Patricia Hempel

Verlassene Nester

Roman
Cover: Verlassene Nester
Tropen Verlag, Stuttgart 2024
ISBN 9783608502237
Gebunden, 304 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Sommer 1992 im ehemaligen Elbe-Grenzgebiet. Pilly ist dreizehn und sehnt sich nach Zugehörigkeit. Aber auch zwei Jahre nach der Wiedervereinigung hängt ihre Familie noch immer an den Idealen von Gestern. Der Vater flüchtet in die Gaststätte, die Tanten träumen vom Goldenen Westen und von Pillys Mutter fehlt nach wie vor jede Spur. Halt findet Pilly nur in der älteren Mitschülerin Katja. Ein Trugschluss. Sie ahnt nicht, dass am Ende dieses Sommers ihre Welt abermals eine andere sein wird. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.03.2025

Anfang der 90er Jahre ist Patricia Hempels Protagonistin Pilly dreizehn Jahre alt und lebt in der ehemaligen DDR "am Rande der Verwahrlosung" mit ihrem alkoholkranken Vater, beschreibt Rezensentin Renate Kraft die Prämisse des Romans in ihrer knappen Besprechung. In einer "psychologisch genauen und stellenweise poetischen Sprache" erzähle Hempel von den Folgen des Zusammenbruchs der DDR, vom Erwachsenwerden, von Macht und Mütterlichkeit, aber auch davon, wie Pilly schwanger sitzen gelassen wird. Angereichert wird das laut Kraft durch die Perspektiven der Lehrerin Klinge und der Tante Fuchs. Insgesamt ein "psychologisch genauer" Roman", so die Kritikerin, der das Leben in der DDR in seinen verschiedenen Facetten gut darstellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.10.2024

Patricia Hempel erzählt in ihrem zweiten Roman von drei Mädchen in einem trostlosen, fiktiven ostdeutschen Ort im Sommer 1992, erfahren wir von Rezensent Stefan Michalzik. Drei Jahre nach der Wende bleibt hier von Aufbruch keine Spur: das Dorf verfällt, von den stolzen DDR-Betrieben ist nichts mehr übrig. Eine Gartenkolonie brennt ab - ein Anschlag gegen die vietnamesischen Gastarbeiter, die sich dort aufhalten? Der Kritiker lobt Hempels 'lakonischen Erzählton' und ihre Distanz zur Ostalgie, sieht jedoch Schwächen im Detailreichtum, der mitunter Ungeduld beim Leser weckt. Gelungen sei das Motiv um die unerfüllte Liebe Pillys, eine der Hauptfiguren, zur Freundin Katja, die 'zwischen Hoffen und Sehnen' schwankt. Auch die DDR-Modellbahn des Einzelgängers Martin, ein Sinnbild der Vergangenheit, überzeugt, doch Michalzik wird das Gefühl nicht los, vieles schon mal irgendwo gelesen zu haben. Ein großer Roman ist dies letztlich nicht, schließt der Kritiker.  

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 31.08.2024

So richtig weiß Rezensentin Julia Schröder nun auch nicht, was sie von Patricia Hempels Roman halten soll, ihr ist weder klar, ob die Handlung ernst oder als Persiflage gemeint ist, noch, wohin sie führen soll. Der Roman spielt 1992 in der Umgebung von Magdeburg, Protagonistin Pilly macht erste lesbische Erfahrungen, gleichzeitig bricht die Nachwenderealität etwa mit den Pogromen in Hoyerswerda ein, so Schröder, die die verschiedenen Perspektiven und Handlungsstränge eher verwirrend findet. Ihr kommt es so vor, als würde die Autorin hier eine pubertäre "Haltungsverweigerung" an den Tag legen, die ihrem Roman nicht gerade gut tut. Die DDR und ihre Folgen scheinen hier weder realistisch noch greifbar, selbst Unterschiede zwischen Stasi und Nazi sind bei den Figuren leider irgendwie egal, seufzt Schröder.

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