Aus dem Amerikanischen von Eugen Gomringer. Dieser poetologische Essay Ernest Fenollosas entstand um 1908, im Todesjahr des amerikanischen Kulturphilosophen und passionierten Orientalisten. Von Ezra Pound 1918 herausgegeben und mit einem Vorwort versehen, wurde er von Eugen Gomringer 1972 erstmals übersetzt und in der Reihe Kunst und Umwelt veröffentlicht. Ziel war die Erkundung von Sprache und Sprachgeist der viel zu wenig bekannten chinesischen Kultur, um deren Kenntnis es im Westen heute immer noch genauso schlecht bestellt ist wie damals. Fenollosa jedoch bietet keine sinologische Studie, die philologischen Ansprüchen gerecht werden könnte, sondern nichts weniger als eine höchst anregende Grundlegung jeder Ästhetik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.11.2019
Daniel Jurjew schätzt Ernest Fenollosas einst von Ezra Pound aus dem Nachlass des Gelehrten herausgegebenen Essay vor allem für seine allgemeinen Gedanken zu Sprache und Dichtung und für den Einfluss auf Pounds Poetik. Der Text selbst schein ihm recht chaotisch und mitunter missverständlich, und Fenellosas These, wonach die chinesische Schrift eine stärkere dynamische Bildlichkeit als die lateinische besitzt, hält er zwar für emphatisch, aber wenig stichhaltig und alles andere als stringent in der Argumentation. Darauf macht ihn auch das Nachwort von Monika Motsch aufmerksam. Interessanter erscheinen dem Rezensenten da schon Fenollosas Ausführungen zur Spracharbeit und zum Übersetzen.
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