Carl Dallago

Im Anfang war die Vollendung

Ausgewählte Schriften
Cover: Im Anfang war die Vollendung
Haymon Verlag, Innsbruck 2000
ISBN 9783852183251
Gebunden, 252 Seiten, 29,65 EUR

Klappentext

Herausgegeben von einer Studiengruppe unter Leitung von Walter Methlagl und Judith Nesensohn. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Carl Dallago weit über seine Heimat Tirol hinaus als Rufer und Mahner gegen die Auswüchse der modernen Zivilisation bekannt, und seine Übertragung des "Tao-te-king" des Laotse fand weite Verbreitung. Dann wurde er praktisch vergessen. Am Innsbrucker Forschungsinstitut Brenner-Archiv wurde nun eine Auswahl seiner Schriften erstellt und kommentiert. Denn Carl Dallago und seine philosophischen Thesen gewinnen - wie die seines großen Vorbilds Friedrich Nietzsche - zunehmend Aktualität. Neben der altchinesischen Weisheitslehre war die Auseinandersetzung mit dem Christentum und die Kritik an der katholischen Kirche sein Hauptthema.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2000

Helmuth Kiesel weist darauf hin, dass Dallagos Schriften im Buchhandel schon lange Zeit nicht mehr erhältlich sind, und schon deshalb scheint er den "schön aufgemachten" Band zu begrüßen. Zwar ist er nicht ganz der gleichen Meinung wie der Verlag, der die Aktualität der Texte anpreist, denn nach Kiesels Ansicht sind Dallagos Warnungen etwa vor "Naturausbeutung, Urbanisierung, Vermassung" längst von der Realität eingeholt. Dennoch findet der Rezensent die Texte durchaus lesenswert, zumal er Dallago als "Repräsentant einer Epoche" betrachtet. Beeinflusst von Nietzsche, Karls Kraus bis hin zu Laotse sei Dallago nicht untypisch für "eine Zeit, die das Heil im Extremen und Exzentrischen" suchte. Besonders beeindruckt zeigt sich Kiesel von Dallagos frühzeitigen Warnungen vor dem Faschismus und seiner Mussolini-Kritik, die er bereits von 1926 an vehement äußerte und die ihn in mancherlei Hinsicht in Bedrängnis brachte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.09.2000

Das "bestgehütetste Geheimnis der österreichischen Literatur" entdeckt uns Karl-Markus Gauss: Carl Dallago, aus Tirol stammender Schriftsteller und Publizist, der seine italienische Heimat wegen einer weisen Schmähschrift gegen Mussolini 1926 bereits gen Österreich verlassen musste. Im Nationalsozialismus publizierte der Einzelkämpfer - so Gauss - kein Wort, danach geriet er in Vergessenheit. Nun hat ihn eine Innsbrucker Studiengruppe ins literarische Leben zurückgeholt und und den Band mit einem den Rezensenten sehr ansprechenden Nachwort mitsamt Anmerkungsapparat, Zeittafel und Bibliographie versehen. Dallago schrieb Essays ebenso wie Aphorismen und Gedichte, der atypische Tiroler Regionalist wurde gar mit Walt Whitman vergleichen, berichtet Gauss. Ihm imponiert die unorthodoxe Zivilisationskritik Dallagos, bei dem manches nach Nietzsche und Kraus klinge - etwa seine Kritik an Kirche und staatlichen Institutionen - und doch ganz andere gedanklichen Wendungen nehme. Keine Höhenflüge, keine Überzeichnungen zeichneten Dallago aus, sondern Bescheidenheit - nicht des Geistes, sondern der Person, wie Gauss glaubhaft versichert.

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