Warum der Westen im Osten bis heute als dominant und übergriffig empfunden wird Als die DDR unterging, kam es fast über Nacht zur Demontage der gesamten ostdeutschen Literatur. Millionen Bücher wurden vernichtet, Verlage und Betriebe für wenige D-Mark veräußert, Bibliotheken geschlossen. Die Bewertung des schriftstellerischen Schaffens und der literarischen Werke - wie auch jener der bildenden Kunst oder des Theaters - erfolgte nicht nach ästhetischen Maßstäben, sondern nach ideologischen. Autorinnen und Autoren wurden pauschal als "staatsnah" oder "-fern" eingeteilt und aus dem kollektiven Gedächtnis verbannt. Das hatte traumatische Folgen, nicht nur für die Diffamierten.Carsten Gansel zeigt in Ausradiert? exemplarisch, warum der Westen im Osten bis heute als dominant und übergriffig empfunden wird. Er wirbt in seinem Buch für einen anderen Blick auf die DDR-Literatur und die Ostdeutschen, inklusive einer Rehabilitierung.Von Christa und Gerhard Wolf bis Uwe Johnson, von Werner Bräunig bis Gerti Tetzner, von Brigitte Reimann bis Fritz Rudolf Fries, von Irmtraud Morgner bis Ulrich Plenzdorf, von Volker Braun bis Jenny Erpenbeck.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 07.03.2026
Laut Rezensent Erhard Schütz untersucht der Germanist Carsten Gansel in seinem Buch die Frage, ob die DDR-Literatur noch eine Rolle im öffentlichen Bewusstsein spielt. Gansels Fazit ist bitter und laut Schütz auch etwas zu empört. Es geht um "materielle Delegitimierung" durch die Treuhand und "Bücherentsorgung" im großen Stil. Erst nach der Empörung wird das Buch für den Rezensenten interessant. Da berichtet Gansel dann "lebendig" und "anschaulich" von der Rolle des Buches in der DDR als Gegengewicht zur Staatspropaganda, als Korrektiv und Anwalt des Individuums und bietet laut Schütz ein unverzichtbares Kompendium in Sachen DDR-Literatur.
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