Aus dem Französischen von Hainer Kober. Jonathan Littell erzählt in klassischer Manier die alte Geschichte vom Drama des Menschseins in einem labyrinthischen und abgründigen Text, der eine Reise von Traum zu Traum, von Alptraum zu Alptraum ist. Der unbestimmte Ich-Erzähler, lässt sich von seinen Fantasien und Lüsten treiben und zerstört seine Familie und sich selbst. Mal Mann, mal Frau, mal Täter, mal Opfer, ist er aber auch eine Personifizierung des menschlichen Unbewussten, das sich in unzähligen Spiegeln dieses kunstvollen Textes selbst erzählt. Durch Türen, Gänge und Hotelzimmer wandert der Ich-Erzähler und stößt immer wieder Türen in neue Abgründe seiner Fantasmen auf. In Gewalt, Sex und Macht bricht sich das Prinzip des Lebens Bahn bis es sich selbst zerstört; sexuelle Identitäten lösen sich hier auf wie der Erzähler selbst, der sich durch einen Sprung in klares kaltes Wasser vor sich selbst rettet, bevor er neue orgiastische Räume voll überhitzter Sexualität, Perversion und extremer Gewalt betritt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.07.2016
Bevor Rezensent Christopher Schmidt zum finalen Vernichtungsschlag ausholt, resümiert er kurz die Handlung dieser als Skandal konstruierten, kurzen Traumnovellen-Version. In immer krasseren Wendungen und Variationen lässt Jonathan Littell seinen ich-erzählenden, spießbürgerlichen Familienvater in schwer verdauliche, "exzessive" Gewaltfantasien abgleiten - als Mann, Frau, Täter, Opfer oder Voyeur erlebt dieser "brutale" Gangbangs in Schwulenclubs oder wird von einem Stricher zusammengeschlagen, informiert der Kritiker. Dass Littell all das schön säuberlich stilistisch ästhetisiert und "desinfiziert" und dabei immer weiter verkitscht, erlaubt dem Rezensenten nur ein Urteil: "Hardcore mit Häkeldeckchen".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2016
Rezensent Jan Wiele ist schwer enttäuscht von Jonathan Littells neuem Buch. Mehr als eine Fingerübung kann er darin beim besten Willen nicht erblicken. Eine nicht eben aufregende allerdings. Ein Houellebecq ohne dessen treffende zynische Analyse der Liebe und ohne dessen Witz, findet er. Übrig bleibt laut Wiele minutiös geschilderter derber Sex, der ohne die nötige Figurentiefe auf ihn leider wie schlechte Genreliteratur wirkt, öde und konventionell.
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