Carl Schmitt gehört zu den bedeutendsten und international am meisten diskutierten politischen Denkern des 20. Jahrhunderts. Über Jahrzehnte seines langen Lebens führte er Tagebücher, von denen bisher drei Bände erschienen sind. Der jetzt vorliegende neue Band beleuchtet Schmitt an einer entscheidenden Nahtstelle, am Beginn der 1920er Jahre in Bonn, die für das Entstehen seines Werkes als besonders fruchtbar gelten. Die Aufzeichnungen aus dieser von militärischer Besatzung, Wirtschaftskrise und Währungszusammenbruch gekennzeichneten Zeit erschließen die schwierigen Begleitumstände seines akademischen Wirkens. Sie zeigen den jungen Staatsrechtslehrer als von Unrast getriebenen, aber produktiven "Künstlertypus". Schmitts Freundes- und Kollegenbeziehungen, seine Alltagserfahrungen, seine Lektüre- und Gedankenwelten, auch seine seelischen und erotischen Obsessionen treten hervor.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.11.2014
Von wegen Souveränität! In diesen Aufzeichnungen erlebt Rezensent Stefan Breuer Carl Schmitt nicht als einen, der über Ausnahmezustände gebietet, sondern als jemanden, der von extremsten Affekten hin und her gerissen wird - von der "fruchtbaren Gier nach einer Frau" oder von der Wut auf das enge Elternhaus, die kläglichen Finanzen und die "ekelhaften Preußen". Aufschlussreich findet Breuer das in gewisser Weise schon, aber auch sehr quälend. Denn in den Tagebüchern und Briefen von 1921 bis 1924 beschäftigt sich Schmitt weder ernsthaft mit dem Geschehen seiner Zeit noch mit anderen Menschen. Er bleibt ganz in seinem seelischen Souterrain. Zum Putsch von Hitler und Ludendorff liest Breuer etwa nur: "Schrecklich, aber ich dachte nur an Duschka, die ich nachher sehe." Für den Rezensenten wird erkennbar, wie viel Schmitt an sich selbst bekämpft hat, was er in seiner Kritik an der politischen Romantik attackieren wird.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…