Chihiro Hamano

Saint Zoo

Cover: Saint Zoo
Matthes und Seitz, Berlin 2022
ISBN 9783751803724
Gebunden, 220 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Daniel Yamada. Liebe, Erotik und Sex: Diese Begriffe sind der Anfang dreißigjährigen Chihiro Hamano unverständlich geworden. Nachdem sie über zehn Jahre körperliche und seelische Gewalt in der Beziehung mit ihrem Partner erleben musste, hat sie nur noch Verachtung dafür übrig. Um das Erlebte verarbeiten zu können, begibt sie sich auf eine Recherchereise zu den Themen, die von nun an ihr Leben bestimmen: Gewalt, Macht und Sexualität. Ihre Recherche führt sie bald zu einer verbreiteten, aber tabuisierten Spielart der Sexualität: Zoophilie. Die verblüffende Reise, auf die sie ihre Leserinnen und Leser in diesem mitreißend geschriebenen und von rückhaltloser Offenheit geprägten Buch mitnimmt, führt sie von Tokio nach Berlin. Sie lernt Zoophilie und Zoophile kennen und versucht neue Antworten auf Fragen nach dem Zusammenhang von Sexualität und freiem Willen, nach "Beziehungen auf Augenhöhe", nach Legalität und Pathologisierung, nach Begehren und Unterdrückung, nach Formen des Coming-out und der Toleranz zu finden. Im Zentrum steht die Frage nach dem Verzicht: Als "heilig" werden unter Zoophilen diejenigen bezeichnet, die besonders empathisch und gleichberechtigt mit Tieren umgehen und keine sexuelle Beziehung zu ihnen eingehen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.10.2022

Mit "großer essayistischer Literatur" ist bei dieser Studie zwar nicht zu rechnen, warnt Astrid Kaminski. Dankbar ist die Rezensentin aber doch für diesen kulturanthropologischen Einblick in die für die meisten fernliegende Welt der "Zoophilen", Menschen also, die sich sexuell zu Tieren hingezogen fühlen. Ohne Scheu hat sich die Autorin mit zahlreichen Betroffenen unterhalten - und dabei auch ihr ebenfalls nicht problemfreies Verhältnis zur eigenen Sexualität erkundet. Interessiert folgt die Rezensentin den eher locker, gelegentlich eine Spur zu floskelig verfassten Erkenntnissen und stößt dabei auf Menschen, die zuweilen einen sehr reflektierten Umgang mit ihrer Neigung pflegen: Die "Saint Zoos" aus dem Titel etwa sind solche Menschen, die abstinent leben, weil ihre Haustiere ihnen gerade keine entsprechenden Signale zur Paarung geben. Nicht zuletzt gelinge der Autorin mit ihrem Fokus auf Deutschland ein Sittenbild hiesiger Verhältnisse "zwischen FKK, Reichstierschutz, Knödelkulinarik und Widerstand gegen sexuelle Normativität".

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