Ein Mörder, der sich selbst tötet, hinterlässt in uns eine Leere. Er maßt sich nicht nur an, Richter und Henker derer zu sein, die er tötet, sondern er entzieht sich unserem Urteil, unserem Recht, unserem Wunsch, etwas von seiner Tat zu begreifen und uns mit ihm auseinanderzusetzen. Wie können wir ihn verstehen? Was ist wirklich neu am neuen Terrorismus, der uns spätestens seit dem 11. September 2001 in Atem hält? Geht es darum, eine besonders gewaltbereite Form von Religion zu identifizieren, eine neuartige, persönliche Pathologie, einen genetischen Defekt, eine Form von Gehirnwäsche, durch die junge Menschen zu Killermaschinen trainiert werden?
Eine "fragwürdige Psycho-Analyse des apokalyptischen Terrorismus" sieht Martin Altmeyer in Wolfgang Schmidbauers Buch über Selbstmordattentäter. Der Psychoanalytiker mache einen "explosiven Narzissmus" für Ereignisse wie den 11. September 2001 verantwortlich. Der Terrorist sei "das in die Welt entlassene, in ihr agierende Größenselbst", seine Tat könne man als Ausdruck einer "narzisstischen Explosion" verstehen, zitiert Altmeyer den Autor. Schmidbauer rekapituliere in mehreren Kapiteln sein Modell der narzisstischen Störung und stelle diverse Narzissmusvarianten vor, wobei es letztlich immer um dasselbe gehe: Selbstwert und Grandiosität, Macht und Ohnmacht, Kränkung und Rache, Verschmelzung und Vernichtung. Um seine Diagnose zu untermauern, führe der Autor etliche Beispiele von politischem Terrorismus und kollektiver Selbstmordbereitschaft aus Geschichte an. Bei seinen Analysen der Pathologie der westlichen Lebenswelt entwickle er teilweise "steile Thesen". Auch wenn Altmeyer manche von Schmidbauers Einzeleinsichten "durchaus erhellend" findet, kann er sich mit dessen Ansatz insgesamt nicht anfreunden. Als Hauptfehler des Buches empfindet er, dass Schmidbauer bei seiner Analyse des zeitgenössischen Terrorismus "alles mit allem" vermischt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.09.2003
Wolfgang Schmidbauer leuchtet in seinem Buch "Der Mensch als Bombe" die Tiefenstrukturen von Selbstmordattentätern aus, berichtet der mit "lx" zeichnende Rezensent. Der Psychologe deute Selbstmordattentäter als Menschen, die ihr eigenes Leben so gering achteten, dass sie es für einen vermeintlich "höheren Zweck" wegzuwerfen bereit seien. Dahinter sehe er einen "explosiven Narzissmus", der erst in unserer Gegenwart möglich geworden sei. Die Möglichkeiten der Technik erlaubten den Selbstmordattentätern durch relativ kleine Bewegungen größte Zerstörungen auszulösen, um so ihr narzisstisch gestörtes Selbstwertgefühl zu steigern. Auch wenn Schmidbauer Bisweilen Technologiekritik übt, im Mittelpunkt seiner "Psychologie des neuen Terrorismus" steht laut Rezensent die Analyse des Selbstmordattentats als neuer Form der narzisstischen Störung.
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