Spätestens seit Nietzsche gehört "Macht" zu den umstrittensten, aber auch faszinierendsten Begriffen der Geistesgeschichte. Byung-Chul Han untersucht das vielschichtige Phänomen unter verschiedenen Fragestellungen, u.a.: Was bedeutet Macht? Welche metaphysischen Vorstellungen stehen hinter ihr? Wie funktioniert die Logik der Macht? Gibt es eine eigene Ethik der Macht?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.04.2006
Zurückhaltend äußert sich Rezensent Detlef Horster über Byung-Chul Hans Versuch, den Begriff der Macht zu klären. Dem Anspruch, die Grundform der Macht und ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen zu entwickeln, wird der Autor seines Erachtens nicht wirklich gerecht. Horster hält ihm vor, sich zu stark an der Linie Hegel, Nietzsche, Heidegger, Foucault zu orientieren und dementsprechend andere Theorien der Macht nicht angemessen zu interpretieren. Mit Hans Interpretation von Luhmanns Machttheorie etwa ist Horster ganz und gar nicht einverstanden. Potenziell allerdings scheint ihm das Buch durchaus aufschlussreich. So räumt er, wenn auch im Konjunktiv ein: "Wenn Han seinen Anspruch ermäßigte und sagen würde, dass er verschiedene Machtinterpretationen vorstellt und diskutiert, dann würde man hier finden, was man sucht."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2005
Skeptisch betrachtet Gustav Falke diese Arbeit von Byung-Chul Han über die Frage nach der Macht. Zwar stimmt er ihm in einzelnen Fragen durchaus zu. Insgesamt aber findet er das Buch nicht so wirklich überzeugend. Offenbar genervt hat ihn, dass sich Han einerseits durch die Theoretiker der Macht zitiert, aber weder Luhmann, Foucault, Bourdieu, Bataille, Schmitt, Heidegger, Arendt, Habermas noch Max Weber recht geben mag. Insbesondere Hans Kritik an Weber, der wie alle angeblich den Fehler mache, die Macht von der Gewalt her zu denken, weist Falke als "ungerecht" zurück. "Nicht gerade neu" erscheint ihm Kritik des Autors an Konsens und herrschaftsfreiem Diskurs. Auch missbilligt er, dass Han das Raumschaffende der Macht von Hannah Arendt nimmt, diese zugleich aber als unscharfe Denkerin beschimpft. Hans eigenen Beitrag sieht er in einer Ausformulierung von Foucaults allumfassenden Machtbegriff mit den Mittel der Hegelschen Reflexionslogik. Macht gelte Han als Vermögen, im Anderen bei sich selbst zu sein. Als seine Lieblingsbegriffe nennt Han, dass die Macht sich im Anderen "kontinuiere" und dass die auf Gewalt fußende Macht "vermittlungsarm" sei. Schließlich äußert Falke seinen Unmut über Arbeiten der dekonstruktivistischen Tradition, der er auch Han zuordnet. Ärgerlich dabei findet er, dass diese viel immanente Textkritik und einige Argumente brächten, "aber nie eine klare Behauptung".
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