Er lebt unter uns und ist doch ganz anders - der Adel. Ob reich auf dem Schloss oder verarmt in der Mietwohnung, das Zugehörigkeitsgefühl zu dieser exklusiven Klasse ist bis heute ungebrochen. Mit allen Konsequenzen, egal ob Heirat, Verwandtschaft, Erziehung der Kinder oder Lebensstil. So wird der Heiratspartner für den Nachwuchs im Gotha ausgesucht, denn es gilt: Keiner heirate unter seinem Stand, und Liebe hat nichts mit der Ehe zu tun. Der Jagdschein ist auch heute noch wichtiger als der Führerschein, und Walzer lernt man nicht in der Tanzschule, sondern beim Sejour mit anderen jungen Adligen auf einem Schloss. Was romantisch klingt, entbehrt nicht gewissen Eigenheiten: Schlösser sind sommers wie winters kalt, die Toiletten befinden sich mitunter nachträglich eingebaut in Schränken auf einsamen Gängen. Die notorische Technikfeindschaft ist seit der Erfindung des Mobiltelefons allerdings passe: Wer auf einem Schloss lebt, ist froh, wenn er nicht mehrere Kilometer zurücklegen muss, um rechtzeitig ans Telefon zu gelangen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 31.03.2009
Judith von Sternburg schwankt bei der Lektüre von Christine Gräfin von Brühls Ratgeber für Adlige zwischen abgrundtiefer Langeweile und verwundertem Augenreiben. Zwischen den ärmlichen Scherzen, abgegriffenen Formulierungen und "erzkonservativen" Ansichten, die die gräfliche Autorin mit geisteswissenschaftlichem Doktortitel aus dieser geschlossenen Gesellschaft ausplaudert, horcht die Rezensentin eigentlich nur bei einer Information auf Seite 106 auf. Dass nämlich nur "wer dazugehören will", auch wirklich adlig zu nennen ist. Da wirkt Frau von Sternburg dann anscheinend auch ganz persönlich erleichtert, dass sie nicht notgedrungen Mitglied in diesem Verein sein muss.
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