Aus dem Italienischen von Victoria Lorini. Endet die historische Wahrheit, wo die Erfindung beginnt? Der Spurensicherer Carlo Ginzburg präsentiert die Bilanz seines Historikerlebens und gewährt neue Einblicke in die schier unendliche Fülle seiner Themen und Gedanken.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.06.2013
Carlo Ginzburg schlägt in seinen Abhandlungen über das Verhältnis von Literatur und Geschichte die Postmoderne mit ihren eigenen Waffen, freut sich Gustav Seibt. In "Faden und Fährten" wird eine Debatte nachgezeichnet, die nur in ihren Ausläufern bis nach Deutschland vorgedrungen war, weiß der Rezensent, der es umso wichtiger findet, dass Ginzburgs Beiträge nun auf Deutsch vorliegen. Gegenüber der schon damals modischen "Tendenz zur Literarisierung" historischer Fakten positioniert sich der italienische Theoretiker als "Verteidiger des Realitätsprinzips", berichtet Seibt. Ginzburg wendet sich also gegen die absolute Skepsis gegenüber geschichtlichen Wahrheitsansprüchen, erklärt der Rezensent, auch weil die Folgen ihres Verlustes nicht wünschenswert sein können. Wer Wahrheit verwirft, wie sie etwa in der juristischen Tradition durch unabhängige Zeugen begründet wird, redet dem Recht des Stärkeren das Wort. Die Grundlage von Wahrheitsansprüchen mag kontingent sein, die Entscheidung für sie ist deswegen noch lange nicht beliebig, lernt Seibt vom Autor.
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