Aus dem Französischen von Gaby Wurster. In einer losen Folge von Bildern, Szenen und Sequenzen legt die Autorin mit einer noch nie da gewesenen Offenheit die intimsten Details ihres sexuellen Lebens dar. Die verblüffende Radikalität besteht dabei jedoch weniger in dem Tabubruch als in der gelassenen Selbstverständlichkeit, der unaufgeregten Lakonie, mit der Millet ihre Erlebnisse schildert. Ob sie den eigenen Körper oder die ihrer Liebhaber beobachtet, über bevorzugte Praktiken reflektiert oder ihre sexuellen Phantasien bloßlegt, stets ist es, als richte sie den Blick von außen durch eine Kamera auf sich selbst...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.11.2001
Die einen sehen in Catherine Millets Werk "brillante Schonungslosigkeit", und die anderen finden es einfach banal, so der Rezensent Burkhard Müller. Letzteren schließt sich Müller an und argumentiert wie folgt: "Banal ist das Buch selbstverständlich in dem doppelten Sinn, dass es weder phänomenale Erkenntnisse bietet, noch als Motor unmittelbarer Erregung taugt". Dazu tauge nicht einmal die gefilmte Pornografie, die "sanft enttäuschende", meint Müller. Dem Buch gelinge es keinesfalls die "Philosophie des Boudoir" von Fanny Hill oder die Werke von Bataille und de Sade in den Schatten zu stellen. Und nicht einmal die Sprache gebe viel her, wofür die Beschreibung des "ärmlichen Interieurs einer Sexparty" stehe, die Millet als "kahle Wiege des Vögelns" beschreibe. Phantasielos, urteilt Müller. Das Einzige, das Burkhard dem Buch abgewinnen kann, ist ein "befreiendes Lachen", denn humorlos sei Millets Buch nicht.
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