmähte Eifersucht, die hier eine Rehabilitierung
erfährt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2018
Regula Stämpfli ist verärgert. Birgit Schmids Buch findet sie weinerlich, in seinen Erkundungen der Eifersucht falsch und banal und ohne politischen Drive. Dass Eifersucht und Neid an der Schnittstelle von privat und politisch liegen, ahnt die Autorin nicht mal, meint Stämpfli wutschnaubend. Lieber als das zwischen Psycho-Ratgeber und romanischer Tragikomödie schwankende Buch soll der Leser Goethe oder gar Rilke lesen, um sich über die Eifersucht aufzuklären, meint die Rezensentin.
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